Ein Berliner Café bietet eine kinderfreie Zone, eine Idee mit Potenzial
„Ältern ohne Kindern" bietet ein Berliner Café am Prenzlauer Berg ein Separée. An sich wäre so eine kinderfreie Zone nichts Besonderes. Jeder der selbst Kinder hat weiß: Manchmal tut es gut, ohne die Kleinen und Kleinsten in der Zeitung zu schmökern, ein Achterl mit der Freundin zu heben oder auch nur die lieben Mitmenschen störungsfrei auszurichten. Und wer keine Kinder hat, hat sicher auch gerne hie und da vor dem quängelnden, kreischenden Nachwuchs der anderen seine Ruh. So gesehen also nichts Anrüchiges, sondern ein Angebot mehr für eine bestimmte Zielgruppe.
In Berlin gehen trotzdem die Wogen hoch. „Eines der Symbole dafür, dass sich Deutschland in eine kinderentwöhnte Gesellschaft entwickelt", sagt der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes. Auch die Berliner Parteien fühlen sich auf den Plan gerufen, die SPD hält die Abtrennung für „eine geschmacklose Aktion". Beides geht am Potenzial der Idee meilenweit vorbei und scheint irgendwie mächtig über die Stränge geschlagen. Nur Weicheiern mutet die kinderfreie Zone irgendwie gruselig an, nur für Gutmenschen reduziert sie Menschen weiter auf Zielgruppe, separiert in diversen Separées. In Sinne dieser Tendenz tun sich nämlich neben kinderfreien Zonen noch zahlreiche ungenutzte, Geschäfte belebende und weitaus konsequentere Entflechtungspotenziale für eine hermetisch abzuriegelnde Klientel auf.
Es böten sich die gut durchlüfteten Freiluftkantinen für stinkende Sportler, die Hochsicherheits-Tavernen für Hundehalter, die anrüchigen Alkoholikerpinten für Säufer, die heimeligen Müttercafés für weibliche Elternteile, die geräumigen stabil gebauten Heurigen für Dicke, die avantgardistischen Schönheitsoasen für Ästheten, die goldigen Heimwerker-Ratskeller für Häkelbrüder- und -Schwestern, die wohligen Pensionistenwirtshäuser für Omas und Opas, die schlichten Intellektuellen-Bars für Papas, die schalldichten Szenetreffs für die Jugend, die raumsparenden Stehbeisl für die Dünnen...