Kinderfreies Séparée

Regina Bruckner, 7. März 2010, 17:26
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    foto: apa/rietschel

    Kinder im Café - eine Selbstverständlichkeit. Muss nicht immer und überall sein, findet ein Berliner Wirt.

Ein Berliner Café bietet eine kinderfreie Zone, eine Idee mit Potenzial

„Ältern ohne Kindern" bietet ein Berliner Café am Prenzlauer Berg ein Separée. An sich wäre so eine kinderfreie Zone nichts Besonderes. Jeder der selbst Kinder hat weiß: Manchmal tut es gut, ohne die Kleinen und Kleinsten in der Zeitung zu schmökern, ein Achterl mit der Freundin zu heben oder auch nur die lieben Mitmenschen störungsfrei auszurichten. Und wer keine Kinder hat, hat sicher auch gerne hie und da vor dem quängelnden, kreischenden Nachwuchs der anderen seine Ruh. So gesehen also nichts Anrüchiges, sondern ein Angebot mehr für eine bestimmte Zielgruppe.

In Berlin gehen trotzdem die Wogen hoch. „Eines der Symbole dafür, dass sich Deutschland in eine kinderentwöhnte Gesellschaft entwickelt", sagt der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes. Auch die Berliner Parteien fühlen sich auf den Plan gerufen, die SPD hält die Abtrennung für „eine geschmacklose Aktion". Beides geht am Potenzial der Idee meilenweit vorbei und scheint irgendwie mächtig über die Stränge geschlagen. Nur Weicheiern mutet die kinderfreie Zone irgendwie gruselig an, nur für Gutmenschen reduziert sie Menschen weiter auf Zielgruppe, separiert in diversen Separées. In Sinne dieser Tendenz tun sich nämlich neben kinderfreien Zonen noch zahlreiche ungenutzte, Geschäfte belebende und weitaus konsequentere Entflechtungspotenziale für eine hermetisch abzuriegelnde Klientel auf.

Es böten sich die gut durchlüfteten Freiluftkantinen für stinkende Sportler, die Hochsicherheits-Tavernen für Hundehalter, die anrüchigen Alkoholikerpinten für Säufer, die heimeligen Müttercafés für weibliche Elternteile, die geräumigen stabil gebauten Heurigen für Dicke, die avantgardistischen Schönheitsoasen für Ästheten, die goldigen Heimwerker-Ratskeller für Häkelbrüder- und -Schwestern, die wohligen Pensionistenwirtshäuser für Omas und Opas, die schlichten Intellektuellen-Bars für Papas, die schalldichten Szenetreffs für die Jugend, die raumsparenden Stehbeisl für die Dünnen...

 

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Posting 1 bis 25 von 33
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chefin
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öhm, ich versteh die ganze aufregung eigentlich nicht..

erstens gibts (oder gabs,bin hier nicht mehr uptodate) in wien bei der mahü genau so ein café mit einer spielzone inkl. kinderbetreuung und zweitens hab ich das so verstanden, dass es bei diesem konzept nicht um die ausgrenzung der kinder geht, sondern darum, es eltern zu ermöglichen,auch mal für ein, zwei stunden mehr oder weniger gemütlich und entspannt auf einen kaffee zu gehen, ohne sich ständig um den nachwuchs kümmern zu müssen - ich denk, auch jede überdrübersupermutter hat gelegentlich das bedürfnis, hie und da ein paar minütchen für sich zu sein oder mit einer freundin "in ruhe" zu plaudern..

eva lindt
 
03
warum geht die autorin

automatisch davon aus, dass kinder stoeren? sehnsuechtige nochnichtomas, touristen auf der suche nach einem niedlichen motiv, einfach gelangweilte oder einfach interessierte erwachsene ... unsere kinder haben schon oefter anderen menschen einen restaurantbesuch bereichert. natuerlich gibts da auch diejenigen, die spitz rueberlugen und nur darauf warten, dass die kinder oder ihre eltern sich irgendwie danebenbenehmen. man erkennt sie gleich an ihrem sauertoepfischen blick...

ivoryhunters
04
wir sind in der tat eine kinder-entwöhnte gesellschaft

wir sind gottseidank (aus beruflichen gründen) nicht in Österreich, deshalb muss ich das spiessbürgerliche nur in den ferien aushalten.
wo auch immer man in der welt hingeht, kinder sind herzlich willkommen. nur in österreich scheinen sie überall zu stören. im restaurant, im museum, kirche sogar auf der donauinsel wurde ich schon angeherrscht wegen meiner kinder (von einer älteren hundebesitzerin).

die schmerz- oder besser gesagt die raunzgrenze ist bei uns viel zu schnell erreicht.

es sollte vielmehr für familien mit kindern gemacht werden.

eva lindt
 
00
ist in D noch schlimmer, finde ich

es ist fuer eine familie mit mehreren kindern fast unmoeglich, in manchen staedten eine anstaendige mietwohnung zu finden. da werden 150 m2 wohnungen exklusiv fuer "gutsituierte paare" angeboten. gerne noch mit hund, aber mit kinderN - igitt!

Franz Bim
 
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In anderen Ländern erholt man sich halt in der Siesta. Hier in Österreich aber, wo man hart und gewissenhaft arbeitet, sich bemüht, pünktlich zu Terminen zu erscheinen und so insgesamt viel produktiver ist als andernorts, möchte man sich halt in der Mittagspause bzw. in der Freizeit erholen. Und dazu braucht es halt nunmal Ruhe.

Wenn ich schon die Nachteile südlicher Länder habe (Kinderlärm), dann möchte ich auch die Vorteile, wie warmes Wetter, Siesta, rauchfreie Lokale, Sonne, Mehr und Palmen haben.

Chili73
 
00
..."Ich fahre gelegentlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln, wenn gerade die Kinder von der Schule kommen"

Siesta?

t-bonesteak
03
in osteuropäischen ländern

beispielsweise gibt es keine siesta, die menschen arbeiten vielfach mehr als im wohlstandsverwöhnten österreich und kinder sind trotzdem herzlich willkommen.

so mieselsüchtig wie deutsche und österreicher ist kaum jemand sonst auf der welt...

t-bonesteak
03
kenne auch kein land (oder besser: keine stadt wie wien)

wo es so mühsam ist mit kindern ein lokal zu besuchen. die verbiesterten, vertrockneten, halbsenilen spießer (egal welchen alters) haben die absolute mehrheit und schauen dich an wie einen alien, wenn du mit kind(-ern) ein lokal betrittst.

anderswo saußen die kleinen schon mal durchs (hauben-)lokal und keinen stört es. im gegenteil gibt es zu fast 100% positive reaktionen auf die anwesenheit von kindern.

Bertel Mann
04
Wie wärs mit Lokalen nur für Weisse - natürlich nur als Angebot für Rassisten?

Franz Bim
 
10

Kindheit ist eine Krankheit, die täglich besser wird.

Die "falsche" Hautfarbe bleibt, wenn man sich nicht gerade bleicht wie Michael Jackson, ein Leben lang.

celiz
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Schämen Sie sich eigentlich nicht?

Chili73
 
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Ups...

...Bei Ihnen dauert das aber noch lang bis es besser wird...

..|..
00

oder einem Lokal nur für Dumme?

Punschkrapfi
06
wir haben unsere 2 Kinder

mit 3,5 und 4,5 Jahren manchmal im Restaurant dabei, wenn's unvermeidbar ist, bei Tagesausflug oder so.
Allerdings ist das Stress pur, zwischen "setz Dich ordentlich hin, nicht mit dem Besteck spielen, nicht auf die Speisekarte malen, neeeeiiiiiin der Teller ist kein Parkplatz für Dein Matchboxauto, nicht mit den Fingern Essen, wisch Dir mal den Mund ab, nein Schokoladekuchen kriegst Du erst NACH dem Essen, auch wenn der am Nachbartisch schön ausschaut und Du gerne Deine Spagetti dem Nachbarn geben würdest, ....." Ich will nicht, daß meine Kinder andere Leute stören, darum muß ich ständig mit 150% dahinter sein.
Wenn wir gelegentlich mal alleine weg können wäre ich dann sehr froh über eine kinderfreie Zone !

Aurelia Biedermann
00
Genau dieses ständige "Tu dies nicht und mach das nicht" ist es, was Kinder zu quängelnden Störenfrieden macht.

christian decker
02
meine sind zwar schon älter

aber wirklich gern sind die nicht mit uns in Restaurants gegangen, weils halt irgendwann fad geworden ist. Ich kann Punschkrapfi nur voll zustimmen - ich sehe absolut nichts Böses an kinderfreien Zonen und das mit Rassismus zu vergleichen ist IMHO Schwachsinn. Gefühlsmässig sind es gerade Eltern (von meist mehreren Kindern) die die Kinderfreien Zonen geniesen, wenn sie mal alleine sind...

t-bonesteak
13
ich sehe das so:

1. punschkrapfi hat gar keine kinder, sondern ist einer dieser notorischen kinderhasser

2. ja, auch ich und meine freunde genießen es mal ohne kinder weg zu gehen. dann nehmen wir sie aber schlicht nicht mit.

t-bonesteak
01
klingt nach echten problemen mit ihrem nachwuchs

oder nach ein bißchen maulerei.

bis auf das längere zeit ruhigsitzen bleiben kenne ich weder von meinem sprößling noch von anderen kindern (freundes- und bekanntenkreis sowie beobachtungen in lokalen) die von ihnen beschriebenen verhaltensweisen.

t-bonesteak
12
So gesehen also nichts Anrüchiges, sondern ein Angebot mehr für eine bestimmte Zielgruppe.

mit dieser seltsamen rechtfertigung kann ich jede x-beliebige bevölkerungsgruppe ausschließen. und da würden - zu recht - die wogen hochgehen. aber bei kindern kann man es ja machen...

standardabweichung
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was man nicht alles tut um pfaffenfreie lokale zu ermöglichen

jake & elwood
01

What's next?

Negerfreie Diskos?

t-bonesteak
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ist doch für echte

kinderhasser nichts. da hilft nur ein totales kinderverbot...

Franz Bim
 
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Genau genommen gibt es in jeder Altersschicht Menschen, die lästig laut sind. Leider ist herrscht im Moment aber eine pädagogische Strömung, in der es nicht für nötig erachtet wird, Kinder zu einem rücksichtsvollen Verhalten zu erziehen, was unter anderem dazu führt, dass Kinder mehr oder weniger grundsätzlich nicht gesellschaftsfähig sind.

Konsequenterweise müsste man übrigens gerade auch in öffentlichen Verkehrsmittel flächendeckend Ruhezonen einrichten, da ansonsten jeder, der es sich irgendwie leisten kann, mit dem Auto fährt.

Insbesonders ist es nicht zu verstehen, warum teilweise der Gebrauch von Mobiltelefonen untersagt wird, wenn gleichzeitig Kinder erlaubt sind.

sterngucker
 
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Darf ich Ihrem Verständnis auf die Sprünge helfen?

Kinder sind lebendige Wesen, für die Grundrechte gelten; Mobiltelephone sind leblose Maschinen.

Franz Bim
 
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Mir ging es hier nur um den Aspekt der akustischen Umweltverschmutzung. Und die ist durch Kinder und Jugendliche um einiges größer als durch Mobiltelefone.

Außerdem schrieb ich auch, dass es auch ältere Menschen gibt, die nerven. Und ja, natürlich gibt es auch Kinder und Jugendliche, die sich ruhig verhalten. Leider viel zu wenige.

Ich will auch niemanden Grundrechte absprechen, aber wer sich so benimmt, dass man ihn nicht aushält, muss halt damit rechnen, dass er von gewissen Dingen ausgeschlossen wird.

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