Lorin Maazel feierte seinen 80. Geburtstag
Wien - Stehende Ovationen schon zur Begrüßung beim Philharmonischen Abokonzert, eine Feierstunde am Vorabend, Grüße des Bundespräsidenten: So beging Wien am Samstag den 80. Geburtstag von Lorin Maazel. Die Wiener Philharmoniker selbst, soeben mit dem Dirigenten von einer Tournee kreuz und quer über den Globus zurückgekehrt, dankten ihm mit einem Auftragswerk "für die Treue zu unserem Orchester" .
Nach knapp einem halben Jahrhundert der Zusammenarbeit und etlichen gemeinsamen Neujahrskonzerten mit Maazel als legendärem Stehgeiger hätten sie auch sonst kaum Adäquates anzubieten gehabt: Denn Ring, Medaille und Ehrenmitgliedschaft hat der angeblich bestbezahlte Dirigent der Welt, der den Wienern nicht nur teuer, sondern zumindest genauso lieb ist, bereits längst. So lieferte der Jubilar denn ein symphonisches Destillat seiner 2005 in London uraufgeführten Oper 1984.
Ein klingender Melting Pot
In der gleichnamigen Suite für Orchester zeigte sich der Maestro ganz als Amerikaner mit Affinität zu Gershwin und Bernstein: Sie ist gleichsam ein klingender Melting Pot aus lebenslangen Vorlieben mit allerlei vitalen Ingredienzien, schmissigen Rhythmen, melancholischen Momenten und lärmenden Einwürfen, wenn sich das Geschehen auf die Straße verlagert oder dem katastrophischen Höhepunkt annähert. Doch bleibt sie damit auf dem Niveau recht brauchbarer Filmmusik oder dem Stoff für ein effektvolles Encore; eine knappe Stunde im Konzertsaal füllt sie freilich nicht.
Dass sich das Orchester und Maazel blind verstehen, zeigten sie nach der Pause bei Ravels Daphnis und Chloe (Suite Nr. 2) und bei Debussys La Mer. In der Tat passen ihre Klangideale zueinander wie Topf und Deckel - zeitweiser Hochdruck eingeschlossen. Und so wurde das klangliche Füllhorn bis zur Neige ausgeschenkt, was die sogenannten Impressionisten opulent und kräftig erstrahlen ließ.
Wer sich nicht nur an solcher satten Eleganz delektieren wollte, konnte dabei etwa studieren, was Debussy mit Richard Strauss und Mahler oder - nicht nur der prächtigen Blechchöre wegen - mit Wagner und Bruckner verbindet. Insofern standen sich Partner gegenüber, die vollkommen eines Sinns waren, wenn es um Wärme und Verschmelzung des Klangs ging. Denn Maazel ist einer der letzten großen Romantiker alter Schule - und auch jemand, der offenbar die Energie hätte, um jenen Job anzutreten, der ihm unlängst angetragen wurde: die Leitung der Münchener Philharmoniker. (Daniel Ender/DER STANDARD, Printausgabe, 8. 3. 2010)
Am 8. 3., 19.30, gastieren die Wiener Philharmoniker und Maazel im Konzerthaus (ausverkauft).