Ministerin
Karl und WU-Rektor Badelt haben mit ihrem Ruf nach Uni-Zugangsbeschränkungen Recht
Es wirkt
paradox: Österreich liegt bei der gemessenen Akademikerquote in der EU und der
OECD auf den hintersten Plätzen. Und dennoch fordern Politiker wie
Wissenschaftsministerin Beatrix Karl, fast alle Uni-Rektoren und zahlreiche
Bildungspolitiker Zugangsbeschränkungen.
Aber hier gibt
es in Wirklichkeit keinen Widerspruch. Erstens ist die Akademikerquote in der
Realität nicht niedriger als anderswo. Dass gewisse Fachausbildungen in
Österreich keinen Hochschulrang haben, ist ein Schönheitsfehler – und bei
Pädagogen und Pädagoginnen ein echtes Manko –, hat aber keinen Einfluss auf das
tatsächliche Bildungsniveau.
Österreich mag den Ruf eines Titelparadieses
haben, andere Staaten aber gehen mit akademischen Diplomen viel großzügiger um als wir.
Der zweite
Punkt aber ist, dass Zugangsbeschränkungen an den Hochschulen die Zahl der
Absolventen nicht verringern würden – im Gegenteil. Das Problem der Unis sind,
wie WU-Rektor Christoph Badelt im derStandard.at-Interview zurecht ausführt
und auch seine Kollegen ständig betonen ,
nicht die Zahl der regulären Studierenden, sondern jener Inskribierenden, die
ein Studium als Zeitvertreib nach der Matura, als Status fördernder Selbstfindungsprozess
oder als Quelle nützlicher Sozialleistungen betrachten.
Sie gehen nur selten zu
Vorlesungen, legen kaum Prüfungen ab und werden wohl auch nie abschließen. Aber
sie besetzen dennoch die teuren Kapazitäten der Universitäten.
Das ist
keine Minderheit: In den Massenstudien schließen zwei Drittel der
Studienanfänger das Studium nie ab.
Das ist die
Perversion des Humboldt‘schen Bildungsgedanken: Nicht die Suche nach Wissen,
sondern nach möglichst viel Spaß bestimmen an unseren unstrukturierten Unis die
Studentenkultur.
Dies ist eine
der größten Ressourcenverschwendungen im Bildungswesen – es frisst Gelder auf,
die sonst in Lehre und Forschung gesteckt werden können, und kostet den
Studierenden viel Zeit. Es ist eines der Gründe, warum die Gesamtqualität
unserer Hochschulen so beschämend niedrig ist.
Diese Studienabbruch-Kultur
ist auch ansteckend: Manche lassen sich vom chaotischen Massenbetrieb
demotivieren, andere lassen sich vom Nichtstun mitreißen oder setzen mehr
Energie in den Job, der nebenbei begonnen wird. Bietet sich einmal eine feste
Stelle, dann sagt man dem Studium ade. Die Folge ist ein zu früher
Berufseinstieg mit einer zu geringen Ausbildung.
Deshalb
würde die Wiedereinführung und deutliche Erhöhung der Studiengebühren und klare
Zugangsregeln, die Studierende von Anfang an zwingen, sich mit dem Fach
auseinanderzusetzen, den Studienerfolg erhöhen und damit auch die
Absolventenzahl.
Der dritte
notwendige Faktor ist die in Intellektuellenkreisen so verhasste Verschulung
der Universitäten, die das Bachelor-Masters-System mit sich bringt. Die Mehrheit der 18-Jährigen ist nicht reif
genug, sich ihren Studienverlauf
effizient und erfolgreich selbst zu planen. (Auch die meisten 40-Jährigen
würden daran scheitern.)
Sie leiden
unter dem Uni-Alltag und wären in einem System mit mehr Schulcharakter, an dem
man sich nicht im Morgengrauen anstellen muss, um einen Seminarplatz zu
ergattern und angesagte Prüfungen tatsächlich stattfinden, viel besser dran.
Dazu müssten wie an den Fachhochschulen Anwesenheitspflicht und Prüfungszwang
gehören.
Ein Argument
spricht gegen die Verschulung und paradoxerweise für den häufigen
Studienabbruch: Dass 18- bis 20-Jährige Zeit brauchen, um das für sie passende
Studium zu finden. Das ist richtig, sollte aber nicht durch häufigen
Studienabbruch erreicht werden, sondern durch ein System wie an amerikanischen
Colleges, bei dem man in den ersten Jahren Kurse in verschiedenen
Studienrichtungen belegen kann, ohne dass man damit Zeit verliert.
Auch das
ließe sich in einem umstrukturierten Bachelor-Masters-System viel besser
umsetzen als in den traditionellen Studienplänen.
Eine
Hinwendung zu einem Liberal-Arts-System, das es leider in ganz Europa nicht
gibt, kostet allerdings viel Geld. Studium ist teuer und muss von jemandem
bezahlt werden. Der Steuerzahler allein kann diese Bürde nicht tragen, so sehr
dies die Studierendenvertreter der ÖH und der Audimaxisten in ihrem
idealistischen Egoismus auch fordern.
Wer mehr und
besserer Akademiker in diesem Land will, muss – so wie es Ministerin Karl auch
tut – für Studiengebühren und Zugangsregeln eintreten.