"L'Osservatore Romano" nennt andere Verantwortliche - Bruder von Papst Benedikt leitete Knabenchor 30 Jahre lang
Rom - Die vatikanische Tageszeitung "L'Osservatore Romano"
hat am Samstag eine Presseaussendung des Regensburger Bischofs
Gerhard Ludwig Müller veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass die
Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen nicht in den Jahren
verübt worden seien, in denen Papst-Bruder Georg Ratzinger (86)
Leiter des weltberühmten Knabenchors war.
Ein erster Fall sei auf das Jahr 1958 zurückzuführen. Dafür
verantwortlich sei ein Vize-Direktor der Vorschule der Domspatzen
gewesen. Georg Ratzinger hatte die Domspatzen zwischen 1964 und 1994
geleitet.
Für einen zweiten Fall wurde eine Person verantwortlich gemacht,
die 1958 sieben Monate lang bei den Domspatzen gearbeitet hatte. Nach
12 Jahren wurde diese Person wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt,
so der Bischof. "Beide Fälle waren schon damals bekannt und werden
vom rechtlichen Standpunkt als abgeschlossen bewertet. Sie beziehen
sich nicht auf die Amtszeit von Professor Georg Ratzinger", hieß es
in der Aussendung.
Allerdings war in Medienberichten von Freitag von
Missbrauchsfällen, die die 1950er Jahre beträfen und bis in die
jüngste Vergangenheit reichten, die Rede.
"L'Osservatore Romano" forderte am Samstag "Klarheit" in
Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandals in der deutschen Kirche und
"Gerechtigkeit für die eventuellen Opfer". "Der Heilige Stuhl ist der
Diözese Regensburg für ihren Einsatz zur Klärung des Falles dankbar
und hofft, dass die selbe Klarheit innerhalb der öffentlichen und
privaten Institutionen herbeigeführt wird", hieß es in der am Samstag
veröffentlichten Zeitungsausgabe. (APA)