"Völkermord"-Vorwurf belastet Ankaras Beziehungen zu Washington
Ankara - Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat
die Armenien-Resolution eines US-Kongressausschusses als "Komödie" und "Parodie"
bezeichnet. Die Resolution des Auswärtigen Ausschusses im Repräsentantenhaus sei
das Ergebnis einer "verfehlten Politik", sagte Erdogan am Samstag in einer im
Fernsehen übertragenen Rede vor Wirtschaftsvertretern in Istanbul. Die Türkei
werde sich davon nicht abschrecken lassen.
"Lassen Sie mich sehr deutlich sagen, dass uns diese Resolution nicht schaden
wird. Aber sie wird die zwischenstaatlichen Beziehungen, die Interessen zweier
Länder und ihre Vorstellungen von der Zukunft belasten", sagte Erdogan und fügte
hinzu: "Wir werden nicht die Verlierer sein."
Mit der Einstufung der türkischen Massaker an den Armeniern im Ersten
Weltkrieg als "Völkermord" hatte der Ausschuss des Repräsentantenhauses am
Donnerstag heftige Proteste in der Türkei ausgelöst. Der türkische Außenminister
Ahmet Davutoglu forderte die Regierung von US-Präsident Barack Obama auf, die
Armenien-Resolution zu blockieren, um die Beziehungen zwischen beiden Ländern
nicht zu gefährden. Zuvor hatte Ankara bereits den türkischen Botschafter in
Washington abberufen. Türkischen Zeitungsberichten zufolge bereitet Ankara eine
Reihe von Entscheidungen vor, um Washington weiter unter Druck zu setzen. So
sollen etwa die gegenseitigen Kontakte auf ein Mindestmaß zurückgefahren und
angeblich auch Waffengeschäfte überdacht werden. (APA)