Rosenkranz geht auf Distanz

6. März 2010, 11:03
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NS-Verbrechen für FPÖ-Kandidatin "unbestritten" - BZÖ sieht "falsches Spiel": Strache stellte selbst Verbotsgesetz in Frage

Wien - Die FPÖ und mit ihr Barbara Rosenkranz versuchen Schadensbegrenzung. Zunächst betonte Generalsekretär Herbert Kickl am Samstag in einer Aussendung, dass für Rosenkranz "die Distanzierung vom Nationalsozialismus und dessen Gedankengut eine Selbstverständlichkeit darstellt". In einem Interview mit der "Presse" geht dann auch Rosenkranz selbst - wie von der "Kronen Zeitung" verlangt - auf Distanz zu nationalsozialistischem Gedankengut.

Angesprochen auf die Verbrechen der NS-Zeit und die Existenz der Gaskammern sagt sie: "Daran kann ja kein Zweifel bestehen." Für Montag kündigt sie eine "öffentliche Erklärung" an, nachdem Hans Dichand in der "Krone" von ihr eine eidesstattliche Distanzierung gefordert hat.

Die nach ihren Äußerungen zum Verbotsgesetz aufgeflammte Kritik empfand Rosenkranz allerdings "doch mancherorts" als "Infamie". "Verwundert'" zeigt sie sich darüber, dass sich Kardinal Christoph Schönborn "in dieser Weise einmischt". Zurückhaltend äußerst sich Rosenkranz aber zur kritischen Stellungnahme ihres Wahl-Kontrahenten Bundespräsident Heinz Fischer: "Ich habe ja, wie gesagt, nicht die Abschaffung des Verbotsgesetzes gefordert", antwortete sie, angesprochen auf dessen Plädoyer für eine "Feuermauer gegenüber der Nazizeit".

Aussagen wie "Es gab keine Gaskammern" bezeichnet Rosenkranz als "völlig unakzeptabel". "Ja, das ist unbestritten" antwortet sie auch auf die Frage, ob sie zustimmt, dass in den Gaskammern Millionen Juden ermordet wurden. "Ganz und gar nicht" würde sie die NS-Zeit verharmlosen, sagt die FPÖ-Kandidatin: "Man kann die Geschichte nicht leugnen, und ich habe nie eine Nähe zum Nationalsozialismus erkennen lassen." Die österreichische Staatsnation gebe es "selbstverständlich", sagt Rosenkranz - und würdigt die "große Rolle des österreichischen Erzhauses in der Geschichte".

BZÖ: Strache stellte selbst Verbotsgesetz in Frage

"Ein falsches Spiel mit Rosenkranz" treibt nach Meinung von BZÖ-Generalsekretär Stefan Petzner FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Denn Strache selbst habe sich mehrfach gegen das Verbotsgesetz ausgesprochen - und Rosenkranz habe "nur die bisherige rechtsextreme und NS-freundliche Linie ihres Parteiobmannes vertreten", meinte Petzner am Samstag in einer Aussendung.

So habe Strache in der "Presse" vom 25. Februar 2006 anlässlich der Verurteilung des Holocaust-Leugners David Irving gesagt: "Das Gesetz, das die Meinungsfreiheit einschränkt, muss schon in Frage gestellt werden." Und im ORF-Sommergespräch vom 18. August 2006 habe er sich laut APA dafür ausgesprochen, das Verbotsgesetz "kritisch zu betrachten". (APA)

  •  Barbara Rosenkranz und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache während einer Pressekonferenz am vergangenen Dienstag.
    foto: standard/hendrich

    Barbara Rosenkranz und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache während einer Pressekonferenz am vergangenen Dienstag.

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