Staatsholding ÖIAG beginnt mit Kündigungen

7. März 2010, 07:00
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Neun langjährige Mitarbeiterinnen müssen gehen, auch drei Betriebsrätinnen - Gewerkschaft geht vor Gericht

Wien - Als besonders Zeichen der Solidarität mit Frauen zum kommenden Weltfrauentag hat die ÖIAG nun die ersten drei von insgesamt neun Frauen gekündigt, darunter drei Betriebsrätinnen. In Summe zählt die zum Finanzministerium ressortierende ÖIAG derzeit noch 23 MitarbeiterInnen. Alle Betroffenen sind langjährige Mitarbeiterinnen im Alter zwischen 46 und 56 Jahren. Ihre Dienstverhältnisse sollen per 30. Juni 2010 enden.

Die Gewerkschaft und der mit der Causa beauftragte Linzer Arbeitsrechtler Manfred Harrer haben nun beim Arbeits- und Sozialgericht die drei Kündigungen angefochten. Die restlichen sechs Kündigungen stehen noch aus und dürften je nach Fristigkeit demnächst folgen. Bereits laufende Verhandlungen über einen Sozialplan wurden seitens der ÖIAG aber ausgesetzt, bedauert Harrer.

Gespannt ist man in der Gewerkschaft, wie die ÖIAG die Kündigungen der Betriebsrätinnen argumentiert. Karl Proyer von der Gewerkschaft der Privatangestellten ist, weil man sich in einer "heißen Phase befindet", kurz angebunden: "Betriebsräte kann man nicht kündigen, alle Betroffenen bekommen von der Gewerkschaft jede Unterstützung." ÖIAG-Chef Peter Michaelis, der mit einer Jahresgage von über 700.000 zu einen der bestbezahlten (und meistkritisierten) Manager des Landes gehört, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die Betriebsrätinnen wollten sich dazu ebenfalls nicht äußern. Sie erfuhren von den Plänen der Staatsholding übrigens Anfang Jänner aus dem Standard.

Der Grund für den Kahlschlag: Nach dem Verkauf der AUA an die Lufthansa ist das Portfolio der ÖIAG (siehe Grafik rechts) auf ein Minimum geschrumpft und "eine Erweiterung ist nicht in Aussicht gestellt", wie eine ÖIAG-Sprecherin festhält. Michaelis will den Bereich Treasury und Buchhaltung künftig "zukaufen" wie es heißt, gemeint ist offenbar ein Outsourcing der Aktivitäten. Michaelis' Vorstandsvertrag läuft noch bis Mitte 2011. Die SPÖ hat bereits mehrmals die Auflösung der ÖIAG verlangt, die ÖVP hätte sie gerne aufgefettet um ÖBB, Asfinag und Verbund gesehen. (Claudia Ruff, DER STANDARD/Printausgabe 6.3./7.3.2010)

 

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