Euterei bei der Hansy

9. März 2010, 17:06
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    foto: gasthaus hansy

    Kacheln pflastern den Weg ins Innere des Tieres:

    Gasthaus Hansy am Praterstern
    Heinestraße 42
    1020 Wien
    012145363
    Zwei Gerichte, Getränke, Kaffee: 23,60 Euro

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    foto: fidler

    Zwei Stück Euter, paniert.

Harald Fidler lernt am Wiener Praterstern den nächsten Körperteil der Kuh kennen - dafür nimmt er sogar Panier in Kauf - Zum Ausgleich gibts am Abend schnurgeraden Schweineschwanz

Herr Hilberg war mir meilenweit voraus. Wie oft schon, diesmal aber gleich um gut drei Jahre. Im November 2006 hat der Konstantin die Hansy heimgesucht. Ganz spontan, praktisch im Vorbeifahren begutachtete er erfreut das damalige Gänseangebot. Da hatte ich schon viele, viele Pratersternrunden vor mir mit dem Vorsatz, das auffällig gekachelte Ecklokal endlich einmal heimzusuchen.

Und schon im März 2010, nach nur rund 25 Jahren festen Vorsatzes, geschah's. Und das, obwohl ich spätestens seit meinem Besuch im Kaiserwalzer weiß, dass das Innere des Tieres zu den Schwerpunkten des Schaffens in 1060 wie 1020 zählen. Genau, der Kaiserwalzer ist ein Ableger von Hansy. Heißt es eigentlich der, die oder das Hansy? Egal. Es heißt jedenfalls die Innerei, das weiß ich. Und das Euter.

Keine Meuterei

Genau der Milchsack der Kuh fehlt mir noch in meinen gastro-anatomischen Studien - beim Stiegl Max in Purbach war das Euter, wie berichtet, ja damals leider aus, als wir uns am Neusiedler See fröhlich durch Eingeweide und Außenstände von Hecht bis Hengst arbeiteten. Außenstände, da wären wir wieder, wenn auch bei anderem Tier, anderem Geschlecht.

"Schlachtfrisch" leuchten die Schilder auf den Praterstern, darunter steht zum Beispiel Kuheuter. Ich versichere mich noch kurz, dass mein Gesprächspartner dieser Bestellung gewachsen ist. Er versichert, dass ja, wählt aber eher vorsichtig selbst einen Wiener Suppentopf (und wirkt über das Ergebnis nicht unzufrieden). Nur der Kellner scheint mir vom Euter nicht ganz überzeugt. Wenn auch von Meuterei weit entfernt. Auf Nachfrage erklärt er, dass er Euter etwas fad findet. So einfach bringt man mich nicht davon ab. Selbst die angedrohte Panier, gemeinhin ein Fidler-Fluchtgrund, kann mich nicht schrecken.

Milchig-säuerlich und knackig

Ich muss sagen, Herr Willi hatte mit dem fad nur bedingt Recht, wiewohl ich definitiv ebensowenig von einem Aromenfeuerwerk schreiben würde (das überlass ich aber auch bei aufregenderen Gerichten den Profis unter den Essschreibern). Vor allem das erste Stück erinnert absolut schlüssig mit einem milchig-säuerlichen Ton an jene Substanz, die dieser Körperteil sein Kuhleben lang praktisch ständig sich herumgetragen hat. Was das mit Georgien zu tun hat, verraten wir demnächst an dieser Stelle.

Wenn der Bauer verpennt

Die Konsistenz des panierten, dunklen und regelmäßig durchzogenen Flecks ist ebenso schlüssig recht (biss)fest. Schließlich muss das Ding ja auch ein bisschen halten, wenn der Bauer einmal seinen Rausch ausschläft, statt die Mitzi pünktlich anzuzapfen.

Zwei dieser durchaus ansehnlichen Stücke plus wienerisch-süßer Erdäpfel-Vogerlsalat ergeben eine gut sättigende Portion. Wird nicht mein Lieblingsgericht, aber wieder was erledigt.

Schweineschwanz, schnurgerade

Wer mittags m-eutert, kann abends natürlich nicht mit Berner Würstel, Pommes oder Cremespinat klein beigeben. Gut, dass Herr Hilberg in der Stadt isst, und das am liebsten bei Porcus. Immerhin den Besuch hatte ich ihm längst voraus - wenn auch nur wenige Wochen.

Unter der Vielfalt des gesottenen Schweins gibt's diesmal auch noch Schwanz, schnurgerade übrigens, und gar nicht geringelt, wie man sich das als Stadtmensch vorstellt. Sieht nicht wirklich schön aus (ist Stelze schön?), ist vom Knöchelchen zu knabbern, schmeckt aber zart und fein und gar nicht fett. Schon wieder hat mir der Hilberg mit dem Körperteil am Ende vom Schwein was voraus. Wäre ich nicht so gut erzogen, würde ich jetzt kalauern: eine Schwanzlänge, quasi.

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

Kommentar posten
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Taji Soron
00
Beim Hansy gibts auch "Herbstschnitzel"

hinter denen sich ebenfalls eine gebackene Rarität - vom männlichen Rind - vebirgt... (fragen Sie den Kellner nach den Details)

geilhuber
00
18.3.2010, 14:38

Kommt da Milch raus , wenn man daran zieht?

hier könnte ihr name stehen
00
11.3.2010, 14:03

Falls Sie die Möglichkeit dazu haben: geräucherte Euter, dünn aufgeschnitten schmecken um Welten besser!

schmecks
00
22.3.2010, 17:57

und wo gibts die, bittschön?
besten gruß,
fid

Dilbert
00
11.3.2010, 13:00

Neben dem Kuheuter gab's auch Herbstschnitzel (Stierhoden).

t-bonesteak
32
11.3.2010, 12:47
und der nächste der einen auf

auskenner in punkto essen macht.

Litschi Monster
00
13.3.2010, 21:06

Welcher Teil des Wortes "Dilletant" ist schwer zu verstehen?

schmecks
00
15.3.2010, 15:12

der teil, der sich nicht von der dille ableitet.
besten gruß,
fid

NegR h.c.
10
11.3.2010, 11:17

Sagt man in Wien wirklich "gekachelt"?

Der Bericht ist übrigens sehr einladend, macht Gusto auf mehr, danke dafür.

Maximinianus
02
10.3.2010, 14:17
Kindheitserinnerungen

Schon in meiner frühen Kindheit war ich regelmäßig mit meiner Großmutter beim Hansy. Jedes Mal gabs Bauernschmaus den wir uns geteilt haben. Auch wenn ich heute Vegetarier bin, möchte ich die Besuche beim Hansy nicht missen. Dieses Lokal ist absolut legendär!

standardabweichung
11
10.3.2010, 12:14

gegerbt auch als ersatz für viennaletaschen zu verwenden

Schnabeltierfresser
16
10.3.2010, 11:39
"Schließlich muss das Ding ja auch ein bisschen halten, wenn der Bauer einmal seinen Rausch ausschläft, statt die Mitzi pünktlich anzuzapfen."

Mit Sicherheit der beste Satz, der jemals im Online-Standard erschienen ist!

fischkopp
61
10.3.2010, 11:22

Verzehrt der Schreiber diese ganzen scheußlichen Dinge, über die er laufend schreibt, eigentlich freiwillig, oder gibt es dafür ein kräftiges Extrahonorar ? Ich kann mir nur zweiteres vorstellen, aber meine Vorstellungskraft ist diesbezüglich eh beschränkt.

schmecks
01
22.3.2010, 17:58

ich kann Ihnen versichern: völlig freiwillig und mit freude.
besten gruß,
fid

kuchlmensch
03
10.3.2010, 10:28
Statt knuspriger Ente knuspriger Schweinsdarm

Weiß nicht, ob der in den Wiener chinesischen Lokalen erhältlich ist - aber in diversen "chinatowns"in Europa und USA habe ich das mit Vergnügen gegessen.
Levantinische Variante (nur frisch gut, no na): Kokoretzi, in der Türkei Kokorec, Schafsdarm gefüllt mit Lamminiereien. Darf nicht zu lange gebraten haben, sonst ist die drin enthaltene Leber bitter und bröselig. Hauptstadt der Kokoretzi in Griechenland: Lamia, dort gibt es massenhaft Standln mit wirklich gut gewürzten K. - sie schauen aus wie eine große Wurst am Spieß.
Was Ekelschreie wegen Darm betrifft - Würste werden ja auch gegessen (außer von Anhängern lustfeindlicher Lebensformen), oder?

mistaG
00
15.2.2011, 12:52
der türkische kokorec...

besteht aber nur aus lammfett dass am spiess mit darm umwickelt wird. zumindest in istanbul befindet sich darin keine leber oder anderes. schmeckt aber trotzdem spitze. die griechische variante mit der leber im inneren ist auch köstlich.

kuchlmensch
00
15.2.2011, 14:16
Selcuk

In Selcuk und bei diversen Standeln auf Märkten in Anatolien hab ich es auch auch mit Innereien gegessen- aber sicher gibt es verschiedene Varianten, die auch gut schmecken, Orthodoxie hat in der Küche nix verloren

geilhuber
00
18.3.2010, 14:40

Geroesteten Darm gibt es im SAIGON in der neulerchenfelderstrasse im 16.bezirk

Lappe ohne Rentier
00
Gegrillten! Schmeckt hervorragend...

Herzelichst
Ihr Lappe

Mucosaprolaps
00
12.3.2010, 13:07

Schweinedarm gegrillt gibt's in einem serbischen Holzkohlengrill-Beisl "Top Grill" am Yppenplatz / Payergasse.

Communityrob
00
12.3.2010, 10:02
Hurra, endlich

Endlich, lese ich von jemanden, der dieses wunderbare Gericht kennt. Ist den Profis noch völlig verborgen geblieben.

Und ich kann ihnen nur beipflichten: Wer Innereien mag, der ist bei Kokoretzi bestens aufgehoben. Wie üblich bei solchen Sachen, gibt es Varianten wo nicht nur Leber, sondern auch andere Innereien wie Herz, Nieren etc. verarbeitet werden.

Lernte es sowohl in Bulgarien als auch in Griechenland kennen.

Derfdeswoarsein
 
00
10.3.2010, 09:28
Hab ich in Mathe wieder einmal gefehlt?

...November 2006 hat...
...schon im März 2010, nach nur rund 25 Jahren...

oder versteh ich das nicht richtig?

Annakonda
00
19.3.2010, 11:01
nicht in Mathe

in sinnerfassend lesen.

NegR h.c.
00
11.3.2010, 11:15

Nennt sich Ironie.

gastrosoph
00
10.3.2010, 08:21
Verlaufen

Herr Fiedler, wie wärs mal mit einer Kritik über das Angebot der Gruft?

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