Sex-Skandal

Chorsänger vermittelte Callboys

06. März 2010 09:16

Zu den Kunden zählte der papst-nahe und korruptionsverdächtige hohe Staatsbeamte Balducci

Rom/Hamburg - Der Vatikan steht im Mittelpunkt eines Sexskandals: Ein Chorsänger aus dem Petersdom soll männliche Prostituierte vermittelt haben. Zu seinen Klienten gehörte offenbar auch ein hoher Staatsbeamter, der sich im direkten Umfeld von Papst Benedikt XVI. bewegte. Das berichteten italienische Zeitungen in den vergangenen Tagen und "Spiegel Online" am Freitag. Sie veröffentlichten auch Mitschnitte aus delikaten Telefonaten.

Der in Rom lebende Nigerianer Chinedu Thomas Ehiem (40), ein Chorsänger des Vatikans, hatte dem hohen italienischen Staatsbeamten Angelo Balducci gegen Geld junge männlich Prostituierte vermittelt. Am Mittwoch hatte die italienische Tageszeitung "La Repubblica" erstmals darüber berichtet. Auch andere Zeitungen zitierten aus Tonbändern, die der Polizei vorliegen und auf denen zu hören ist, wie die beiden Männer am Telefon ihre Geschäfte abwickelten.

"Zwei Schwarze, ein Fußballer, ein Tänzer ..."

Ehiem sagte dabei unter anderem: "Ich habe da einen aus Neapel, einen Kubaner, einen Deutschen, gerade aus Deutschland eingetroffen, zwei Schwarze, einen Fußballer, einen Tänzer der RAI (des staatlichen Fernsehens)", heißt es laut der Tageszeitung "Libero" in einem Mitschnitt. Auch Priester-Seminaristen sollen zu den jungen Männern gehört haben, die Ehiem an Balducci weiterreichte. In einem Gespräch kommt die Frage auf, wann denn der Jüngling "wieder im Seminar" sein müsse.

Manchmal aber auch zeigt sich "Mike" - so nannte Balducci den den Chorsänger Ehiem - kurz angebunden und antwortet mit einer knappen SMS: "Bin im Vatikan, kann jetzt nicht sprechen." Denn "Mike" alias Thomas sang in seiner Freizeit in der "Cappella Giulia" mit, dem zweitwichtigsten Chor in Sankt Peter nach den Sängern der Sixtinischen Kapelle.

Auch Angelo Balducci ging im Vatikan ein und aus. Als Präsident des Obersten Rates für Öffentliche Arbeiten war er einer der mächtigsten Beamten Italiens, gebot über Millionenaufträge und konnte öffentliche Ausschreibungen gezielt steuern. Der ältere weißhaarige Herr zählte zu den "Gentiluomini di Sua Santità", der "Ehrenmänner Seiner Heiligkeit", des Papstes. Bei besonderen Anlässen war er als ehrenamtlicher Diener in der Residenz von Papst Benedikt XVI. tätig.

"Leg ein bisschen Musik auf, wirf eine Viagra ein, und los geht's"

Jetzt allerdings sitzt Balducci zusammen mit zwei weiteren Spitzenbeamten und einem Bauunternehmer in Haft, weil er systematisch Bauaufträge des italienischen Zivilschutzes verschoben haben soll, zum Beispiel nach dem Erdbeben von L'Aquila, aber auch für den G-8-Gipfel von 2009. Bei den sexuellen Eskapaden des katholischen Familienvaters Balducci dagegen handelte es sich nicht um Bestechungsleistungen - er zahlte alles aus eigener Tasche.

Am Rande der monatelangen Korruptionsermittlungen protokollierten die Carabinieri auch die Sex-Telefonate mit. Weil diese jetzt auch Bestandteil der Ermittlungsunterlagen sind, stand ihr Wortlaut bald in allen italienischen Tageszeitungen. Neben Ehiem war für Balducci auch ein zweiter Vermittler am Werk, der Italiener Lorenzo Renzi, der es laut "La Repubblica" im Gespräch mit einem Callboy nicht an Deutlichkeit mangeln lässt: "Du kassierst immerhin 2.000 Euro. Also geh' mir nicht auf den Sack! Leg ein bisschen Musik auf, wirf eine Viagra ein, und los geht's!"

Ehiem war nach Auffliegen des Skandals seinen Platz in der "Cappella Giulia" sofort los. Der Vatikan betonte, Ehiem sei weder Priester noch sonst in irgendeiner kirchlichen Funktion tätig. Ansonsten äußerte sich der Heilige Stuhl bisher nicht zu den Vorfällen. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 261
1 2 3 4 5 6
please hold the line
07.03.2010 14:35
fortsetzung veraltet

und wir werden nicht in diese Alte zurückkehren, sofern sich nichts ändert.

please hold the line
07.03.2010 14:33
veraltet

Anscheinend haben viele "Gläubige" solche Neigungen. Vielleicht sollte die Kirche ihre Einstellung einmal überdenken.
Warum hat die Kirche so ein großes Problem mit dem Thema Homosexualität? Gerade in der heutigen Zeit.
Will doch die Kirche, sehr gezwungen wirkend, immer modern erscheinen, doch legt sie veraltete Tatsachen an den Tag. Ein Mensch kann ohne Zuneigung nicht leben.
Würde die Kirche den Priestern etc erlauben eine Partnerschaft mit einer Frau bzw einem Mann zu führen, gäbe es mit Sicherheit diese "Skandale" nicht.
Meiner Meinung nach ist die Kirche veraltet und daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Doch sie werden immer mehr und mehr Anhänger verlieren, denn wir leben bereits in einer modernen Welt und wir werden nicht

Chien de Pique
07.03.2010 16:38

Ja, wahrscheinlich 50 bis 100 Millionen Gläubige, um zu diese Erkenntnis zu gelangen, braucht man nicht diese zwei. Die Kirche will zudem niemandem vorschreiben, ohne Zuneigung zu leben - sondern ohne Sex (was in vielen Fällen natürlich als Forderung auch unrealistisch ist). Zuneigung war bei den Geschäften bei dieser beiden Herren sicher nicht im Spiel, besonderes sexuelles Vergnügen wohl auch nur bei dem einen, der dafür den anderen bezahlen musste und danach junge Männer einkaufte wie Möbel, ausgewählt nach Kriterien wie Farbe, Gewicht und Größe (und dass es den sonstigen Callboys nicht Spaß machte und u.U. nur mit Viagra irgendwie geht, wissen wir ja aus den Telefonaten). Also bitte keine sentimentalen biedermeierlichen Romantisierungen

Mike Muschinsky
07.03.2010 13:31
Sexskandal im Vatikan?

Der Zuhälter hat in der Freizeit im Vatikan gesungen uhh
Und ein hoher italienischer Beamter vergnügt sich mit Callboys..... skandalös.....

Cato der Ältere1
07.03.2010 12:40
...es ist richtig rührig, wie hier versucht wird...

..die mafiöse Organisation Namens katholische Kirche zu verteidigen.

Wie seicht muß eine Wahrnehmung sein, um die Verbrechen dieser Organisation zu verniedlichen.

Wann wird diese Organisation endlich als das behandelt was sie ist. Eine auf Macht ausgerichtete organisierte Kriminalität.

Mit dummen Schäfchen die Schutzgeld bezahlen.

José Atento
07.03.2010 11:44
Es gibt anscheinend mehr Männer mit solchen Neigungen

als man immer annahm.

Schon im ALTEN Rom wusste man von diesen Dingen zu berichten. Vergangenheit verpflichtet, oder wie?

KKdJ
07.03.2010 11:31
No, was is?

Schläft der Zensor? Oder isser gar katholisch?

Jose Marcovaldo
07.03.2010 11:10
fortsetzung ...

...angst vor der erbfolge der priester eh nicht mehr zeitgemäss. zwingen müsste man ja eh keinen priester.
"wer es fassen kann der fasse" (oder so) kann ja nicht auf das sich vergreifen an kindern bezogen gewesen sein. also wünsche ich angesichts des heraneilenden heidnischen fruchtbarkeits osterfests allen geistlichen häuptern und ärschen ein frohes fest! und lasset fröhlich eines fahren: nämlich das zölibat

Jose Marcovaldo
07.03.2010 11:05
An und für sich ja kein Skandal...

ausser man betrachtet es durch die homophobe und sexualfeindliche brille von klerikern. die callboys werden ja hoffentlich nicht zur arbeit gezwungen, betreiben das als job, und ein paar stehen vielleicht sogar auf den ornat eines bischofs/kardinals oder so. wahrscheinlich würde auch hermes phettberg seinen bevorzugten jeansboy gerne gegen einen bischof tauschen. aber so es sich um erwachsene handelt ist es eigentlich reine privatsache und keiner erwähnung wert. der skandal ist eher dass die kirche nicht einfach die letzten skandale zum anlass nimmt und für ein ausleben der sexualität ihrer mitglieder jenseits von ministranten und callboys sorgt. kübelt doch endlich den zölibat, in zeiten der vatikanbank shareholdings ist eine angst ..

KKdJ
07.03.2010 10:24
Vielleicht sage ich hier Offensichtliches, aber...

was einen stört, ist ja nicht die Tatsache, dass irgendwer Sex haben will, von mir aus auch bezahlten Sex (solang es nicht um Kinder oder anderswie Abhängige geht, die nicht die Wahl haben). Von mir aus in der Sixtinischen Kapelle.

Was einen aber WAHNSINNIG ärgert, ist einfach die UNGLAUBLICHE VERLOGENHEIT, mit der die Kirche, der Vatikan, der Papst et alii, mit solchen Sachen umgehen.

Sie sollen doch bitte endlich einsehen, dass der Zwangszölibat ein Übel ist, das DRINGENDST abgeschafft gehört. Und das Papsttum sollte man am besten gleich mit erledigen, das hat schließlich nur Unheil gebracht. Man lerne Geschichte...

Mathias
 
08.03.2010 11:05
Und das Papsttum sollte man am besten gleich mit erledigen, das hat schließlich nur Unheil gebracht.

Das Papsttum ist der Mißbrauch der christlichen Idee. Kein Wunder, daß sowas auch bei anderen Religionen aktuell in ähnlicher (politischer) Weise geschieht!

wackelkandidat
07.03.2010 09:26

ist doch schön, wenn man Beruf und Hobby miteinander verbinden kann.

Die Gezeichneten
07.03.2010 11:32

Leider für viele hier schon wieder ein Grund, unreflektiert und verallgemeinernd über die kath. Kirche herzufallen ("die Pfaffen"). Wenn das so weitergeht, muß bald ein Geistlicher schreiend davonlaufen, wenn er einem Kind begegnet und Angst haben, wenn er mit jemandem spricht.

Lichtfreak
08.03.2010 17:27
Und bedanken können sich diese Geistlichen

bei der vatikanischen Führung, die seit Jahrzehnten die Opfer verhöhnt und die Täter schützt!

blubblub
07.03.2010 14:10
jo eh,

die Pfaffen können ja ihren Beruf wechseln in was normales...

Alf von Melmak
07.03.2010 08:14
Chorsänger vermittelte Callboys


DAS ist ja kein Verbrechen, solange die Callboys legale solche sind.

Toni Blaher
 
07.03.2010 10:07

Und der Vatikan bzw. röm. kat. Kirche sind überhaupt nicht bigott?

van jan
07.03.2010 08:55

Hat irgendjemand was von Verbrechen gesagt? Skandal triffts besser.

Es ist schlicht und einfach eine grausliche Scheinheiligkeit und Heuchelei, die hier offen ans Tageslicht tritt.

Wie heißts so schön. "Allen anderen Wasser predigen, aber selbst Wein saufen!"

Chien de Pique
07.03.2010 14:26

Der Vorwurf der Scheinheiligkeit trifft aber nur die beiden Herren (und noch die namenlosen Seminaristen, die sich als Callboy verdingen lassen), die sich in einer Kirche engagieren, deren Sexualmoral sie offenkundig ignorieren, es trifft aber nicht die Kirche, die das sorgfältig geheimgehaltene Liebesleben des Gentiluomo (oder gar das Telefon- und Internetverhalten eines kleinen Chorsängers) ja nicht kennen kann (oder höchstens durch das Beichtgeheimnis gebunden).

Die Nutte La
07.03.2010 20:44
Der Vorwurf der Scheinheiligkeit trifft aber nur die beiden Herren


Na gehn'S!

Ich halte Sie für viel zu intelligent, um nicht zu erkennen, dass es sich bei den andauernden "Zwischenfällen" dieser Natur in der Kirche nicht nur um Einzelfälle, sondern um eine systemimmanente Problematik handelt.

Das gesamte kirchliche (v.a. röm.-kath.) System mit seiner Unterdrückung der Sexualität ist eine Brutstätte für sexuelle Übergriffe.

blubblub
07.03.2010 08:53
stimmt

deshalb ist er auch seinen Platz im Chor los. Hätte er wirklich was am Stecken würde er ja von der Kirche gedeckt werden.
Was hingegen mit Balducci jetzt passiert werden wir wohl nie erfahren..

phoenixx78
07.03.2010 08:31

Ich glaube, es geht hier um die scheinheilige Doppelmoral. Katholischer Familienvater mit homosexuellen Affären.

transwarp
07.03.2010 08:02
Gefährliches Gemisch.

Gleichgeschlechtliche Liebe ist nicht verboten und dass die besonders häufig in der kath. Kirche und bei der Armee stattfindet, wem wundert´s?

Wir sollte aber zwischen echten Verbrechen wie sexuellen Übergriffen, Sadismus, Korruption und Menschenhandel und juristisch irrelevanten Peinlichkeiten wie Vatikan Interna´s und "halbnackten" Burschen beim Schulausflug unterscheiden.

a las barricadas
07.03.2010 07:48
erinnere mich an den call-girl fall

hier in österreich, als minderjährie frauen der prostitution zugeführt wurden. eine freierspur führte direkt ins paralment. da wurde aber dann erfolgreich betoniert und planiert. denn der betroffene "mitarbeiter eines abgeordnten" gab an angeblich im prostituiertenmileu zu "recherchieren". da ist italien anders, dort werden solche skandale aufgearbeitet und das unter berlusconi.

Binary Bandit
07.03.2010 06:40
Wenn wunderts

Die tragen dort unten doch alle Pedobear-Unterwäsche.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 261
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.