Missbrauchsskandal

Pater stellte Fotos halbnackter Buben ins Internet

05. März 2010 19:04

Im bayerischen Kloster Ettal sind offenbar einhundert Kinder gequält worden - Auch bei den Regensburger Domspatzen gab es "unsittliche Handlungen"

Wenn Erzbischof Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, am 12. März im Vatikan mit Papst Benedikt XVI. zusammentrifft, gibt es mit Sicherheit einiges zu besprechen. Immer deutlicher wird, dass die Missbrauchsfälle an katholischen Einrichtungen in Deutschland keine Ausnahmen waren, sondern offenbar System. Mittlerweile sind bereits 18 von 27 Bistümern betroffen.

Eine Woche lang hat sich Thomas Pfister mit Missbrauchsfällen im bayerischen Kloster Ettal beschäftigt. Der Münchner Strafverteidiger war von der Leitung des Benediktinerklosters als Sonderermittler eingesetzt worden und legte seinen Bericht am Freitag vor. Sein Fazit: Im Kloster, zu dem ein Internat und ein Gymnasium gehören, herrschte in den Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahren ein "Terrorregime". In mehr als einhundert E-Mails berichteten ehemalige Schüler davon, in "sexueller, psychischer und physischer Hinsicht misshandelt" worden zu sein. "Körperliche Übergriffe waren an der Tagesordnung, manche Patres waren sadistisch veranlagt", zitiert der Sonderermittler aus E-Mails.

"Wären die Vergehen nicht verjährt, hätten sie mehrjährige Haftstrafen zur Folge gehabt", sagt Pfister. Er weist aber auch darauf hin, dass die Vorfälle, die zum Teil Jahrzehnte zurückliegen, nicht den heutigen Zustand des Klosters beschreiben: "Man darf sich das heutige Kloster nicht als Gemeinschaft prügelnder und missbrauchender Klosterbrüder vorstellen." Allerdings: Ein paar Vorfälle datieren aus den Neunzigerjahren - darunter auch jener, der den Stein im Kloster Ettal überhaupt ins Rollen gebracht hat.

Ein Klostermitglied hatte gestanden, Kinderpornos aus dem Internet heruntergeladen zu haben. Außerdem hat der Mann in den Jahren 2000 und 2001 Fotos halbnackter Schüler auf eine Internetseite für Homosexuelle gestellt. Die Buben hatte er bei einem Wanderausflug mit nacktem Oberkörper fotografiert. In dieser Woche war es deswegen zu einer Razzia im Kloster gekommen, dabei wurde der Rechner des Mannes beschlagnahmt. Möglich gewesen seien all die Fälle durch eine "systematisch praktizierte Kultur des Wegschauens und Verschweigens" im Kloster, erklärt Sonderermittler Pfister.

Papst-Bruder ahnungslos

Auch bei den Regensburger Domspatzen, dem ältesten Knabenchor Deutschlands, hat es zwischen 1958 und 1973 Missbrauch gegeben. Zwei leitende Geistliche, die beide 1984 verstarben, sollen wegen "unsittlicher Handlungen" auch zu Haftstrafen verurteilt worden sein. Die Diözese schließt aber nicht aus, dass es weitere Täter gibt, die noch im Dienst sind. Sie hat eine Kommission eingesetzt, die auch Hinweise auf schwere Misshandlungen in der früheren Domspatzen-Vorschule prüfen soll. Georg Ratzinger, der Bruder des Papstes, der in der fraglichen Zeit Leiter der Domspatzen war, erklärte, er habe von den Vorfällen nichts gewusst. In den Niederlanden sind dutzende neue Missbrauchsfälle in einem Internat des Salesianerordens bekannt geworden, die meisten liegen 50 Jahre zurück. Vorabdruck von Wolfgang Bergmanns Roman "Die kleinere Sünde". (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD, Printausgabe, 6./7.3.2010)

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Mumpitz
07.03.2010 09:55

Wie wird es erst im geheimen Kloster zugehen, wenn es schon im öffentlichen Internat so zugeht.....

Ich bin der Meinung...
07.03.2010 07:49
Pater sind per se auch nicht kriminieller

als andere Menschen. Daher sollte es bei einigen Jahren Haft bleiben.

Über das Berufsverbot soll/muss der Vatikan entscheiden.

Alina Zak
07.03.2010 14:44
also Pater sind normale Sünder?

andere Menschen haben es sich aber nicht zur Berufung gemacht, ein Gott gefälliges (=moralisches) Leben zu führen. wenn man gegen die Kernaufgabe seiner Berufung verstößt, was bleibt dann noch?
Die Botschaft ist: ein "bißchen sündigen" (und es ist schon eine der verwerflichsten Straftaten) ist ok, solange es keiner merkt. und es ist eben schwer sich zurückzuhalten, wenn die kleinen Burschen so knackig sind. (also hilft der Glaube gar nicht?)
Und so rekrutiert man sicher die richtigen Leute!

Ich bin der Meinung...
07.03.2010 19:34
Das Strafrecht

unterscheidet nicht zwischen Berufsgruppen, sondern kennt nur die kriminelle Tat.

Auf Grund derer sollen und müssen diese Verbrecher verurteilt werden. Und aus.

PS: Das ist, was ich gemeint habe. Natürlich sind Pfarrer keine besseren oder anderen Menschen. Es gibt auch unter Taxifahrern genug die nicht fahren können. Und Archtitekten mit null Ahnung von der Bautechnik. Ärzte mit enorm hoher Fehldiagnosenquote usw.
Warum verlangen wir von Priestern dass diese allesamt zu 100% Heilige sind?

Wichtig ist viel mehr, die Kriminiellen schonungslos und erbarmungslos der Staatsanwaltschaft preiszugeben.

Alina Zak
11.03.2010 00:16
wir verlangen nicht daß sie perfekt sind

die Kirche selber stellt so weltfremde Ansprüche an sich und an andere. dabei sind sie nicht mal selber in der Lage diese zu befolgen.
der Punkt ist: wenn kaum jemand es schafft ohne Sexualität zu leben, wieso gibt man nicht endlich zu, daß das Zölibat ein Irrtum war. aus Angst vor (der Macht der ) Sexualität kreiert man Perversionen der schlimmsten Sorte. (Pädophilie ist falsch kanalisierte Angst vor erwachsener Sexualität).
Das Zölibat bringt soviel wie die Prohibition in Amerika (=Alkoholverbot): als die Mafia in den USA einen ungeheuren Auftrieb erfuhr (=Verbot führt zu tumorhaften Auswüchsen)

JosefGott
07.03.2010 13:28

Das ist nicht kriminell sondern krank und Pervers.

Ich bin der Meinung...
07.03.2010 19:30
Krank oder Pervers zu sein

ist nicht strafbar. Daher ist es gut, dass solche Taten auch kriminell sind, denn sonst könnte diesen Typen nicht das Handwerk gelegt werden.

es-gibt-nur-wir,kein-ihr,nur-wir
 
06.03.2010 21:35

einfach nur dumm oder scheissnsa se goa nix mehr???

Gerhard1967
06.03.2010 21:21
Warum solche Verbechen verjähren ...

... frage ich mich immer wieder ...

Liebe Grüße

JosefGott
07.03.2010 13:33

Vielleicht weil die ermittlenden Behörden Druck brauchen um zu ermitteln
Oder damit Bürger die sich vor vielen Jahren eine Dummheit geleistet haben, nicht nach einer Beichte am Sterbebett wegen Tatbegehungsgefahr oder Fluchtgefahr in U-Haft kommen.
Dass es Verjährungsfristen gibt, ist doch gut.

nodiesop
07.03.2010 11:34
damit Reiche und Mächtige die Chance haben

etwas lange Jahre unter den Tisch zu kehren und wenn die Opfer dann alt genug sind, nichts mehr gegen sie in der Hand haben...

wer hat denn Einfluß auf die Gesetzgebung? Der Vatikan als ganzes durchaus, aber wahrscheinlicher sind die Gesetzgeber selber...

W.Hammerl
07.03.2010 11:27

Vermutlich, weil sich die Opfer erst nach dreißig oder vierzig Jahren outen.

hui buh
06.03.2010 18:45
Oh, mein erstes Posting wurde nicht gebracht. :-((

Zitiert aus dem "Delta der Venus" von Anais Nin, geschrieben 1940 (!!!!)
Das Internat:
Das streng von Jesuiten geführte katholische Internat liegt weit draußen auf dem brasilianischen Lande. Hier leben nur Mönche und ihre Zöglinge. Einer der Mönche, Vater Dubó scheint nicht ganz platonische Vorliebe für die Knaben zu haben, ganz besonders für einen Blonden, der fast wie ein Mädchen aussieht. Nicht nur ihn unterzieht er strenger Beichtstuhl-Inquisition, doch seine Fragen erzeugen mehr Phantasien statt sie zu vertreiben. Außerdem erlegt er seinen Sündern kuriose Exerzitien als Buße auf. Sein Hauptopfer ist dabei ein widerspenstiger Junge, der etwas maurisch aussieht und stets nackt schläft.

Revolver Ocelot
18.03.2010 14:43
Das rot sei Ihnen

bei der Geisteshaltung hier im Forum und anderswo - gewiß gewesen...

JosefGott
07.03.2010 13:35

Klingt interessant, das Buch. Gibts davon auch eine Filmversion? ;) ;) ;)

hui buh
07.03.2010 20:15
:o) Glaube ich kaum...Amazon nachsehen *gg*.

Ingrid Goeschl1
07.03.2010 10:08

Die Vorfälle sind traurig genug, sie als Anlass zu nehmen, Auszüge aus pornografischen Büchern hier reinzustellen, ist abstoßend.

Revolver Ocelot
18.03.2010 14:49
Die so vor sich her getragene kulturelle Fremdenfeindlichkeit stößt mich auch

ab

hui buh
07.03.2010 12:22
Wie verzopft, verklemmt, hinterwäldlerisch und prüde muß man sein,

um den Vergleich einer erotischen Geschichte, die eben frappierend an diese Taten erinnert, als Pornographie darzustellen??? *Kopfschüttel*
Was ich mit dem Zitieren dieses Auszugs aufzeigen wollte war, dass diese Geschichte bereits im Jahr 1940 entstand. Man könnte Anais Nin mit Jules Verne vergleichen.

Mathias
 
08.03.2010 11:18
ein neuer TREND...

... wenn schon Frauen im Bikini als "nackt" und Nacktbilder als Pornographie bezeichnet werden, dann kann man grundsätzlich davon ausgehen, daß mit der Zeit die Frauen wohl alle nur noch Burka tragen dürfen ... und wir Männer wieder diese "schicken" Badeanzüge ala 18. Jahrhundert ...

hui buh
08.03.2010 12:28
Gute Anregung für Frau I.G. ;o)))

nodiesop
07.03.2010 11:30
hmmm...

eher interessant finde ich...

Zitat der Beschreibung in Amazon...
Anais Nin, die Schöpferin der weiblichen Sprache der Sexualität, gab "Das Delta der Venus" erst kurz vor ihrem Tod frei - 35 Jahre, nachdem sie diese ungemein direkten Schilderungen geschrieben hatte. Die fünfzehn erotischen Episoden stellen in der Tat das meiste in den Schatten, was wir an erotischer Literatur aus der Feder einer Frau kennen...

also nur ein Aspekt eines ganzen Buches...

nicht gleich über bewerten...

hui buh
07.03.2010 14:33
Eben, sagte ich ja, dass es sich KEINESWEGS um Pornographie handelt.

Mit der Amazon Beschreibung wird das auch klar und deutlich zum Ausdruck gebracht. Danke!!

Revolver Ocelot
18.03.2010 14:50
Und

was ist dann "Pornographie" ;-)

hui buh
18.03.2010 17:03
Unterschied zwischen Pornographie und Erotik

Wie bei der Erotik ist es auch bei der Pornografie vorrangige Absicht, den Konsumenten sexuell zu erregen. Die Pornografie konzentriert sich dazu auf die Darstellung körperlicher Teile der Sexualität, wie die Geschlechtsteile bzw. den Geschlechtsakt. Die Erotik hingegen betont einerseits zwischenmenschliche Aspekte (Verführung, Sinnlichkeit), andererseits Körperästhetik, wobei die körperliche Trieberfüllung sich in das Gesamtbild integriert, teilweise auch in den Hintergrund rückt, bis hin zum völligen Verschwinden.

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