Warum ist der FPÖ das Verbotsgesetz so wichtig?

05. März 2010 21:37

Das Verbotsgesetz ist ein Sonderrecht - Aber es ist eben nicht obsolet geworden

Vor einigen Jahren, als der Holocaustleugner David Irving bei uns verhaftet wurde (auf dem Weg zur "Olympia" -Verbindung des Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf), fragte mich ein liberaler britischer Kollege, was denn groß passieren würde, gäbe es kein Gesetz gegen die Leugnung des Holocaust.

"Irving würde eine Kolumne in der Kronen Zeitung bekommen", erklärte ich (nur leicht zugespitzt) und zählte die Fälle auf, in denen die Kolumnisten Staberl und Wolf Martin den Judenmord relativiert bzw. ein Ende der Schulerziehung über Auschwitz gefordert haben.

Nun haben wir - bis gestern massiv unterstützt von der Krone - eine Kandidatin für die Präsidentschaftswahlen, Barbara Rosenkranz, die fordert, die Holocaust-Leugnung straffrei zu stellen. Zu den Gaskammern kann sie sich nicht zu einem klaren "Ja, die hat es gegeben" durchringen und wählt die typische rechtsextreme Code-Sprache: "Ich gehe von dem aus, was ich in der Schule darüber gelernt habe" (Übersetzung: "In der Schule sind wir ja Opfer der antifaschistischen Umerziehung und Gehirnwäsche geworden").

Das Verbotsgesetz von 1947 (mehrfach novelliert) verbietet "nationalsozialistische Wiederbetätigung" - und die Leugnung des Holocaust. Nun haben auch liberale oder libertäre Kommentatoren wie der erwähnte britische Kollege oder Presse-Chefredakteur Michael Fleischhacker die Aufhebung des Verbotsgesetzes unter Hinweis auf das höhere Gut der Meinungsfreiheit gefordert.

Das beruht aber auf einem gedanklichen Fehler. Die Holocaust-Leugner wollen nicht eine "Meinung" loswerden, sie wollen nicht eine echte Debatte über Gaskammern (die ist längst entschieden). Sie wollen den Nationalsozialismus rehabilitieren, auf dass er - zumindest teilweise - als politische Ideologie wieder möglich wird.

Wenn man den Holocaust anzweifeln darf (wider jede Vernunft und die beste Beweislage, die je bei einem historischen Verbrechen vorlag), dann ist alles debattierbar. Dann geht es auch ganz leicht mit dem Rest: Rassenhass, Herrenmenschentum, Führerprinzip, völkische Ideologie.

Frau Rosenkranz will übrigens gar nicht das ganze Verbotsgesetz kippen, sagt sie. Nur die Holocaust-Leugnung soll fallen. Das passt schon. Denn die Holocaust-Leugnung ist bereits Wiederbetätigung.

Frau Rosenkranz müsste als Geschichtsstudentin wissen, dass die monströsen Verbrechen der Nazis stattgefunden haben. Aber sie will offenbar einen thematischen Freiraum schaffen, in dem der ganze Nationalsozialismus, bzw. seine Essenz "objektiv" diskutiert und seine Verbrechen nach und nach angezweifelt werden können.

In diesem Kontext, aus ihrem politischen Umfeld, muss ihre Forderung gesehen werden. Und nicht nur ihre. Strache war noch 2008 für die Abschaffung, jetzt plötzlich nicht mehr. Martin Graf ist noch immer dafür. Was ist der FPÖ-Führung so wichtig an diesem scheinbar historischen Thema?

Das Verbotsgesetz ist ein Sonderrecht. Aber es ist eben nicht obsolet geworden. Die Tatsache, dass die extreme Rechte es weg haben will, zeigt seine fortdauernde Notwendigkeit. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 6./7.3.2010)

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Tschuri Cazzino
 
24.03.2010 15:51
Fiedler ist ein sturer Hund.

Mir taugt seine Verbissenheit mit der er das, was er für richtig hält und es meistens auch ist, verteidigt und gegen Dummheit und schlampigen Umgang mit der Moral angeht. Er ist einer der wenigen, bei dem sich seine Gegner die Zähne ausbeissen, weil man sich nur lächerlich macht, wenn man ihm am Zeug flicken will. Dass das Verbotsgesetz im Jahr 2010 ein eines Rechtsstaates unwürdiger Schamfu ist, erkennen vermutlich mehr als es zugeben. Laut sagen darf man es nur, wenn man intellektuell zumindest auf gleicher Höhe und moralisch meilenweit über den Dumm- und Gutmenschen steht.

Ihr Beitrag wird in Kürze veröffentlicht
07.03.2010 17:50
taktik steckt dahinter

die f weiss, dass rosenkranz chancenlos ist, aber mit der debatte will man die wählerschaft stärker an sich binden und für die nächsten wahlen (wien!) wieder ein bissel mit der opferrolle spielen.

Gaviota
07.03.2010 17:36

"Ich gehe von dem aus, was ich in der Schule darüber gelernt habe" (Übersetzung: "In der Schule sind wir ja Opfer der antifaschistischen Umerziehung und Gehirnwäsche geworden").

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Meines Wissens setzte die antifaschistische Aufklärung in österreichischen Schulen erst nach Barbara Rosenkranz' Schulzeit ein (in den 80er-Jahren?). Wenn sie sagt, sie wisse das, was sie in der Schule darüber gelernt hat, heißt das, wörtlich genommen, somit eher, dass sie NICHTS darüber weiß (und wissen will).

Seria
07.03.2010 16:32

Das Gesetz muß bleiben.
Es gibt noch genug Unmenschen in Ö, die sich ansonsten wiederbetätigen würden, menschenverachtend wie die Haider-Strache etc Parteigänger es bis heute noch tun. Beschämend für Ö vor der ganzen Welt

A Voice
07.03.2010 16:25
Die wahre Motivation der

Rosenkränze - geschenkt, ganz klar erkennbar.
Der nächste Absatz enthält einen unzulässigen Schluss. Das Verbotsgesetz begünstigt weder noch erschwert es Rassenhass, Herrenmenschentum oder ein Führerprinzip (nach Rau) zu verbreiten. Ausländerhetze, Islamhetze, Wiederaufgehen der sozialen Schere (Habende Elite gegen erwerben-wollende), gefallene Sonnen, etc.

Was gilt ist, dass das Verbotsgesetz ein wichtiges Signal ist - gerade jetzt. Über eine Aufhebung kann man mMn sinnvoll nachdenken, wenn eine FPÖ wieder bei 3% herumgurkt und Olympia uä aufgelöst wurden wegen Nachwuchsmangels.

onkel wuh
 
07.03.2010 15:32
weils deren weltbild verbietet!

sie wollen endlich wieder straffrei wie ihre väter und großväter sein dürfen!!



upper secret
07.03.2010 14:43
ich persönlich vertrete die aufrechterhaltung des ns-verbotsgesetzes

eine verbrecherische partei darf nicht mehr aufleben.

viel problematischer ist das thema der meinungsfreiheit: es soll erlaubt sein, seine Meinung in JEDE richtung zu sagen, solange man nicht eindeutig zu strafbaren handlungen aufruft.
etwas nicht zu glauben darf nicht strafbar sein, auch wenn es bewiesen ist, dass es stimmt.

alles muss debattierbar sein, nichts darf einseitig sein. ich möchte niemandem das wort verbieten, der einen mao, stalin oder che guevara feiert. sonst müsste man auch in diese richtung klare verbote aussprechen.

auch wenn es mit dem rest dann "zu leicht" geht (wie herr rauscher meint): klassenhass, diktatur des proletariats, führerprinzip, internationalsozialistische ideologie.

nagehhh
07.03.2010 17:47

Es geht bei dem Verbotsgesetz nicht um das Anhimmeln eines Führers sondern um die leugnung des Holocaust.
Für mich sind das 2 paar schuhe.
Das hat nix mit Meinungsfreiheit zutun sondern das man den hinterblieben mit unwarheiten ins Gesicht spuckt.

lt.aldo RAINE
07.03.2010 17:44

merkst du nicht wie hinkend deine Argumentation ist?

was hätte es für einen Sinn dieses Gequatsche und die Infragestllungen des Holocaust und der Geschichte zu erlauben - AUSSER eben damit diese politische position wieder zu legitimieren? Merkst du nicht dass dein Geschreibsl sich selbst widerspricht?

und ausserdem: was haben Che Guevara, Mao und Stalin mit der Geschichte Österreichs zu tun? Und: siehst du irgendwo eine stärkere Linksextreme Bewegung / Gruppierung / Partei?

WIR hatten den Nationalsozialismus und nicht den Stalinismus, begreif das doch mal. Die NS Verbrechen sind unverrückbar Teil unserer (auch nationalen) Geschichte. DESHALB brauchen wir das Verbotsgesetz, um jegliche Re-Legitimierung dieses Gedankenguts zu verhindern

upper secret
08.03.2010 08:58
leider erkenne ich in dieser antwort nur sehr viel emotion

jedoch kaum einen objektiven standpunkt.
ich habe mich aus überzeugung für die beibehaltung des verbotsgesetzes ausgesprochen jedoch prinzipiellen demokratischen erwägungen gegen die strafbarkeit von meinungsäusserungen, auch wenn sie gegen alle aktuellen erkenntnisse sind.
diese einseitige strafbarkeit birgt eine ganz andere gefahr einer zukünftigen ebnung anderer ungewünschter diktaturen, das hat rein gar nichts mit dem nationalsozialismus zu tun.
bitte versuchen sie doch, zu begreifen.

m121
07.03.2010 17:44
Toleranz hört bekanntlich dort auf, wo etwas intolerant wird


und Meinungsfreiheit bei uns eben, wenn es um die "Leugnung, Verharmlosung, Gutheißung und Rechtfertigung des nationalsozialistischen Völkermordes ... " geht. So steht es im Gesetz.

Und wenn eine Partei, aus einer vermutlich seltsamen Identifikation mit den Tätern von damals, deren Tun immer wieder anders, als geschichtlich tausendfach dokumentiert bewertet haben will, dann ist das nur peinlich und lähmend.

Michael Tfirst
 
07.03.2010 12:43
Hitler kann man nie besiegen, aber man muss ihn unentwegt bekämpfen!!! Gerade in unserem Naziland.

Dazu eine gelungene, packende und sehr gute Story auf Telepois: Vom Schweigen im Walde (von Tom Appleton).

"Im Frühtau! Zu Berge! Wir ziehn! Fallera!"

Das gehört eigentlich in die Weltpresse, und die soll dann über das christliche Österreich 2010 befinden:

http://www.heise.de/tp/r4/art... 025/1.html

MfG
Michael Tfirst
Aus Wien


Siehe auch meine Homepage über das christliche Nazi-Österreich:

http://kunstvonmichaeltfirst.blogspot.com/


dB
07.03.2010 15:21
Naziland Österreich?

Nein, Österreich ist kein "Naziland", obgleich es m.M. - nicht zuletzt aufgrund seiner Historie - prozentuell dann doch deutlich mehr nationalistische Sympathisanten mobilsieren kann als andere Länder in Europa.
Die EFFEN werden nun mehr eine neue Taktik beginnen, schon morgen: Sie werden Verbotsgesetz und dgm einfach bejahen - und ihm aber somit auch die Wirkung nehmen.
Ein heutiges "Verbotsgesetz" sollte nicht nur die Identifikation mit Ereignissen vor 3 Gernerationen verdammen sondern vielmehr HEUTIGE, "moderne" nationalistische und rechtsrechtspopulistische Tendenzen unter Strafe stellen.
Das wäre mal ein Grossprojekt für eine grosse Koalition, lange gehts nimmer.
Mir graut vor den nächsten NR-Wahl.
Wehret den Anfängen!

Hubert Ungeist
07.03.2010 13:34
Österreich ist nicht weniger "nazistisch" wie

alle anderen Nationen, aber auch nicht mehr.

Aufgrund unserer HIstorie ist das Wiederbetätigungsgesetz berechtigt. IMHO sollte es auf alle Verbrechen der Menschheit ausgedehnt werden, damit den Rechten ein weiteres Argument aus der Hand genomme wird.

Ar Mutschgerl
07.03.2010 16:26
Herr Ungeist, Sie schlagen vor wie man Ihresgleichen ein Argument aus der Hand nehmen kann?

Interessant.

Bumbu
 
07.03.2010 15:19
IMHO sollte es auf alle Verbrechen der Menschheit ausgedehnt werden, damit den Rechten ein weiteres Argument aus der Hand genomme wird.

Das wäre schwierig. Im Extremfall ist dann (ich phantasiere einen Fall herbei) der Wirtschaftsminister anzuklagen, der bei einem Bankett mit der chinesischen Staatsführung ein paar lobende Worte ber Mao findet.
Oder die „anständige Minderheitenpolitik“ der türkischen Regierung lobt – das könnte als Reativierung des Völkermordes an Armeniern und CHaldäern verstanden werden.

Daß man Holocaust-Leugnung unter Strafe stellen kann, hat eben AUCH damit zu tun, daß es keine ausländischen Nazi-Regierungen gibt, denen man damit auf die Füße treten kann. Dieses Argument wird von den Rechten klarerweise überbetont, aber man kann nicht leugnen, daß es eine gewisse Stichhaltihgkeit hat.

kapitän nemo
Thomas Herzig
07.03.2010 15:08

was glauben sie wieviele diskussionen und streitigkeiten darüber entstehen würden, WELCHE verbrechen nicht mehr geleugnet oder relativiert werden dürfen, und was alles überhaupt als verbrechen zu werten wäre..., wenn sie ALLES da hineinnehmen wollen?

Ar Mutschgerl
09.03.2010 11:11
Genau das ist das Ziel der Ungeister...

Hans der Wedler
07.03.2010 11:29

Nachdem sich die Bevölkerung immer mehr "Grenzen dicht" und "einen starken Mann an der Spitze" wünscht wundert mich nix mehr. In Kombination mit Wirtschaftskrise,Zank der 2 großpartein, und der DeMoralisierung der Kirche siehts etwas düster und bekannt aus..

137
07.03.2010 14:27
Zank der zwei Großparteien?

Worauf beziehen sich solche Behauptungen immer? Ich kann das absolut nicht nachvollziehen.

Seit Schüssels Rücktritt wurde in der Großen Koalition so gut wie gar nicht mehr gestritten. Manche Meinungen gehen vielleicht einmal auseinander, aber das wars auch schon.

Wohingegen mir manche Journalisten immer mehr wie Aasgeier vorkommen, die anscheinend nur mehr auf kleine Meinungsdifferenzen warten, um dort einen katastrophalen Koalitionsstreit hinein zu interpretieren.

Siehe Ingrid Thurnhers Studiogespräche mit dem Bundeskanzler:

http://tvthek.orf.at/programs/... 1939-ZIB-2

Communityrob
07.03.2010 10:50
Verbotsgesetz historisch bedeutsam

Das Verbotsgesetz ist einer der Grundlagen für Österreichs Gründung nach dem Weltkrieg. Als aktiv Mitbeteiligte an dem ganzen Wahnsinn ist es für Österreich, aber auch für Deutschland einfach ein wichtiges Signal an die Welt, dass man mit dieser Ideologie nichts mehr zu tun haben möchte.

Das dann die Aufarbeitung der NS-Zeit nicht so konsequent wie in Deutschland passiert ist, das steht auf einem anderen Blatt. Aber: selbst wenn sich in 20 Jahren herausstellt, dass dieses Gesetz vielleicht totes Recht ist, dann ist es eben das was oben gesagt ist. Ein Signal an die Welt und ein historisches Mandat. Das kann ruhig so bleiben und wenn es niemanden betrifft, dann soll es auch niemanden stören.

kapitän nemo
Thomas Herzig
07.03.2010 15:10

das BESTE signal wäre, wenn die menschen diesbezüglich jegliche alle freiheit hätten , und dennoch fast niemand nazis wählt, oder dieser ideologie anhängt

Hubert Ungeist
07.03.2010 13:35
Nein

es ist erst nachher entstanden - nach der Gründung.

IMHO sollte es bestehen bleiben - und verschärft werden

In Österreich gab es auch Todesurteile also ich seh da keinen großen Unterschied in der Aufarbeitung zu Deutschland

kapitän nemo
Thomas Herzig
07.03.2010 15:12

mit solchen forderungen , die todesstrafe wiederuber die hintertürdes verbotsgesetzes einzuführen, nähern sie sich aber wiederum gefährlich an faschistoide ideologie an.

sociovation
07.03.2010 09:48
Die Frage lautet

Warum ist den Eliten die FPÖ so wichtig?
Klare Antwort an Fleischhacker UND R@uscher:
Weil sie als "Opium für das Volk" verhindert, dass in Österreich über Leistungsgerechtigkeit überhaupt diskutiert wird, in dem soziale Schwache gegen sozial noch schwächere aufgehetzt werden.
Das nutzt natürlich den wirtschaftlichen Eliten.

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