"Es ist nicht so, dass sie mich allein stehenlassen"

5. März 2010, 17:56
69 Postings

Berufssoldatin Lauschmann fühlt sich am Frauentag nicht allein unter Männern - Als Minderheit im Heer könne sie gut leben

Standard: Wie gefällt Ihnen Ihr Job beim Heer? Warum sind Sie hier?

Lauschmann: Es war für mich immer schon klar, dass ich das machen möchte. Da gab es noch gar keine Frauen beim Bundesheer, da hat mich das schon fasziniert.

Standard: Was fasziniert Sie daran, Berufssoldatin zu sein?

Lauschmann: Es ist ja nicht nur ein Beruf, sondern es gibt sehr viele Möglichkeiten. Berufssoldatin sein heißt, man kann Pionierarbeit leisten, im Technikbereich arbeiten, als Pilotin, und so weiter.

Standard: Wie sehen Sie Ihre Aufstiegschancen?

Lauschmann: Sehr gut.

Standard: Die vier ranghöchsten Frauen sind aber Quereinsteigerinnen, Ärztinnen. Man könnte sagen, sie arbeiten innerhalb des Heeres in einem "klassischen Frauenberuf" , im Gesundheitsbereich. Gibt Ihnen das zu denken?

Lauschmann: Nein. Es gibt ja auch viele männliche Oberst-Fachärzte, die Quereinsteiger sind. In den elf Jahren, seit Frauen beim Bundesheer sind, ist es eben nicht möglich, die höchsten militärischen Ränge zu erklimmen.

Standard: Fühlen Sie sich allein unter Männern? Sie sind es nämlich: In Ihrem Jahrgang gibt es 76 Soldaten, darunter vier Frauen.

Lauschmann: Ich fühle mich gar nicht allein. Die Männer, mit denen ich zu tun habe, sind ja auch im zivilen Leben an Frauen gewöhnt. Es ist nicht so, dass sie mich allein stehenlassen. Wir arbeiten ständig in Gruppen zusammen, und da werde ich ganz normal als Kamerad integriert.

Standard: Warum wollen nicht mehr Frauen zum Heer?

Lauschmann: Ich sehe das wie in jedem anderen Beruf. Wenn ein Mann gerne Kindergärtner wäre, und er ist aber nicht geeignet dafür, dann kann er das auch nicht machen. Hier ist es genauso. Nicht jede Frau hat die körperlichen und mentalen Voraussetzungen.

Standard: Ich spreche nicht von Eignung, sondern von Interesse.

Lauschmann: Es gibt auch nur wenige Männer, die Kindergärtner werden wollen.

Standard: Schon einmal mit frauenfeindlichen Äußerungen durch Kollegen oder Vorgesetzte konfrontiert gewesen?

Lauschmann: Nein. Noch nie.

Standard: Dann lese ich Ihnen ein paar Äußerungen vor, welche die Bundesheer-Beschwerdekommission aufgenommen hat: "Scheiß Weiber brauch ma nit. Scheiß Weiber beim Bundesheer." Oder: "Die Moslems haben ihre Frauen sowieso besser unter Kontrolle. Bei denen geht es nicht so zu wie bei uns." Solche Sätze mussten sich Soldatinnen von Unteroffizieren anhören. Was sagen Sie dazu?

Lauschmann: Ich war schon mit mehreren Frauen in Kursen zusammen. Keine hat sich je diesbezüglich bei mir beschwert. Man hört immer wieder, dass es so etwas auch gibt, da kursieren Gerüchte, aber ich war noch nie dabei, und es ist mir selbst noch nie passiert.

Standard: Die Gender-Mainstreaming-Beauftragte des Heeres sagt, viele Frauen nerve umgekehrt, wenn sie vorgeführt werden und bei jedem Foto in der ersten Reihe stehen. Wie sehen Sie das?

Lauschmann: Damit muss man rechnen. Wenn man sich für den Beruf entscheidet, weiß man, dass man in der Minderheit ist und auffällt. Damit kann ich gut leben.

Standard: Können Sie auch gut damit leben, ewig in der Minderheit zu bleiben? Oder soll sich das Heer mehr um Soldatinnen bemühen?

Lauschmann: Ich glaube, dass jetzt schon eine Menge getan wird, um Frauen diesen Beruf schmackhaft zu machen. Die Heeresführung bemüht sich wirklich darum: Es gibt Schnuppertage, Vorbereitungskurse - den Frauen, die Interesse haben, wird wirklich sehr entgegengekommen.

Standard: Würden Quoten helfen, den Frauenanteil zu heben? Etwa eine positive Diskriminierung, bis ein bestimmter Frauenanteil auch in höheren Positionen erreicht ist?

Lauschmann: Ganz sicher nicht. Das wäre eine dumme Idee, bringt den Frauen sicher nichts und macht es ihnen eher schwerer. Es braucht einfach nur Zeit.

Standard: Die FPÖ will auch die "Stellung" für junge Frauen - um deren Gesundheitszustand zu prüfen. Was halten Sie davon?

Lauschmann: Was soll die Stellung ohne Grundwehrdienst bringen? Wenn, dann gleich Wehrpflicht für Frauen. Das ist meine persönliche Meinung, darüber sollte man nachdenken. Das könnte zur allgemeinen Gleichberechtigung von Frauen sicher beitragen.

Standard: Ihre Meinung zu dem Werbevideo, wo Frauen einem Panzerfahrer nachrennen, der seine Haubitze streichelt?

Lauschmann: Ich glaube, dass das Bundesheer schon bessere Videos gedreht hat - und hoffentlich noch bessere drehen wird. Das hat sich schon in der Kameraführung und in der technischen Qualität extrem negativ von allen anderen Werbevideos unterschieden.

Standard: Ist an der Militärakademie darüber geredet worden?

Lauschmann: In meinem Jahrgang nicht. Ich habe erst über die Medien davon erfahren.

Standard: Haben Sie sich beleidigt gefühlt?

Lauschmann: Nein. Die Männer in dem Video kommen ja auch nicht gut weg. Weder der Zivilist noch der Panzerfahrer.

Standard: Schreckt so ein Video viele Frauen ab?

Lauschmann: Ich glaube nicht, dass es dem Bundesheer insgesamt schadet. Es war einfach ein schlechtes Video, nicht mehr. (Petra Stuiber, DER STANDARD, Printausgabe, 6./7.3.2010)

Zur Person: Die Salzburgerin Cornelia Lauschmann, 24, ist Fähnrich beim österreichischen Bundesheer und absolviert derzeit die Offiziersausbildung an der Militärakademie in Wiener Neustadt. Lauschmann möchte künftig bei der Heeres-Flugsicherung arbeiten.

  • Fähnrich Lauschmann bei einer Terrorabwehr-Übung in Wiener
Neustadt: Der Beruf sei "faszinierend", sagt sie. Für mehr
Gleichberechtigung empfiehlt sie die Wehrpflicht für Frauen.
    foto: christian fischer

    Fähnrich Lauschmann bei einer Terrorabwehr-Übung in Wiener Neustadt: Der Beruf sei "faszinierend", sagt sie. Für mehr Gleichberechtigung empfiehlt sie die Wehrpflicht für Frauen.

Share if you care.