Niederösterreich: Blutige Nase bei Irland-Rückzug

5. März 2010, 17:44
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Laut Vermögensverwalter der Niederösterreicher, Fibeg-Chef Herbert Höck, sind die Veranla­gungen aus den Wohnbaudarlehen auf 3,8 Milliarden abgestürzt

Der Ausstieg aus strukturierten Produkten bringt Verluste.

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Wien - Die Hypo Investmentbank beschäftigt das Land Niederösterreich unter Erwin Pröll sehr. Wie berichtet ermittelt die Justiz wegen des Verdachts der Bilanzfälschung gegen die Bankchefs Richard Juill und Peter Harold (rund um Lehman-Papiere; es gilt die Unschuldsvermutung). Die Aufsicht vermutet Sorgfaltspflichtverletzungen und Überschreitung der Großveranlagungsgrenze im Fall "Augustus".

Dabei geht es um 800 Mio. Euro, 700 davon hat die Bank dem irischen Vehikel Augustus (gehört zu 20 Prozent der Bank) kreditiert, das in Hochspekulatives wie CDO oder ABS-Papiere investierte. 100 Mio. Euro stammen laut Fibeg-Chef Herbert Höck aus dem Erlös aus den niederösterreichischen Wohnbaudarlehen. Insgesamt 4,4 Mrd. Euro landeten in vier Fonds; der Wert sank beständig, bis 2009 um eine Milliarde Euro; Details sind traditionsgemäß kaum zu erfahren. Angeblich war man auch im Madoff-Feeder-Fund Alpha Prime investiert; daraus soll aber kein Verlust entstanden sein.

600 Millionen dahin

Nun beziffert Höck im Gespräch mit dem STANDARD den "aktuellen Vermögensstand" aus den Wohnbaudarlehen mit 3,8 Mrd. - demnach wäre man im neunten Veranlagungsjahr mit rund 600 Mio. Euro unter Wasser. Ans Land ausgeschüttet worden seien bis Ende 2009 (samt Garantie- und Zinszahlungen) 1,2 Mrd. Euro.

Höck ist Herr über alle Entscheidungen rund um Niederösterreichs Schätze und genießt das volle Vertrauen von Finanzlandesrat Wolfgang Sobotka (ÖVP). Der Ex-Philips-Manager führt die Land NÖ Finanz- und Beteiligungsmanagement GmbH (Fibeg), ist Aufsichtsratsvizechef der Hypo Investmentbank und Aufsichtsrat in Hypo Capital Management, Hypo Real Invest und Kapitalanlagegesellschaft sowie Vorstand der Wohnbaudarlehen Privatstiftung. Von Jänner 2007 bis Mai 2008 war er im Investmentbank-Vorstand, streckenweise mit Heinz Hofstätter, heute Eigner und Chef der 2008 gegründeten Areta GmbH. Sie soll auch in Hypo-Deals eingeschaltet sein. Er und Höck jedenfalls waren Ende 2007 Bankchefs, als Augustus in Dublin gegründet wurde.

Die darin steckenden "rund 70 Positionen" werden nun laut Höck abgeschichtet, bis 20. März sollen 400 Mio. Euro zurückgeführt sein, der Rest "in drei bis fünf Jahren" . Den Verlust, den man beim Verkauf der strukturierten Produkte realisiert hat, verrät er nicht; der kolportierte "hohe einstellige Millionenbetrag" wird von Experten für recht optimistisch gehalten.

Abverkauf

Abverkauft wird auch das Vehikel Cetium. Darin stecken 100 Mio. aus den Wohnbaudarlehen, "in vier, fünf Jahren" (Höck) soll verkauft sein. Die Augustus-Probleme nimmt er gelassen: "Alles wurde an den Veranlagungsbeirat der Fibeg berichtet, wir haben keine Geheimnisse." Die Frage der Großveranlagungsgrenze sei "eine rechtlich umstrittene" .

Apropos Beirat: In den war kurz auch Ex-Börsechef Stefan Zapotocky entsandt, er nahm aber nie an Sitzungen teil, zog sich aus dem Gremium zurück. Zapotocky war Boardmember des Alpha Prime, dessen Geld bei Madoff zerrann.

Betreut werden die vier Fonds laut Höck von "unterschiedlichsten Managern", die Wiener Aurelius (Michael Dirnegger und Hans-Michael Schania; ihre Lessika in Vaduz verdiente beim Lehman-Bilanzdeal mit) sei "für die strukturierten Wertpapiere" zuständig. Angeblich hat Ex-Banker Hofstätter Aurelius bei der Fibeg entriert.

"Wir haben Aurelius bei der Gründung gefördert", erzählt Höck; es geht um Darlehen von 1,5 Mio. Euro von Hypo Capital Management und Genussscheine über 100.000 Euro, die Ende März abgeschichtet werden. Aurelius beziehe fürs Management von Augustus "0,05 Prozent oder rund 400.000 Euro pro Jahr". (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.77.3.2010)

 

  • Niederösterreichs Hypo-Deals erfordern Bauarbeiten.
    foto: standard/fischer

    Niederösterreichs Hypo-Deals erfordern Bauarbeiten.

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