Gefühlssplitter, Wortblitze und wieder aufgetauchte Mythen: Dine Petriks neuer Gedichtband "wortreich. verschwiegen"
Seit vielen Jahren ist die Edition Niederösterreich dafür bekannt, Autorentexte jenseits von Illustrativem mit künstlerischem Bildmaterial in einen Dialog zu bringen und so aus den Büchern auch bibliophile Objekte zu gestalten.
Im neuen Lyrikband wortreich.verschwiegen von Dine Petrik ist der bekannte Fotograf Gerald Zugmann mit suggestiven Detailaufnahmen von Pflanzenarchitekturen vertreten, die den spröden und rätselhaften Gedichten ihr frei assoziierbares visuelles Pendant liefern. Denn auch Dine Petrik dringt durch ihre poetische Detailarbeit in die Baustrukturen der Sprache, verflüssigt Sinnelemente, kristallisiert auseinanderliegende Bilder zu Wortkonglomeraten.
Letzte Wegfindungen
Schon der Titel verweist auf insgeheime Subtexte und bloß angekratzte Elemente des Schreibstroms. Hier kommt - lang über kurz - Sprache zu sich, mit spärlichen Außenverweisen. Diese immer wieder hermetischen Texte sind glücklicherweise nicht nachzuerzählen und geben keine plakativen Inhaltsangaben her. Man muss sie wirklich als eine verbale Tour de Force selbst und allein lesen, der Ahnung freien Lauf lassen und im abenteuerlichen Interpretationsgestrüpp letzte Wegfindungen sichern.
Was nun passiert: Disparate Gefühlssplitter, bruchstückhafte Reiseerinnerungen, Wortblitze und aufgeschnappt Momentanes, alltäglich Allfälliges, dann wieder völlig freie Rede am Rande des Nichtschweigenkönnens, Groteskes auch zwischen dem lyrischen hohen Ton und dem Newspeak des Computers und seiner Zeitgenossen, dunkle Restahnungen von Natur, dann wieder aufgetauchte Mythen und ein abgetauchtes Ich - Seite für Seite ein neu geöffnetes Textfenster auf Außen- und Innenlandschaften, gefiltert durch fokussierte Sprachspiele und einer irgendwie wehmütigen Sehnsucht, auch den Formen der Liebe nochmals eine spröde Sprache zu geben, die den Konflikt ebenso trägt wie das schwierige Verstehen zwischen Jahreszeiten oder einem sich zu erkämpfenden Gegenüber. "such mir das weite / auge / bis mein / mund sich in / die kurve legt". (Josef Schweikhardt, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 06./07.03.2010)
Dine Petrik, "wortreich.verschwiegen". Gedichte. Mit Fotografien von
Gerald Zugmann. € 20,00 / 87 Seiten. Literaturedition Niederösterreich,
St. Pölten 2009