"Fachmarktzentren sind ein absolutes No-Go"

5. März 2010, 20:16
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Die Vorarlberger Prisma Holding AG entwickelt und betreibt Wirtschaftsparks an mehr als 40 Standorten in Österreich - Geschäftsführer Ölz im Interview

Die Vorarlberger Prisma Holding AG entwickelt und betreibt Wirtschaftsparks an mehr als 40 Standorten in Österreich. Mit dem Vorstand Bernhard Ölz sprach Wojciech Czaja über Möglichkeiten der Kooperation und Qualitätssicherung.

STANDARD: Die Prisma Unternehmensgruppe wurde 1994 in Vorarlberg gegründet. Welche konkreten Startvorteile hat dabei der Standort Vorarlberg geboten?

Ölz: Vorarlberg ist geprägt von Klein- und Mittelbetrieben. Das ist genau jene Kernzielgruppe, die sich vorzugsweise in Wirtschaftsparks niederlässt. Ein weiterer Vorteil ist, dass derartige Gewerbeanlagen in Vorarlberg immer schon privatwirtschaftlich waren und dass für diese Form der Betriebsansiedlung ein großes Bewusstsein herrscht.

STANDARD: Mittlerweile verwalten Sie mehr als 40 Standorte in Österreich und in der Bodenseeregion. Gibt es regionale Unterschiede, was Nutzungsmix und Mieterwünsche betrifft?

Ölz: Wir haben Niederlassungen in Wien, Salzburg, Tirol, Vorarlberg, Süddeutschland und der Schweiz. Nirgendwo gibt es einen Mieter mit mehr als 50 Mitarbeitern. Der Großteil der eingemieteten Unternehmen ist viel kleiner. Einzig Wien ist aufgrund seiner Größe eine Ausnahme. Im Campus Biocenter beispielsweise, den wir in Zusammenarbeit mit der Stadt Wien entwickelt haben, gibt es Mieteinheiten mit bis zu 10.000 Quadratmetern. In den Bundesländern wäre das undenkbar.

STANDARD: Das heißt, zwischen Ost- und Westösterreich gibt es keinerlei Unterschiede?

Ölz: Nein, meines Erachtens nicht. Die Standorte in den Bundesländern sind ziemlich ähnlich strukturiert.

STANDARD: Nach welchen Überlegungen werden neue Standorte bestimmt und entwickelt?

Ölz: Für uns als privates Unternehmen stellt sich die Frage: Ist das Thema Impulszentrum schon abgedeckt oder nicht? Wenn seitens der Gemeinde oder des Landes auch noch der Wunsch nach einem PPP-Modell besteht, führen wir in der Regel eine regionalwirtschaftliche Untersuchung durch. Bei positivem Ausgang steht einer Realisierung nichts im Weg.

STANDARD: Konkret: Wie sieht die Kooperation mit der öffentlichen Hand aus?

Ölz: Die Bandbreite der Kooperationsformen reicht von einer gesellschaftsrechtlichen Verflechtung mit Gründung einer gemeinsamen Investitionsgesellschaft bis hin zu spezifischen, standortbezogenen Agreements. In Röthis beispielsweise haben wir beim Bau des Wirtschaftsparks die gesamte Kanal- und Straßeninfrastruktur für die Gemeinde vorfinanziert. Das war eine Investition in der Höhe von einer knappen Million Euro. Über die Kommunalsteuereinnahmen der angesiedelten Betriebe wurde das Projekt dann wieder refinanziert.

STANDARD: Wie lange hat die Refinanzierung gedauert?

Ölz: Circa sieben Jahre. So eine Form der Zusammenarbeit ist in meinen Augen sehr sinnvoll, und sie beweist, dass es durchaus möglich ist, unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bringen. Aber natürlich verlangt sie beiden Seiten auch viel Vertrauen ab.

STANDARD: Unternehmen wie die Prisma haben Auswirkungen auf Stadt- und Regionalentwicklung. Welche Maßnahmen setzen Sie gegen die Zersiedelung?

Ölz: Zersiedelung der Landschaft ist ein wesentlicher Punkt! Wir arbeiten immer mit Raumplanungsbehörden zusammen und versuchen, Standorte zu finden, die für die Stadt- und Regionalentwicklung aus mehrfacher Hinsicht förderlich sind. Wie man dabei genau vorgeht, ist nicht zuletzt eine Frage der eigenen Unternehmenskultur. Was wir nicht machen, sind Fachmarktzentren beim nächstgelegenen Kreisverkehr am Ortsrand. Das ist für unsere Gruppe ein absolutes No-Go!

STANDARD: Stichwort Qualitätssicherung?

Ölz: Wir bemühen uns, möglichst früh politisch und fachlich Verantwortliche in den Prozess miteinzubinden. Das ist auch für uns eine nachhaltige Sicherung der Investition. In letzter Zeit sind wir dazu übergegangen, auch aktiv Bürgerbeteiligungsprozesse einzuleiten – beispielsweise bei der Erarbeitung von Masterplänen. In der Regel werden dann darauf aufbauend Architekturwettbewerbe durchgeführt.

STANDARD: Wie groß ist der Mehraufwand? Wie groß ist der Output dieser Investition?

Ölz: In Zahlen lässt sich das natürlich nicht ausdrücken. Ich kann aber so viel sagen: Natürlich führt die Durchführung von Wettbewerben und der Fokus auf hochwertige Architektur und Baukultur zu Mehrkosten. Alles andere wäre gelogen. Im Rahmen einer langfristigen Betrachtung ist dieser Aufwand aber in allen Fällen mehr als berechtigt und auch sicher wirtschaftlich darstellbar.

STANDARD: Gibt es konkrete Beobachtungen, dass baulich besser gestaltete Standorte anders wahrgenommen werden?

Ölz: Besonders sorgfältig gestaltete Standorte haben tendenziell eine höhere Auslastung als andere. Eine gewisse Vielfalt zu schaffen ist nicht nur ein regionalwirtschaftlicher Vorteil – davon profitieren auch wir als Entwickler und Betreiber. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6./7.3.2010)

Zur Person

Bernhard Ölz (47) ist Vorstand der Prisma Holding AG im Millennium Park Lustenau.

  • Bernhard Ölz: "Besonders sorgfältig gestaltete Standorte haben tendenziell eine höhere Auslastung als andere."
    foto: prisma

    Bernhard Ölz: "Besonders sorgfältig gestaltete Standorte haben tendenziell eine höhere Auslastung als andere."

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