Was Juristen auch können sollten

5. März 2010, 18:31
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Sind Juristen auch Projektmanager oder "nur" Experten? Dorda Brugger Jordis Rechtsanwälte und die Wiener Jus-Alumni luden zur Diskussion über Berufsbild und Anforderungen an Juristen

"Juristen meinen, sie könnten ohnehin alles, auch komplexe Projekte managen" , stellt Brigitte Schaden, Vorstandsvorsitzende von Projektmanagement Austria (pma), zu Beginn fest. "Allerdings überschätzen sie sich oft, denn während ihrer ganzen juristischen Ausbildung gibt kein einziges Fach, das ihnen Einblick ins Projektmanagement gewährt. In der Praxis werden aber in allen Branchen, Funktionen und Hierarchiestufen diese Kompetenzen immer mehr gefordert."

Dass Juristen nicht unbedingt im Projektmanagement zu Hause sind, belegt eine 2009 in Österreich, Deutschland und der Schweiz durchgeführte Karriere- und Gehaltsstudie von ProjektmanagerInnen des Instituts für Marktanalyse und Umfrageforschung (IMU). Ihr zufolge verfügen zwar 73,5 Prozent der Projektmanager über eine akademische Ausbildung, allerdings haben nur 0,6 Prozent davon Jus studiert.

Das Ergebnis erstaunt Georg Blumauer, Head of Legal and M&A der Soravia Service GmbH, nicht: "Der Weg, den Juristen in der Regel einschlagen, ist nicht darauf ausgelegt, Projektmanager zu werden. Die meisten von ihnen landen in der Anwaltschaft oder in einem Unternehmen. Das heißt aber nicht, dass sie dort nicht auch mit Projektmanagement zu tun haben."

Ähnlich sieht das auch Susanne Hochwarter, sie ist Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens Lawyers & More: "Unlängst sind wir von einer großen Wirtschaftskanzlei beauftragt worden, einen Senior Legal Advisor zu suchen, der nicht als Anwalt, sondern als Projektmanager angestellt werden sollte. Unser Auftraggeber hat erkannt, dass für sein Großprojekt im CEE-Raum ein eigener Ansprechpartner und Koordinator gebraucht wird. Er soll ausschließlich mit dem Projekt beschäftigt sein, es nicht nur nebenher betreuen." Bewerber habe es viele - auch hoch qualifizierte - gegeben, sagt Hochwarter.

Nicht wenige Kandidaten hatten sich in ihrem Bekanntenkreis zu rechtfertigen, weshalb man sich als ausgebildeter Anwalt für "so etwas" hergebe.

Inhalt oder bloß Bezeichnung

Aus Sicht von Stefan Artner, Partner bei Dorda Brugger Jordis, ist Projektmanagement heute ein wichtiger Teil anwaltlicher Tätigkeit, bei grenzüberschreitenden Causen müsse man immer unterschiedliche Persönlichkeiten und Kulturen koordinieren können. Social Skills seien dabei unverzichtbar.

Auch Thomas Brandstätter hat als Senior Legal Counsel bei Magna International Europe laufend mit der Abwicklung von Großprojekten zu tun: "Das ist als Inhouse-Counsel quasi meine Hauptaufgabe. Trotzdem ist es mir kein Bedürfnis, mich Projektmanager zu nennen. Mein Eindruck ist, dass sich gerade Berufe, die inhaltlich unklar sind, spannende Bezeichnungen geben müssen."

Unter diesen Umständen sei es auch besser, sich nicht Projektmanager zu nennen, kontert Schaden, nicht jede Aufgabe sei gleich ein Projekt. Es handle sich hierbei um hochkomplexe Aufgabestellungen, die man in einer definierten Zeit und mit genauen Kostenvorgaben realisieren müsse: "Dazu gibt es Projektmanagementmethoden. Ich glaube, niemandem würde es schaden, auch den Juristen nicht, sie zu erlernen." (Judith Hecht, DER STANDARD, Printausgabe, 6./7.3.2010)

  • Thomas Brandstätter, Inge Tiefenbacher, Stefan Artner, Brigitte Schaden, Susanne Hochwarter und Georg Blumauer
    foto: dbj

    Thomas Brandstätter, Inge Tiefenbacher, Stefan Artner, Brigitte Schaden, Susanne Hochwarter und Georg Blumauer

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