Adolf Sailer, gebürtiger Innviertler, wanderte im Jahr 1994 aus, um in Fukuoka, Japan, das Kaffeehaus und die Bäckerei Sailer zu gründen
STANDARD: Sie haben 1994 in Fukuoka ein Kaffeehaus und eine Bäckerei eröffnet. Stehen Sie noch unter Kulturschock?
Sailer: Den überwindet man nie.
STANDARD: Woran wollen Sie sich gar nicht gewöhnen?
Sailer: Die Japaner sagen immer "hai" (ja), auch wenn sie "nein" meinen. Nur um niemanden zu beleidigen oder ihr Gesicht nicht zu verlieren. Das kann für Ausländer sehr anstrengend sein.
STANDARD: Womit haben Sie in der Gründungsphase gekämpft? Womit kämpfen Sie heute noch?
Sailer: Mit der Genauigkeit der Japaner. In Österreich würde jeder durchdrehen, wenn alles zwei- bis dreimal kontrolliert wird. Und zu Beginn war es finanziell hart. Das ist schwierig in Worte zu fassen - man muss es einmal erlebt haben.
STANDARD: Sie kommen aus einem Traditionsbetrieb - Ihre Vorfahren waren alle Bäckermeister. Was hätten diese zu Ihrem Fortgang gesagt?
Sailer: Sie hätten mich sicher voll unterstützt. Wie mein Vater eben - mit Geld und Ratschlägen.
STANDARD: Was gibt Ihnen Halt?
Sailer: Mein Lebenspartner. Das ist wohl auf der ganzen Welt das Gleiche. Wenn keine Liebe vorhanden ist, ist es auch in Österreich schwierig, Kraft zu sammeln.
STANDARD: Haben Sie Heimweh?
Sailer: Ja, öfters sogar. Ich glaube, da lügt sich jeder an, wenn er sagt, er habe keines.
STANDARD: Haben Sie weitere Geschäftsideen?
Sailer: Vielleicht werde ich ein kleines Wirtshaus mit österreichischem Essen eröffnen. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Printausgabe, 6./7.3.2010)