Marek weiterhin dagegen

5. März 2010, 14:55
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Wirtschaftsminister Mitterlehner hält sich hingegen bedeckt: Er will "konkrete Vorschläge" der Frauenministerin abwarten

Wien - Am Tag nach dem Frauentag bleiben einflussreiche Teile der ÖVP weiter bei ihrer Ablehnung einer Gehaltsoffenlegung. Für Staatssekretärin Christine Marek  ist der Aufwand hierfür "gigantisch" und der "Nutzen" nicht gegeben. Sie habe sich dieses Modell in Skandinavien angeschaut und sehe keine Sinnhaftigkeit darin. Das sei kein geeignetes Mittel, um die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern zu schließen, so Marek am Dienstag vor dem Ministerrat.

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner äußerte sich dieser Tage zurückhaltender. Er wolle sich in die Diskussion erst dann einschalten, wenn ein "konkreter Vorschlag" der Frauenministerin auf dem Tisch liege. Für die ÖVP-Frauensprecherin Dorothea Schittenhelm wäre eine Veröffentlichung der Löhne mittlerweile vorstellbar.

Minister Mitterlehner sei das Thema Gleichbehandlung wichtig, allerdings sei es nun Heinisch-Hoseks Aufgabe, mit den Sozialpartnern eine Regelung auszuhandeln. Den Vorschlag möchte er sich dann anschauen. Im vergangenen Herbst zeigte er sich noch "skeptisch", was eine Veröffentlichung der Gehälter betrifft.

"Anonym selbstverständlich"

Anfreunden hingegen könnte sich damit heute die ÖVP-Frauensprecherin Dorothea Schittenhelm. Noch im Sommer 2009 ging sie davon aus, dass die Offenlegung keinen gewünschten Effekt am Arbeitsmarkt bringen würde. Nun könnte sie sich vorstellen, dass die Gehälter künftig bei einer zentralen Stelle einsehbar sind. "Anonym selbstverständlich", um keinen Neid aufkommen zu lassen, wie sie im Ö1-Mittagsjournal betonte. Angesiedelt werden sollte diese Institution beim Sozialministerium. Dort würden die Gehälter nach Betrieben und Funktionen angeführt und für jeden abrufbar sein. Sie sprach sich allerdings klar gegen Strafen für Unternehmen, in denen Unterschiede bestehen, aus: "Sanktionen sind noch nie zielführend gewesen, ganz im Gegenteil", so Schittenhelm. Auch eine verpflichtende Frauenquote von 40 Prozent in Aufsichtsräten lehnt sie definitiv ab.

Genug Ideen

Die Grünen kritisierten anlässlich des Frauentags Österreichs Abschneiden beim internationalen Vergleich der Einkommensgerechtigkeit. Beim "Global Gender Gap Report 2009" vom Weltwirtschaftsforum belege Österreich den "unrühmlichen" 122. Platz unter 134 Staaten. Frauensprecherin Judith Schwentner erklärte, dass die Einkommensschere seit Jahren beklagt werde, sich aber nichts verändert. Auch warte man noch immer auf den angekündigten Nationalen Aktionsplan. "Es gibt genug Ideen", stellte sie fest und forderte etwa, den Berufseinstieg für Frauen zu verbessern, eine Aufwertung der Teilzeitarbeit und einen Ausbau der Kinderbetreuung. Auch pochte Schwentner auf ein drittes Konjunkturpaket für jene Bereiche, in denen vorwiegend Frauen tätig sind wie in Sozialberufen, der Bildung und der Pflege.

"Jede Quote automatisch eine Diskriminierung"

Heinisch-Hosek will neben einer Offenlegung der durchschnittlichen Gehälter in den Betrieben auch eine verpflichtende Frauenquote in Aufsichtsratsfunktionen. BZÖ-Frauensprecherin Martina Schenk lehnt dies ab, da "jede Quote automatisch eine Diskriminierung und Herabwürdigung bedeutet."

FPÖ-Frauensprecherin Carmen Gartelgruber ist sowohl gegen eine Quotenregelung für Spitzenpositionen als auch gegen eine betriebsinterne Gehaltsoffenlegung. Dies würde einen "unverhältnismäßigen" Eingriff in die Dispositionsfreiheit der Unternehmen darstellen. Ein seriöser Vergleich sei zudem schwierig. "Wenn Frau Minister sich das Ziel gesetzt hat, Unruhe und Unzufriedenheit zwischen Männern und Frauen, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu schüren, ist sie aber sicher auf dem besten Weg," so Gartelgruber.

Einer Umfrage des Infoscreen-Monitors zufolge ist jede zweite Frau in Österreich überzeugt, dass Frauen im Beruf klar benachteiligt sind. Männer nehmen eine deutliche Benachteiligung weiblicher Kolleginnen hingegen nur zu 20 Prozent wahr. Lediglich acht Prozent der österreichischen Bevölkerung glauben an eine vollkommene Gleichstellung zwischen Männern und Frauen in der Arbeitswelt, 56 Prozent sehen diese einigermaßen realisiert. Mehr als ein Drittel (36 Prozent) geht davon aus, dass noch keine Gleichstellung herrscht. (APA)

 

  • Marek hält den Aufwand  einer Gehaltsoffenlegung für zu groß.
    foto: standard/cremer

    Marek hält den Aufwand einer Gehaltsoffenlegung für zu groß.

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