Kreuzschmerzen und Schlafprobleme sind häufige Folgen von Mehr- und Nachtarbeit - Zeitdruck und Hitze belasten am meisten
Wien - Durchschnittlich 18,4 Tage pro Jahr gehen Beschäftigte in Produktionsbetrieben arbeiten, obwohl sie sich krank fühlen: Das ergab eine am Freitag in Wien präsentierte Umfrage des IFES-Instituts im Auftrag der Produktionsgewerkschaft (Pro-Ge). Nur rund zwölf Prozent der 7.000 Befragten gaben an, nie Überstunden zu machen; rund ein Drittel arbeitet zumindest gelegentlich nachts. "Nachtschicht und häufige Überstunden machen aber krank", so Georg Michenthaler von IFES. Besonders klagten die Betroffenen über Probleme mit dem Bewegungs- und Stützapparat.
Die durchschnittliche Arbeitszeit in den Produktionsbetrieben beträgt 40 Stunden, "zwei Stunden mehr als die vereinbarte Zeit", so Michenthaler. "Knapp jeder fünfte macht häufig Überstunden." Knapp drei Viertel der Befragten leisten zumindest gelegentlich Samstags- und rund vier von zehn Sonntagsarbeit. Tatsächlich in Krankenstand gehen die Umfrageteilnehmer nur an durchschnittlich acht Tagen pro Jahr.
Zeitdruck belastet
Die Belastungen, die aus häufigen Überstunden und Nachtarbeit resultieren, führt Zeitdruck an: 22 Prozent der Umfrageteilnehmer erklärten, durch Zeitdruck stark und 28 Prozent eher belastet zu sein; nur sechs Prozent fühlen sich durch Zeitdruck gar nicht belastet. Durch enge und nicht einhaltbare Zeitvorgaben fühlen sich zwölf Prozent stark und 16 Prozent eher belastet; 19 Prozent gar nicht.
Die Liste der störenden Umweltfaktoren wird von Hitze angeführt: 29 Prozent fühlen sich dadurch stark, 23 Prozent eher schon und zwölf Prozent gar nicht belastet. Lärm steht an zweiter Stelle (18 Prozent stark, 20 Prozent eher belastet, 17 Prozent gar nicht), gefolgt von Zugluft (14 Prozent stark, 15 Prozent eher, 23 Prozent gar nicht).
Von Kreuzschmerz bis Bluthochdruck
Die gesundheitlichen Beschwerden reichen von Kreuzschmerzen bis zum Bluthochdruck: So treten Rückenschmerzen bei 86 Prozent der Befragten selten bis sehr oft auf - die Zahl nimmt bei häufiger Nachtarbeit um zwei Prozentpunkte zu bzw. um einen Prozentpunkt bei häufigen Überstunden. Bei den psychischen Folgen stehen Schlafprobleme an erster Stelle: Bei 64 Prozent treten diese zumindest selten auf: Bei häufiger Nachtarbeit erhöht sich die Zahl um 13 Prozentpunkte; bei häufigen Überstunden zumindest um fünf Prozentpunkte.
Die Pro-Ge startete im November 2008 die Kampagne "Gesund in die Arbeit, gesund von der Arbeit": Damit will man bei Arbeitgebern und -nehmern ein Bewusstsein für Gesundheit am Arbeitsplatz schaffen. Die Umfrage wurde im Zuge der Kampagne im Vorjahr durchgeführt: Rund 7.000 Menschen in 112 österreichweiten, gewerkschaftlich organisierten Produktionsbetrieben wurden befragt; etwa acht von zehn Teilnehmern waren Männer. (APA)