Das zart bittere Frühlingskraut streckt die ersten Blätter aus!
Wenn der Winter sich jetzt bitte einmal schleichen könnte, dann würde uns das alle sehr freuen. Zum Beispiel die Abermillionen zarter Löwenzahntriebe, die nur darauf warten, endlich ihre köstlichen Blätter zu strecken - und sogleich gepflückt zu werden. Dazu empfiehlt sich ein Spaziergang auf ungedüngten Wiesen. Entlang der Wiener Höhenstraße zum Beispiel reihen sich zwischen Dreimarkstein und Cobenzl reichlich winterfrische Wiesen - auf denen man in diesen Tagen aber kaum der Einzige sein wird.
Seit einigen Jahren haben Zuwandererfamilien aus der Türkei und dem Balkan die südwärts gewandten Lichtungen als erstklassige Löwenzahn-Lieferanten entdeckt, die noch dazu öffentlich erreichbar sind (Autobuslinien 38A, 43B). Wäre auch wirklich zu schade, die zart bitteren, reinigend wirkenden Triebe einfach auswachsen zu lassen - wo sie als Salat nicht nur großartig schmecken, sondern glatt als Naturheilmittel durchgehen. Ein billiger Taschenfeitl (oder ein altersschwaches Gemüsemesser) und ein Sackerl - mehr braucht es nicht, um sich in die Scharen einzureihen, die sich hier eine Mahlzeit von wilder Frische holen. Die Blätter auf Bodenhöhe abschneiden, zu Hause gründlich in lauwarmem Wasser waschen und als Salat mit heißen Erdäpfeln, Senfvinaigrette, Schnittlauch und frisch gerösteten Speckwürfeln auftragen: Frühling! (corti, DER STANDARD, Printausgabe, 06.03.2010)