Bettlern helfen statt sie verjagen

Irene Brickner, 05. März 2010 10:35

Durch ein Verbot "gewerbsmäßiger" Bettelei in Wien würden vor allem Roma aus Osteuropa getroffen, die vielfach aus dem tiefen Elend kommen

In Wien setzt die SPÖ jetzt an, das "gewerbsmäßige Betteln" unter Strafe zu stellen, ÖVP und FPÖ sind dafür. Kritiker des Plans - Grüne und Caritas - merken an, dass die geplante Novelle des Landessicherheitspolizeigesetzes - so sie am 26. März den Landtag passiert - praktisch alle Bettler, die derzeit in Wien Straßen sind, mit bis zu 700 Euro Verwaltungsstrafe oder eine Woche Gefängnis bedrohen wird. Weil die meisten dieser Menschen, die an Gehsteigrändern, in U-Bahneingängen oder sonstwo im Straßenbild ihre Hand aufhalten, aus dem europäischen Osten kommen: Es sind Roma , die gezielt anreisen - und das meist in Gruppen -, um hier um Almosen zu bitten: ein Umstand, der ihnen leicht als sicherheitsgefährdende "Gewerbsmäßigkeit" ausgelegt werden kann.

Doch warum kommen diese Menschen nach Wien, oder auch nach Graz oder St. Pölten? Wie schauen die Zustände in den jeweiligen Herkunftsländern aus, die die Perspektive, in fremden Städten betteln zu gehen, attraktiv erscheinen lassen? Wen das interessiert, der oder die sollte sich ein Bild über die ghettoähnlichen ländlichen Romadörfer oder auch städtischen Ansiedlungen der Roma in der Slowakei, in Rumänien, oder auch Bulgarien, Serbien, Albanien machen. So wie es die Caritas (www.caritas.at) vor kurzem einer Gruppe von Journalistinnen und Journalisten ermöglicht hat:

90 bis 100 Prozent Arbeitslosigkeit, Leben von unzureichender Sozialhilfe und Gelegenheitsjobs, die in der Wirtschaftskrise rar geworden sind. Trotz Bemühungen von Staaten und Hilfsorganisationen, die Kinder zum Schulbesuch zu animieren - was mittelfristig die einzige Möglichkeit ist, um die Lage zu verbessern - immer noch viele Analphabeten: Frauen vor allem, die in jungen Jahren statt einer Schulbildung Nachwuchs bekommen haben. In den ländlichen Romadörfern der Slowakei kommen auf jede Frau durchschnittlich zehn Kinder. Manche Familie lebt in 20-Quadratmeterverschlägen, bis zu 20 Personen pro Raum. Dazu die Verachtung, der Hass der Mehrheitsgesellschaft: Roma sein ist in Osteuropa ein Stigma, seit Jahrhunderten schon.

Alles in allem: Das nackte Elend, das nach Auswegen sucht - auch den Weg in die Bettelei im reichen Westen. Wer davon weiß, kann sagen, dass die Herkunftsstaaten ihren Roma gefälligst ein besseres Leben zu ermöglichen haben. Oder - wie der steirische Landeshauptmann Franz Voves - meinen, Hilfe vor Ort wäre besser: ein guter Ansatz, wenn auch geeignet, das Abdrängen und die Kriminalisierung der Bettler zu rechtfertigen. Oder aber der oder die Betreffende sieht von diesem Zerrbild systematischer Abzocke, von Mafia und gewerbsmäßiger Handaufhalterei ab, das der Bettelei in Österreich anhängt. Statt diese Menschen zu verjagen, sollte man versuchen, ihnen zu helfen - auch hierzulande; jenen, die unter Bettlern ausgebeutet werden, besonders. 

Irene.Brickner@derStandard.at

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 266
1 2 3 4 5 6
axel tigges1
25.04.2010 01:41
Das Betteln und die Bettler

Der Österreicher merkt, er wird langsam zum Bettler gemacht: http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2008/03/b... armen.html denn das herrschende Monopoly plündert die Staaten auch Österreich, so kommt bei den Leuten die das noch nicht so merken, der Neid auf die, die Betteln, denn wie heißt es: Erst kommt das Fressen, dann erst die Moral, so haben diese Menschen noch nicht mitbekommen, nicht der Bettler ist ihr Feind, sondern die Wenigen, die uns versklaven wollen. Ob er es wohl noch früh genug merkt, wenn jede seiner Bewegung über Satelit beobachtet wird, und er für alles immer mehr zahlen muss? Jeder von uns ist ein kontrollierter Bettler, schon mitbekommen?

km5
21.04.2010 14:26

Frau Bruckner argumentiert dermaßen unlogisch, es stehen einem die Haare zu Berge.

Die Roma im Durchschnitt 10 Kinder, hier sitzen sie mit einem Mitleidsobjekt neben der Peterskirche und betteln. Der Ertrag wird ihnen anschließend abgenommen.
Und sie (Brickner) findets super.

Wäre es nicht besser in ihren Heimatländern etwas für sie zu tun? (Nebenbei, die EU blecht seeehr brav)

Damit die Kinder, die hier landen, nicht Opfer der Mitleidsmasche werden, und die übrigen 9 in deren Heimat nicht sich selbst überlassen sind.

Rudi Refosk
22.03.2010 12:49

Frau Brickner, ich empfehle Ihnen dringend die Lektüre des Buches "Die Hundeesser von Svinia" von Karl-Markus Gauß, bevor Sie weiterhin Ihr realitätsverweigerndes Weltbild öffentlich machen. Allerdings befürchte ich, dass es bei Ihnen eh schon zu spät ist...

sepp schilehrer
09.03.2010 12:00

Wir haben kein Geld für UNSERE Schulen, UNSERE Krankenhäuser, UNSERE Unis, UNSERE Verkehrsinfrastruktur. Im Pinzgau beispielsweise müssen wir die Geburtenstation zusperren, weil die öffentlichen Haushalte pleite sind.

Aber natürlich müssen wir armen Slowaken und Rumänen (finanziell) helfen...

Frau Brickner, es tut mir leid, ihre Logik verstehe ich nicht - vielleicht habe ich auch heute keine rosarote Brille auf, vielleicht sind Sie aber einfach auch nur schwer naiv....

Lucky Luke 1988
22.03.2010 13:46
das sind

keine slowaken oder rumänen dann sind roma, verstehste?

Veridad
08.03.2010 13:04
Bettler sind Opfer!

Und zwar Opfer von Schiebern, die Bettler in ganz Europe herumreichen. Die Opfer sind Roma, die Täter zumeist auch. Sie erhalten einen kleinen Betrag der erbettelten Almosen, den Rest streift die organisierte kriminalität ein.
Um an mehr Almosten zu kommen, werden den Bettlern mitunter auf grausamste art und Weise Gliedmassen entfernt. Kinder werden in alle Teile Europas entführt.
Bettelei ist Gewerbsmässig!
Wer Almosen gibt unterstützt diese ausbeuterischen Systeme!
Wer es als Gutmensch duldet ist Mitschuld and diesem Missbrauch!

Chris_SM
08.03.2010 13:03
Brickner at her worst

Man sollte sich nur kurz überlegen, was Brickners Vorschlag, diesen Leuten bei uns zu helfen, in der Realität bedeutet. Es würde sich herumsprechen, wodurch noch mehr Roma zu uns kämen, und zwar dann nicht mehr als organisierte Betteltouristen, sondern als Zuwanderer. Die Staaten wo diese Menschen leben wären heilfroh darüber, denn sie könnten dadurch ein Problem um dass sich nur ungern und ungenügend kümmern, einfach nach Österreich exportieren.
Wir leiden jetzt schon darunter, dass unsere Zuwanderer im hohen Ausmaß ungebildet und unqualifaziert sind.
Brickners Vorschlag würde dieses Problem noch verschärfen.

Ein schöner Beweis warum man mit Gutmensch(ich bevorzuge GutmenschIn) zu Recht negatives verbindet.

derdenker
07.03.2010 21:41

ein erlebnis vom westbahnhof:
osteuropäer will mir und meiner bekannten die "bunte zeitung" verkaufen-wir lehnen freundlich ab-er schwaffelt weiter von "bin aber obdachlos,blabla"wir lehnen weitere 3 mal ab,er gibt immer noch keine ruhe,wird immer aufdringlicher,erst die androhung das ubahnpersonal zu holen hilft-als wir ind die ubahn steigen sehen wir ihn mit einem handy telefonieren-jaja-alle obdachlos,alle sooo arm

readymate
08.03.2010 12:44
Sie wollen den "edlen Armen",


stimmts...?!

.

derdenker
08.03.2010 20:28

nein,aber wenn man wie ich oben erwähnte freundlich ablehnt,möchte ich nicht mehr (aufdringlichst) belästigt werden und schon gar nicht von leuten,denen ich einfach nicht abnehme,dass sie obdachlos sind.

Heavyweather
07.03.2010 20:48

Ein Job für den Gio H.
Er hat die regionale Entwicklung in der Hand.
Ein Fertigteilhaus Werk: Arbeit und Wohnraum.
Die Slowakei muss nur Land zur Verfügung stellen.

Ein Architektur und Infrastruktur Wettbewerb möglicherweise. Es geht hier ja nicht um Milliarden sondern ein paar hundert Millionen.
Für Euratom haben wir ja auch 40Mio im Jahr über.

Kategorischer Imperativ mit der Waffe in der Hand
07.03.2010 19:09

diejenigen, die diesen pennern auch noch geld geben, sollten gleich mit zur kassa gebeten werden.

Riffraff3
 
07.03.2010 18:48

Da werden wir von millionenschweren Schwindlern, Bonzen und Lobbyisten abgezockt bis aufs Hemd, das nehmen wir alles geduldig hin, und dann geifert hier der Hass gegen Menschen, die den ganzen Tag im Freien hocken und sich dann um unser sauer verdientes Geld einen Hamburger leisten, diese Gauner. Für die Mächtigen ist es immer nur wichtig, eine Gruppe zu finden, auf die sich der Hass entlädt, damit niemand auf die Idee kommt sich gegen sie empören. Also, macht weiter: Unser wahres Problem ist der frierende Krüppel...

Weltstaat
 
09.03.2010 11:14
so ist es und nicht anders!

RebelAngel
 
08.03.2010 12:56
aha

und wenn man gegen das eine ist, muß man automatisch für das andere sein...?

dermartino
07.03.2010 15:48

Guter Artikel, aber es fehlt ein entscheidendes Element: ein besserer Vorschlag zur Lösung

die naive
07.03.2010 11:38

"......kommen auf jede Frau durchschnittlich zehn Kinder......

Von uns kann ja verlangt werden, dass wir unseren Fortpflanzungstrieb unterdrücken.

readymate
07.03.2010 14:35
Pflanzen


Sie sich getrost fort, wir sind hier nicht in China...!

.

die naive
08.03.2010 09:10

Aber fast!

Arbeiten gehen müssen und nebenbei mehrere Kinder großziehen geht halt nicht.

fizzzzz
 
08.03.2010 13:16
na klar, für Übermenschen geht sogar noch nebenbei...

das Antreten zur Bundespräsidentenwahl!

readymate
08.03.2010 12:01
Und daran sind bettelnde Roma/Sinti schuld...?



.

flotter denker
07.03.2010 11:28
Frau Brickner regt an, den Bettlern zu helfen, statt sie zu verjagen.

Ist ja grundsätzlich nicht falsch gedacht, aber wie?
- den Bettlern etwas geben, hilft ja nicht wirklich (geht an Clanchefs, wird versoffen, verleitet zum Weiterbetteln)
Also, wie?
- Arbeit anbieten? (welche? warum grad einem Bettler, der nicht so ausschaut, als wär er an Arbeit interessiert)
- Ausbildung anbieten? (siehe oben)
- zur Arbeit zwingen? Pfui, gegen die Menschenrechte
- Für Bettelei streng bestrafen? Pfui..
Also, wie, liebe Fr. Brickner, wie wollen Sie diesen Leuten wirkungsvoll helfen?

Riffraff3
 
07.03.2010 18:10

Der Satz "Oida, geh was hackeln" ist auch ziemlich sinnlos bei einem Menschen, dem beide Beine fehlen. Viele dieser Leute sind offenbar Kriegsinvaliden oder mit schweren Behinderungen geboren, die kann man nicht einfach "arbeiten schicken" - schon gar nicht in einer Zeit, in der unsere eigenen Behinderten keine Chance auf einen Arbeitsplatz haben.

gratis trinken
08.03.2010 16:04

der bräucht nur einen suchen der keine arme hat und sich zusammentun

Veridad
08.03.2010 13:07
Kriegsinvaliden??? Von welchem Krieg denn?

Bettler werden absichtlich verletzt um Einträglicher zu sein!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 266
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.