Irakkrieg bleibt für Brown richtig und gut

5. März 2010, 17:23
38 Postings

Premier vor dem Untersuchungsausschuss – Kritik an US-Nachkriegspolitik

Der britische Premierminister Gordon Brown hat die Beteiligung seines Landes am Irakkrieg uneingeschränkt verteidigt. Das Kabinett habe 2003 "die richtige Entscheidung" getroffen, gespeist aus "den richtigen Motiven" , sagte der damalige Finanzminister am Freitag dem Irak-Untersuchungsausschuss in London. Kritik an seiner eigenen damaligen Rolle wies Brown vehement zurück: "Ich habe zu keinem Zeitpunkt die Optionen des Militärs durch finanzielle Argumente eingeschränkt." Hohe Militärs sowie der damalige Verteidigungsminister Geoff Hoon hatten ihm das vorgeworfen.

Nach Brown sagte am späten Freitagnachmittag Entwicklungshilfeminister Douglas Alexander vor dem fünfköpfigen Ausschuss unter Leitung des früheren Staatssekretärs John Chilcot aus, am Montag soll Außenminister David Miliband zu Wort kommen. Dann endet die erste Anhörungsphase.

Bedauern für die Opfer

Inhaltlich wich Brown nicht von der Linie seines Vorgängers Tony Blair ab; durch kleine Gesten unterstrich der derzeitige Bewohner der Downing Street aber seine Distanz zum Kriegspremier. Vor allem begann der 59-Jährige seine Anhörung mit Sätzen des Bedauerns über den Tod von 179 britischen Soldaten und zehntausenden irakischen Zivilisten. Hingegen hatte Blair bei seiner Aussage Ende Jänner mit keinem Wort darauf Bezug genommen.

 

Brown hatte 2002 und bis März 2003 betonte Zurückhaltung geübt, erst kurz vor der entscheidenden Unterhaus-Abstimmung zur Loyalität für Blair aufgerufen. Vor dem Ausschuss wich der Premier Fragen nach der damaligen Bedrohung durch Saddam Husseins Regime aus, bezeichnete den irakischen Diktator jedoch als "Serienverletzer internationalen Rechts". Immer wieder betonte Brown, er wie auch seine Kabinettskollegen hätten "bis zuletzt auf eine friedliche Lösung gehofft".

Bei der Diskussion über die verheerenden Folgen des kurzen Krieges ließ Brown Distanz zu den USA anklingen: "Ich bedauere im Nachhinein, dass ich die Amerikaner nicht stärker gedrängt habe, über den Wiederaufbau des Landes nachzudenken." (Sebastian Borger aus London/DER STANDARD, Printausgabe, 6.3.2010)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Im Gegensatz zu seinem damaligen Chef Tony Blair verzichtete Gordon Brown darauf, vor dem Ausschuss die vermeintliche Bedrohung durch irakischen Massenvernichtungswaffen zu erwähnen.

Share if you care.