Bald virtuelle Auto-Testfahrten durch den Lungau

10. April 2003, 12:13
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adc Lungau kooperiert mit Uni Karlsruhe - großes Interesse der Autokonzerne - Parallelstranggetriebe geplant

Der Lungau soll nicht nur ein europäisches Zentrum für Autotests werden. Auch für die Entwicklung von Antriebstechniken könnte sich der Salzburger Bezirk künftig zum anerkannten Kompetenzzentrum entwickeln. In Kooperation mit dem Institut für Maschinenkonstruktionslehre und Kraftfahrzeugbau (mkl) der Universität Karlsruhe sollen als erster Schritt virtuelle Testfahrten möglich werden. Das Interesse der Autokonzerne sei sehr groß, teilte die Wirtschaftskammer heute, Donnerstag, in einer Aussendung mit.

Der Lungau wird seit Jahrzehnten von führenden Automobilherstellern wie BMW, Mercedes, Opel, Audi oder Jaguar für Autotests genutzt. Aus dieser Tatsache heraus wurde Anfang des Vorjahres der "adc Lungau - alpine driving center" gegründet. Mit diesem Verein sollen die Autotests in professionelle Bahnen gelenkt werden.

Nun folgt ein weiterer Schritt: Durch die Kooperation mit dem mkl soll der Lungau zu einem europäischen Forschungszentrum für alpine Antriebstechnik für Kfz und mobile Arbeitsmaschinen werden. Die Entwicklung mobiler Arbeitsmaschinen wie Stapler, Kräne oder Hebebühnen ist laut mkl noch eine Nische, in der der adc Lungau europaweit punkten kann.

Die Zusammenarbeit soll in mehreren Phasen bis 2006 realisiert werden. Derzeit wird mit der Erstellung eines digitalen Streckenatlas des Lungaus begonnen. Dabei werden bestimmte Strecken zentimetergenau elektronisch "abgetastet" und nach Steigung, Kurvenradien oder Höhenunterschieden kategorisiert. Diese Messungen werden anschließend in eine Datenbank übertragen und ermöglichen am Prüfstand erste virtuelle Testfahrten im Lungau. Laut Prof. Albert Albers vom mkl wird die Entwicklung neuer Fahrzeuge, Motoren oder Getriebe künftig weniger auf der Straße, sondern hauptsächlich am Computer geschehen. "Es ist nicht mehr notwendig, alle Entwicklungen bereits im Frühstadium im Gelände zu testen."

Der digitale Streckenatlas dürfte bereits im Juni fertig sein und soll dann an die Autoindustrie verkauft werden. Namhafte Autokonzerne hätten bereits großes Interesse signalisiert, so der Lungauer WK-Obmann Herbert Spreitzer. Das nächste Projekt ist die Weiterentwicklung eines "Parallelstranggetriebes", das die Vorteile der Handschaltung mit dem Komfort des Automatikgetriebes verbindet.(APA)

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