Kannibalismus und Prionenleiden früher weit verbreitet

11. April 2003, 00:30
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Dieser Schluss wird aus entdeckten Genmutationen gezogen

Washington - Menschenfleisch dürfte seinen festen Platz auf dem Speiseplan vorgeschichtlicher Menschen gehabt haben. Diesen Schluss ziehen Forscher aus der Entdeckung von Genen, die offensichtlich vor Prionenleiden wie Kuru oder möglicherweise auch der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit schützen. Das internationale Team stellt in der Online-Ausgabe des Wissenschaftsjournals "Science" vom Freitag die These auf, dass prähistorische Kannibalenstämme in aller Welt von Prionen-Epidemien geplagt wurden und im Verlauf der Evolution einen "Schutzmechanismus" in ihrem Erbgut entwickelten.

Sechs dieser Mutationen am Prion-Gen fanden die Forscher unter Volksstämmen im früheren Neuguinea, in Jemen, Kamerun und Jamaika, der Türkei, Georgien und in Kolumbien, darüber hinaus auf den Fidschi-Inseln und dem Inselstaat Vanuatu im Südpazifik. Selbst in Japan und Taiwan identifizierte die Gruppe um John Collinge vom Institut für Neurologie des University College in London vereinzelt Menschen, die durch ihr Erbgut immun gegen Prionenleiden sind.

Prionenleiden wie die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit oder die "Lachkrankheit" Kuru werden durch verseuchtes Fleisch übertragen und sind fast immer tödlich, erläutern die Forscher. Die Kuru-Krankheit hatte noch bis vor 40 Jahren beim Volk der Fore im damaligen Neuguinea gewütet und wenigstens zehn Prozent der Bevölkerung um ihr Leben gebracht. Sie hatten das Hirn Verstorbener gegessen. Die genetische Analyse von Angehörigen dieses Stammes ergab jetzt, dass 55 Prozent der Fore die als M129V bekannte Genmutation in ihrem Erbgut tragen und damit zumindest gegen die Prionenleiden ihrer Urahnen geschützt sein dürften. (APA/dpa)

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