Aufregung um Ausschreibungspolitik des Finanzministeriums

10. April 2003, 17:24
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Fachgruppenobmann Himmer spricht von einem "Nepp für alle Werbe- und Kommunikationsagenturen" - FV Werbung gegen Gratis- Präsentation

Als "Nepp" bezeichnet Michael Himmer von der Fachgruppe Werbung & Marktkommunikation Wien die Ausschreibung des Finanzministeriums für eine Kommunikations- und Informationskampagne. Wörtlich heißt es: "Für die Bearbeitung und Abgabe des Angebots wird dem Bieter keine Vergütung gewährt. Ebenso werden für Beilagen, die der Bieter dem Angebot beigefügt hat, keine Kosten ersetzt."

Konzept und Kostenplan bis 2007

Von den Agenturen wird ein detailliertes Kommunikationskonzept für eine "komplexe Thematik" mit einem genauen Kostenplan bis 2007 erwartet. In vielen Branchen übliche Abstandszahlungen würden dabei dezidiert ausgeschlossen, Fragen des Copyrights nicht einmal angesprochen, heißt es in einer Aussendung.

Zwei Anläufe

"Diese Ausschreibung geht nach dem Motto: Volle Leistung zum Nulltarif", kritisiert Himmer. Es sei nicht verwunderlich, dass zwei Anläufe benötigt wurden, um überhaupt Agenturen zu finden, die sich für diesen Etat bewerben.

Gerüchte

Gerüchte, wonach der Etat des Finanzministeriums bereits unter der Hand an die Agentur Hochegger vergeben worden sein soll, wurden von Hochegger entschieden zurüchgewiesen: "So ein Unsinn, das wäre ja ein Wahnsinn", sagte Hochegger-Geschäftsführer Dietmar Trummer. Die Agentur Hochegger, die bereits im Vorjahr einen Etat des Finanzministeriums gewonnen habe, habe sich aber an der Ausschreibung des neuen Etats beteiligt.

Ruttinger: Unprofessionelle Vorgangsweise

Walter Ruttinger, Obmann des FV Werbung, spricht von einer unprofessionellen Vorgangsweise des Ministeriums. "Zwar verstößt das Finanzministerium mit seinem Begehr nach kostenlosen Agentur-Leistungen gegen keine geltende gesetzliche Bestimmung", so Thomas Gams, stellvertretender Fachverbandsobmann. "Allerdings existieren in unserer Branche klare Richtlinien – insbesondere wenn es um öffentliche Ausschreibungen geht." Der Fachverband ruft zur Solidarität gegen Begehrlichkeiten nach Gratis-Agenturleistungen auf.

Prüfung

Die Ausschreibungsunterlagen des Ministeriums werden derzeit von der Standesvertretung und der Agentur Anwaltschaft Austria geprüft. "Sollten wir dabei unsere Befürchtungen bestätigt finden, erwarten wir selbstverständlich die Rücknahme der gegenständlichen Ausschreibung und deren Neufassung auf professioneller Basis", so Ruttinger und Gams unisono.

Die Fachgruppe Werbung & Marktkommunikation will sich in Zukunft verstärkt dem Thema "Copyright" widmen. Keine Gratis- Präsentationen und professionelle Vergabeverfahren wie in der Privatwirtschaft werden gefordert. Darunter soll laut Aussendung auch das Verbot von "Knebelverträgen" wie etwa die Abtretung sämtlicher Rechte (Ideen, Copyrights, etc.) noch vor Vergabe fallen. (sb/APA)

  • Das Finanzministerium in der Wiener Himmelpfortgasse.
    foto: standard/cremer

    Das Finanzministerium in der Wiener Himmelpfortgasse.

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