"Vergesst Moores Gesetz, es ist ungesund"

10. April 2003, 12:31
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Die Chip-Industrie und das Silicon Valley erkunden ihre Zukunft

Im Jahr 1965 tätigte der Intel-Mitbegründer Dr. Gordon E. Moore eine Aussage, die später gemeinhin als "Moores Gesetz" bekannt wurde. Laut Moore würde sich die Anzahl der Transistoren auf einem einzelnen Chip pro Jahr verdoppeln. Später änderte Moore seine Prognose und rechnete mit einer Verdopplung alle 18 Monate. "Moores Gesetz" wurde zu einer der wichtigsten Triebfedern des Silicon Valley und der weltweiten Chip-Branche - nach .dot-com-Boom und einigen geplatzten Träumen- sucht die Industrie nun nach neuen "Wegweisern in die Zukunft".

"Vergesst Moores Gesetz, es ist ungesund"

In einem Artikel in der aktuellen Ausgabe des renommierten Venture Capital-Magazins Red Herring, zieht Micheal S. Malone, Mitbegründer von eBay, eine Bilanz von "Moores Gesetz". Seine Aussage - "Vergesst Moores Gesetz es ist ungesund, es ist gefährlich und falsch - es wurde zu unserer Obsession".

"What should I do with my life?"

Ein Umbruch im Silicon Valley, dem Herz der IT-Branche ist seit einiger Zeit unverkennbar - und dies nicht erst seit Larry Ellsions Prognose vom baldigen Ende (der WebStandard berichtete). Bücher - wie etwa Po Bronsons "What should I do with my life?" - beschäftigen sich mit den Zuständen im Silicon Valley und fragen: "Should I just stop stressing out and make peace with my ambition?"

Schnell, schneller, am schnellsten

Aufgrund des exponentiellen Charakters von Moores Gesetz führt jede Weiterentwicklung zu noch schnelleren Entwicklungen. Wie selbstzerstörerisch die Chip-Branche arbeitet, zeigt sich an einfachen Zahlen; so kostete ein Transistor im Jahr 1968 etwa einen Dollar, 1995 konnte man um diesen Betrag schon 3000 Stück produzieren und mittlerweile kosten 50 Millionen Stück nur noch einen Dollar. Auch die Rechenkapazitäten der Chips zeigen sich enorm beschleunigt. Intel produzierte 1971 Chips die 100.000 Befehle in der Sekunde verarbeiten konnten, 1989 waren es 25 Millionen und derzeit etwa 1,5 Milliarden Operationen in der Sekunde.

Auf der Suche nach den Grenzen

Obwohl das Platzen der dot-com-Blase tiefe Spuren im Silicon Valley hinterlassen hat, sehen viele Firmen dennoch eine rosigere Zukunft. "Viele Menschen sind ausgebrannt und verlassen das Valley, aber viel mehr kommen zurück und wollen an den weiteren Entwicklungen dieses Öko-Systems teilhaben. Das Valley ist gesund und wir marschieren weiter nach vorne", so Kim Polese, Mitbegründer und Vorsitzender von Marimba in einem Interview mit der New York Times.

Viele Experten fragen sich, ob Moores Prognose eine weitere Dekade halten wird. Um Moores Gesetz auch in Zukunft erfüllen zu können, müssten zunächst technische Barrieren überwunden werden. Die Industrie ist schon auf der Suche nach billigeren und kleineren Bauteilen - Experten rechnen im Jahr 2007 mit den ersten 50 Nanometer-Elementen. Ein weiterer Hemmschuh für Moores Gesetz sind die Beschränkungen, die durch Betriebssysteme vorgegeben werden. "Was nützen mehr Transistoren auf einem Chip, wenn das Betriebssystem nicht in der Lage ist damit zu arbeiten?", so Chris A. Mack, Vizepräsident von KLA-Tencor. "Was bleibt ist die Frage, die wir uns schon 1999 gestellt haben - Was zählt wirklich?", so Mack gegenüber der New York Times. (grex)

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