"Noch nicht spruchreif"

10. April 2003, 11:01
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Bauer-Verlag denkt an TV-Engagement außerhalb Deutschlands

Der Heinrich Bauer Verlag kann sich nach den gescheiterten Bemühungen um einen Kauf von Deutschlands größtem TV-Konzern ProSiebenSat.1 auch den Einstieg in einen Fernsehmarkt außerhalb Deutschlands vorstellen. "Es kann durchaus sein, das wir in anderen europäischen Ländern in das TV-Geschäft einsteigen", sagte Bauer-Geschäftsführer Manfred Braun am Rande einer Veranstaltung des Hamburger Presseclubs.

In Kernkompetenz investieren

"Es gibt Ansätze, aber das ist noch nicht spruchreif", fügte er hinzu, ohne konkreter zu werden. Außerdem wolle der Marktführer im deutschen Zeitschriftengeschäft ("Bravo", "Neue Revue") auch in seine Kernkompetenz investieren: "Es könnte sein, dass wir in diesem Jahr noch zwei Blätter auf den deutschen Markt bringen, eins aller Wahrscheinlichkeit nach im Frauenbereich." In Österreich gehört dem Bauer-Verlag die Kleinanzeigenzeitung "Bazar".

Hoffnung auf ProSiebenSat.1

Allerdings hat der Bauer-Verlag, der im Wettbewerb um die Übernahme der insolventen KirchMedia und ihrer Tochter ProSiebenSat.1 vom US-Investor Haim Saban überboten wurde, die Hoffnung auf dieses Geschäft noch nicht aufgegeben. "Es besteht die Möglichkeit, dass Saban sich wieder zurückzieht", sagte Braun. Denn der US-Medienunternehmer habe zwar Vorverträge unterschrieben, bis zum eigentlichen Abschluss würden aber noch Wochen vergehen, in denen Nachverhandlungen möglich seien. "Nun habe ich eine Kerze aufgestellt und hoffe jeden Tag, dass der Deal vielleicht doch noch mal vorbeikommt", sagte Braun.

Der Bauer-Verlag galt lange als Favorit in dem monatelangen Bieterprozess um ProSiebenSat.1 und den Kirch-Filmrechtehandel, machte Anfang März aber überraschend einen Rückzieher. "Wir wollten uns auf keinen Bieterwettstreit einlassen", bekräftigte der Bauer-Geschäftsführer.

Saban bezahlt nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen 7,50 Euro je ProSiebenSat.1-Aktie und damit 525 Mio. Euro für zunächst 36 Prozent an der Senderfamilie. Das Bauer-Angebot habe dagegen bei unter sieben Euro gelegen, sagte Braun. Zusammen mit der Filmrechtebibliothek hat die Transaktion ein Volumen von gut 1,7 Mrd. Euro - ohne die Kosten für ein Pflicht-Übernahmeangebot an die außen stehenen Aktionäre. (APA/Reuters)

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