"Ostergräber" in Tirol

10. April 2003, 10:48
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Religiöser Brauch lebt wieder auf

Innsbruck - In der Karwoche lebt in Tirol wieder der Brauch der "Ostergräber" auf. In rund 150 Kirchen im Land wird nach alter Tradition der Altarraum in ein prächtiges Grabmal umgestaltet. Als besonderes "Juwel aus dem Barock" gilt das nahezu vollständig erhaltene Ostergrab in Patsch. Auch in der Innsbrucker Landhauskapelle ist wieder ein "Heiliges Grab" zu bestaunen.

Der religiöse Brauch, in katholischen Kirchen ein Heiliges Grab zu errichten, ist bis ins frühe Mittelalter zurückzuverfolgen. Sein Ursprung liegt im Verlangen des Mittelalters, die Heilsgeschichte symbolisch darzustellen und den Gläubigen das Geschehen von Golgotha zu versinnbildlichen. Die früheste Nachricht von einem Heiligen Grab in Tirol stammt aus dem Kloster Neustift bei Brixen in Südtirol. Von dort berichtete eine Urkunde von 1343, dass am Karfreitag zwei Kerzen vor dem Heiligen Grab brannten. 1572 wurde in der Jesuitenkirche in Innsbruck erstmals ein Heiliges Grab am Karfreitag errichtet, das vom Landesfürsten Erzherzog Ferdinand II. gleich zwei Mal besucht wurde.

Restauriert

Das Ostergrab des Priesters und Malers Johann Joachim Pfaundler (1723 bis 1811) in der Pfarrkirche in Patsch wurde vor rund 20 Jahren aufwendig restauriert. Die Kulisse setzt sich aus drei Ebenen zusammen und füllt mit einer Fläche von 86 Quadratmetern den gesamten Altarraum aus. Durch die zwingende Perspektive wirkt das Ostergrab wie eine Fortsetzung des Kirchenraumes. Die Malereien zeigen aufwendig gestaltete Blumenarrangements und zahlreiche biblische Motive.

Das Heilige Grab in der St. Georgskapelle im Alten Landhaus in Innsbruck stammt von Pater J. Weilharter, der an der ordensinternen Redemptoristenschule in Katzelsdorf bei Wiener-Neustadt lehrte. Er hatte das schöne, dem Jugendstil zuzuordnende Kunstwerk im Jahre 1904 geschaffen. Schon im 17. Jahrhundert hatte es in der Georgskapelle ein Heiliges Grab gegeben. 1895 wurde ein neues errichtet, ein Werk des Buchhalters Peter Wackerle. Das Grab, das jährlich von Tausenden Menschen besucht wurde, wurde während des Zweiten Weltkrieges zerstört. (APA)

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