Lob für Österreichs Impfpläne

10. April 2003, 10:58
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Generelle Impfung von Kindern gegen Pneumokokken-Infektionen vorgesehen

Taormina - Für den österreichischen Plan der generellen Impfung der Kinder gegen die potenziell lebensgefährlichen Pneumokokken-Infektionen wurde Österreich beim europäischen Kongress über Infektionen im Kindesalter in Taormina (bis 11. April) gelobt. "Ein Land (in Europa, Anm.) hat vor kurzem einen Plan eingeführt, alle Kinder im Alter zwischen zwei Monaten und zwei Jahren gegen die Pneumokokken-Infektionen zu schützen: Österreich. Meine Hoffnung ist, dass andere Staaten in der nahen Zukunft diesem Beispiel folgen werden", erklärte Univ.-Prof. Dr. Ulrich Heininger vom Epidemiologie- und Impfzentrum der Universitäts-Kinderklinik in Basel (Schweiz).

Nach dem in den westlichen Industrieländern erzielten Sieg über die schweren Haemophilus B-Erkrankungen durch die Immunisierung möglichst aller Babys im vergangenen Jahrzehnt blieben die Pneumokokken als besonders gefährliche Erreger "übrig". In Österreich sind sie noch immer für die Hälfte der bakteriellen Gehirnhautentzündungen verantwortlich. In manchen Ländern wird versucht, dem Problem durch die Immunisierung von angeblich besonders Risiko-behafteten Kindern (chronisch Kranke etc.) beizukommen.

Verzögert

Doch Univ.-Prof. Dr. Gaetano Maria Fara, Experte von der römischen Universität "La Sapienza", hält davon wenig bis nichts: "Es ist einfach nicht möglich, Kinder mit einem besonderen Risiko zu identifizieren. Impfen wir nur einige wenige, schützen wir auch niemanden vor der Übertragung der Pneumokokken. Insgesamt könnte man mit dieser Strategie nur zehn Prozent der schweren Pneumokokken-Erkrankungen (Gehirnhautentzündung etc.) verhindern."

Österreich beschloss daher die Übernahme der Pneumokokken-Impfung in die Reihe der von der öffentlichen Hand bezahlten Kinder-Immunisierungen. Während aber Bundesregierung, Hauptverband der Sozialversicherungsträger sowie acht Bundesländer zur Kostenübernahme bereit sind, spießte es sich bis zum Wochenende an Oberösterreich. Dort wurden budgettechnische Gründe für das Zögern, das derzeit noch allen Babys in Österreich diese Impfung versagt, geltend gemacht. Auf die Umsetzung ab kommendem Herbst wird derzeit gehofft.

Hintergrund

Setzt Österreich seinen Plan zur - von der öffentlichen Hand bezahlten - Impfung möglichst aller Babys gegen die potenziell lebensgefährlichen Pneumokokken durch, wäre das ein wesentlicher Fortschritt. Dahinter steckt ein neues Vakzin, das mindestens 80 Prozent der Gehirnhautentzündungen durch diesen Keim und 70 Prozent sonstiger schwerer Krankheitsverläufe verhindert.

Bei dem Impfstoff handelt es sich um ein so genanntes Konjugat-Vakzin. Das bedeutet, dass jene sieben Antigene, welche eine schützende Immunantwort hervorrufen sollen, an eine Trägersubstanz gebunden sind. Das verstärkt die Wirkung bei den bis zu Zweijährigen. Sie sprechen auf den "Erwachsenen-Pneumokokken-Impfstoff" nicht ausreichend an.

Studie

US-Expertin Dr. Katherine Hsu von der Boston School of Medicine beim Kinder-Infektionskongress in Taormina: "Wir haben die Daten im US-Bundesstaat Massachusetts analysiert, wo alle Babys geimpft werden sollen. Verglichen wurden die Zahlen bezüglich der Pneumokokken-Infektionen von 1990 bis 1990 (vor dem Vorhandensein der Impfung, Anm.) mit jenen aus 2001 und 2002 (mit breit angewendeter Impfung).

Hauptergebnisse der neuen wissenschaftlichen Untersuchung, die noch nicht schriftlich publiziert worden sind:

  • Die Häufigkeit von Pneumokokken-Gehirnhautentzündungen bei Kindern bis zu fünf Jahren sank in dem US-Bundesstaat von 3,76 pro 100.000 Kinder auf 0,76. Das entsprach einer Reduktion um 80 Prozent.

  • Die Häufigkeit von invasiven, also den schweren sonstigen Verläufen von Pneumokokken-Infektionen nahm nach Beginn mit den Immunisierungen um 70 Prozent ab.

  • Alle schweren Pneumokokken-Infektionen-Verläufe verringerten sich in ihrer Häufigkeit um 81 Prozent (von 56,85 Fällen pro 100.000 Kinder auf 16,61).

    Ein weiterer Aspekt: Mit der Pneumokokken-Impfung können 57 Prozent der quälenden Mittelohrentzündungen - sie werden zu einem hohen Anteil durch Pneumokokken verursacht - verhindert werden. (APA)

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