El David gegen le Goliath

15. April 2003, 12:11
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Eduardo Chadwick aus Chile trat gegen die Premiers Crus aus Bordeaux an

Zugegeben, weder ist die Idee besonders neu - schon Ende der 70er-Jahre sorgte Robert Mondavi für Aufsehen in der Weinwelt, als er bei einer Blindverkostung im Spitzenfeld der besten Bordeaux lag -, noch kann einem sehr viel passieren, wenn man gegen die besten und teuersten der Welt antritt: Gewinnt man, ist's ein epochaler Triumph, stinkt man ab, ist's keine Schande. Aber natürlich wollte man sich eh nicht messen, wie man anlässlich einer Blindverkostung der drei Topweine des chilenischen Prämium-Weingutes Errazuriz und der fünf Premiers Crus aus Bordeaux aus den Jahrgängen 1999 und 2000 seitens Errazuriz beteuerte, vielmehr wolle man nur auf die Identität chilenischer Spitzenweine hinweisen. Achtungserfolge nur ein angenehmer Nebeneffekt.

Wie auch immer, welche die chilenischen und welche die französischen Weine waren, ließ sich relativ leicht herausschmecken, und dass rein qualitativ die Unterschiede nicht so groß sind, wie die Preisdifferenz - 80 Euro für den teuersten Chilenen, 420 Euro für den Mouton 2000 - nahe legen würde, war auch irgendwie klar. Weil schließlich wird der Preis eines Latour nicht so sehr anhand seiner Qualität bemessen, sondern anhand der Nachfrage. Bei einer Umfrage, welcher der liebste Wein der Jurymitglieder war, gewann der 99er Margaux einigermaßen deutlich - die materialisierte Harmonie von Wucht und Finesse -, am zweitbesten gefiel der 99er Latour, Platz drei ex aequo Sena 1999 und Don Maximiano 2000. Einen eher schwachen Auftritt hatten Haut Brion '99 und 2000, auch der 99er Latour (€ 160) dürfte nicht das Beste sein, was man um diesen Preis bekommen kann.

Insofern war die Übung gelungen, was an der imagemäßigen Vormachtstellung der Top-Bordeaux aber auch nichts ändern dürfte. Vor etwa drei Jahren, anlässlich der Eröffnung seiner auf spanische Weine spezialisierten "Marqués Bar", meinte Peter Zöhrer noch, dass er von den Italienern endgültig genug habe. Weil erstens hätte er schon lange und oft genug italienische Lokale gemacht (hauptsächlich in München), und zweitens seien gerade die italienischen Winzer mit ihren Preisvorstellungen derart wahnsinnig geworden, dass es ihm keinen Spaß mehr mache. "Aber da jetzt ja alle Italiener in Wien mit Zitronengras und Tuna arbeiten, hab' ich mir gedacht, ich mach' doch einmal einen wirklichen", meint Zöhrer. Und da das frühere Restaurant "Daun-Kinsky" gegenüber seiner Marqués-Bar ohnehin gerade leer stand (Palais-Eigner Karl Wlaschek wollte hier mit Martina Willmann ein Restaurant-Projekt starten, die sprang aber ab), war die Sache mit dem Standort auch relativ schnell klar. "Terzo" sollte es heißen, weil es Zöhrers drittes Lokal in Wien ist, die dunkelbraune Holzverkleidung wurde mit Maserung übermalt, die roten Wände gelb gestrichen, die Bänke braun gepolstert, relativ einfaches Mobiliar angeschafft, Einfachheit und Authentizität waren schließlich thematische Vorgabe.

Nach Rezepten hätte er nicht lange forschen müssen, so Zöhrer, "weil ich war immer schon ein großer Schmor-Fan", was sich folglich in diversen Brasati, in geschmorten Kalbsbackerln mit Rosmarin und Polentapüree oder in Kaninchen in Weißwein und Kräutern äußert. Ebenfalls wesentlicher Teil des Konzeptes ist die Pasta, die täglich ab acht Uhr in der Früh frisch hergestellt wird und weitgehend ohne Schnörksel oder überflüssige Kreativitätsorgien auf den Teller kommt: Als "Bigoli" mit einem hervorragenden Entensugo etwa, als wirklich erstklassig flaumige Gnocchi mit Pesto und getrockneten Tomaten, als Risotto aus wahrhaftigem, großkörnigem Vialone-Reis, entweder mit Safran und Bratensauce, mit Meeresfrüchten oder mit Radicchio und Käsesauce, als mit Ricotta und Rucola gefüllte Gnocchi mit einem exzellenten Kalbsragout oder als große Ravioli mit gerösteten Mandeln (€ 6,50 als Vorspeise, € 9,50 als Hauptgericht).

Ein ähnliches Konzept fährt man übrigens auch beim Wein, die hundert Posten auf der Karte wurden nach Preiswürdigkeit ausgewählt, nicht nach Prestige, um 19 Euro findet man einige Exponate, "die Modeweine haben wir nicht drauf, und der Prosecco kommt so auf den Tisch, wie es sich gehört, in der Karaffe nämlich", doziert Zöhrer. Ebenfalls fein: Den Käse bezieht man direkt von einem Affineur bei Verona (€ 7,50). (Der Standard/rondo/floh/11/04/2003)


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