US-Vize Cheney: Nur "Idiot" glaubt an gezielten Angriff auf Journalisten

10. April 2003, 10:36
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Beruft sich auf Kriegsrecht der Truppen, Feuer zu erwidern - Reporter: Es sind keine Schüsse von Hotel oder Nachbarschaft ausgegangen

New Orleans - US-Vizepräsident Dick Cheney hat am Mittwoch Vermutungen zurückgewiesen, US-Truppen hätten in Bagdad gezielt Journalisten angegriffen. "Die Idee, dass die USA Journalisten gezielt angegriffen haben, ist offensichtlich vollkommen falsch", sagte Cheney in einem Gespräch mit Chefredakteuren in New Orleans. "Wer das glaubt, muss schon ein Idiot sein", fügte er hinzu.

Kriegsrecht der Truppen

In der irakischen Hauptstadt waren am Vortag durch US-Feuer mehrere Journalisten getötet worden, darunter ein Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters. Internationale Journalistenvertretungen hatten Zweifel daran geäußert, dass es sich bei den Angriffen um Versehen gehandelt habe.

Nach dem Kriegsrecht sei es den Truppen erlaubt, Feuer zu erwidern, sagte Cheney weiter und bekräftigte Angaben der US-Armee, die Soldaten hätten auf Angriffe reagiert und dabei die Journalisten im Hotel "Palestine" im Zentrum Bagdads getroffen. Reporter im Hotel sagten dagegen, von dem Gebäude und seiner Nachbarschaft aus seien ihrer Beobachtung nach keine Schüsse ausgegangen.

"Versehen" ist schwer zu glauben

"Es ist schwer zu glauben, dass das nur ein Versehen war", sagte eine Nahost-Expertin des in Paris ansässigen Verbandes Reporter ohne Grenzen. Das Komitee zum Schutz von Journalisten in New York zeigte sich überzeugt, "dass diese Angriffe die Genfer Konventionen (zum Schutz der Zivilbevölkerung in Kriegsgebieten) verletzen".

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) stellte in einer Protestnote an die US-Regierung fest: "Heute müsse wir mit Entsetzen zur Kenntnis nehmen, dass das Hotel Palestine in Bagdad, das Hauptquartier der Journalisten aus aller Welt, von US-amerikanischem Militär gezielt unter Beschuss genommen wird." Auch Vertreter der Bundesregierung forderten eine Untersuchung des Vorfalls.

Nach Angaben der US-Armee hatte ein Panzer am Dienstag eine Granate auf das Hotel "Palestine" abgefeuert. Dabei kamen zwei Kameraleute ums Leben, mehrere Journalisten wurden verletzt. Bei US-Angriffen auf das Büro des arabischen Fernsehens El Dschasira wurde Angaben des Sender zufolge ebenfalls ein Berichterstatter getötet. (APA/Reuters)

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