Die Vorfreude macht's

9. April 2003, 21:04
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Schon die bloße Aussicht auf Kokain löst Dopamin-Ausschüttung aus

Indianapolis - Schon die Aussicht auf Kokain löst bei drogenabhängigen Ratten einen Dopamin-Kick aus. Die Entdeckung, die zwei Forscher aus North Carolina jetzt in aufwändigen Tierversuchen nachwiesen, könnte zu neuen Therapien für drogenabhängige Menschen führen: Mit der immensen Gehirnaktivität vor dem Rauschgiftkonsum ließe sich das Verlangen erklären, das Süchtige befällt, sobald sie an die Droge erinnert werden. Auf Basis der Erkenntnis könnten Medikamente entwickelt werden, die das Verlangen nach Kokain eindämmen.

Für ihr Experiment, das am Donnerstag im US-Magazin "Nature" veröffentlicht wird, nutzten die Psychologin Regina M. Carelli und der Chemiker R. Mark Wightman von der Universität von North Carolina in Chapel Hill eine neuartige Technik der "Echtzeitmessung" der chemischen Veränderungen in Rattenhirnen. Nach dem die Tiere abhängig gemacht wurden, setzten die Forscher ihnen Elektroden ins Gehirn. Bei jeder Kokain-Injektion leuchtete eine Lampe auf, und es ertönte eine Klingel. Nach einer gewissen Zeit kam es bei den Versuchstieren zu Dopamin-Ausschüttungen, sobald die Lampe anging und die Klingel schellte.

Vermutung bestätigt

"Forscher vermuten schon lange, dass die Antizipation des Drogenkonsums den Dopamin-Spiegel steigen lässt", schreibt Carelli. "Bisher konnte dies jedoch nie akkurat gemessen werden."

Michael Kuhar, Pharmakologieprofessor an der Emory University in Atlanta, bezeichnete die Forschung als "technische Tour de Force". Sie werde helfen, Modelle über die Gehirnaktivitäten bei Drogenabhängigen weiter zu entwickeln.(APA/AP)

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