Historiker und Publizist Ferdinand Seibt verstorben

9. April 2003, 20:29
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München - Der Historiker und Publizist Ferdinand Seibt ist im Alter von 75 Jahren in München gestorben. Wie das Collegium Carolinum am Mittwoch mitteilte, starb er international geachtete Mediävist bereits am vergangenen Montag nach einer kurzen, schweren Krankheit. Die Beerdigung findet am 14. April in Haar bei München statt, wo Seibt gewohnt hat. Der emeritierte Professor an der Ruhr-Universität Bochum war lange Jahre Vorsitzende des Collegium Carolinum, Forschungsstelle für die böhmischen Länder.

Seibt war vor allem durch seine Studien zu Kaiser Karl IV. und zum böhmischen Reformator Jan Hus bekannt geworden. Darüber hinaus hat sich der gebürtige Böhme um die Erforschung seiner Heimat und die deutsch-tschechische Verständigung verdient gemacht, die im besonders am Herzen lag. Die Prager Karlsuniversität verlieh ihm für seine Bemühungen um ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Deutschen und Tschechen die Ehrendoktorwürde. Seibt beschäftigte sich dazu mit der europäischen Revolutionsgeschichte und publizierte 1984 das Werk "Revolution in Europa. Ursprung und Wege innerer Gewalt", in dem er einen "revolutionären Charakter unserer Kultur" seit dem Mittelalter belegt.

Mit dem Band "Glanz und Elend des Mittelalters. Eine endliche Geschichte" lieferte der Historiker 1987 eine allgemein verständliche Darstellung des gesamten Mittelalters. Internationale Beachtung fand auch Seibts 1993 vorgelegtes Werk "Deutschland und die Tschechen". Der Wissenschaftler publizierte rund 200 Fachaufsätze. Kritiker lobten die souveräne, klare und spritzige Sprache in Seibts Werken. Der Historiker, der sich an der Münchner Universität habilitierte und dort zunächst als Dozent lehrte, war seit 1969 Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum. Dort wurde er 1992 emeritiert. (APA/dpa)

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