Kunstherz und Spaltlunge in der Brust

9. April 2003, 20:17
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Internationaler Kongress in Wien über die Zukunft der Transplantationsmedizin

Wien - Die neuesten Entwicklungen und Zukunftstrends in der Herz- und Lungentransplantation werden seit Mittwoch (bis Samstag) bei einem internationalen Fachkongress in der Wiener Hofburg diskutiert. Das Treffen der International Society for Heart und Lung Transplantation (ISHLT) ist die größte Tagung auf diesem Gebiet: 2000 Experten aus der ganzen Welt werden in Wien erwartet.

Ein neuer Aspekt auf dem Gebiet der Herztransplantation ist das komplett implantierbare Kunstherz. In den USA wurde vor zwei Jahren erstmals ein solches Organ entwickelt und einigen Patienten nach Entnahme des geschädigten Herzens als permanentes Kunstherz eingesetzt. In Österreich ist dieses Verfahren noch ein experimentelles Konzept. Es könnte in Zukunft bei Patienten, bei denen eine Transplantation nicht mehr möglich ist, als Alternative eingesetzt werden.

Eine noch relativ junge, aber erfolgreiche Operationsmethode in Österreich ist die Split-Lungentransplantation. Dabei kann man bei geeigneten Voraussetzungen - wie einem großen Spenderorgan und einem kleinen Empfänger - die Spenderlunge teilen und jeweils einen Lappen an zwei Empfänger transplantieren. In Wien werden derzeit schon etwa 20 Prozent aller Lungentransplantationen auf diese Weise durchgeführt.

Eine weitere Verbesserung der Ergebnisse bei Lungentransplantationen bringt eine neue Generation von Immunsuppressiva, von Medikamenten, die die Abwehrreaktion des Organismus gegen das fremde, implantierte Organ unterdrücken. Individuell auf den Patienten zugeschnitten, können diese die chronische Organabstoßung verringern, ohne dabei gleichzeitig das Immunsystem derart zu lähmen, dass es zu einer Reihe von Infektionen nach der Transplantation kommt.

Noch im experimentellen Stadium befindet sich die Toleranzinduktion: Mittels Gentechnik soll das Spenderorgan so verändert werden, dass es vom Empfänger nicht mehr als fremd erkannt wird. Und durch Stammzellenbehandlung und Medikamente soll der Patient bereits vor Organempfang ans fremde Gewebe gewöhnt werden. Erste erfolgreiche Versuche wurden nun bei Ratten und Mäusen durchgeführt, auch die ersten klinischen Studien bei Menschen lassen hoffen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10. 4. 2003)

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