China vertuscht angeblich weiterhin Ausmaß von SARS

10. April 2003, 13:38
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In Peking gebe es deutlich mehr Opfer und Krankheitsfälle, als öffentlich bekannt gemacht wurde

Peking - Die chinesische Regierung vertuscht offenbar das Ausmaß der Lungenseuche SARS. In Peking gebe es deutlich mehr Opfer und Krankheitsfälle, als öffentlich bekannt gegeben worden sei, sagte der pensionierte Chefchirurg eines Militärkrankenhauses am Mittwoch. Er wisse von sieben nicht gemeldeten Todesfällen. Ein Pekinger Krankenhaus wurde geschlossen, nach dem sich 15 Mitarbeiter infizierten.

Kontrolle

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums würden Experten aus ganz China in Peking über Maßnahmen gegen das Schwere Akute Atemwegsyndrom (SARS) beraten. Dessen ungeachtet berichteten staatliche Medien weiterhin, die Epidemie sei unter Kontrolle.

Peking gibt weniger Opfer an

Die Behörden in Peking bestätigten fünf SARS-Opfer und 19 Krankheitsfälle. Tatsächlich seien es mindestens elf Tote und 106 Infizierte, sagte Jiang Yanyong unter Berufung auf Mitarbeiter der Pekinger Krankenhäuser.

Krankenhaus in Peking geschlossen

Ein weiteres Krankenhaus wurde nach Angaben einer Rezeptionistin geschlossen, nachdem mehrere Mitarbeiter erkrankten. Ein Schild am Eingang der Klinik untersagte jeglichen Zutritt. Männer und Frauen in grünen Armee-Hosen und mit Atemschutzmasken standen vor dem Gebäude. Ein Reporter, der die Szenerie filmte, wurde vorübergehend festgenommen und musste seinen Film zerstören.

Hongkong meldete am Mittwoch zwei neue Todesfälle

Rasant breitet sich die Seuche in Hongkong aus. Neben zwei weiteren Todesfällen meldete die Gesundheitsbehörde 42 Neuerkrankungen. Unter den Betroffenen seien 15 Krankenhausmitarbeiter und fünf Bewohner des Wohnkomplexes Amoy Gardens, in dem fast 300 Krankheitsfälle auftraten. Experten vermuten, dass die schnelle Ausbreitung auf ein undichtes Abflussrohr oder eine Übertragung durch Kakerlaken zurückzuführen sein könnte.

Frankreich - Drei SARS Fälle

In Frankreich bestätigte sich am Mittwoch ein Verdachtsfall, damit stieg die Zahl der SARS-Kranken dort auf drei. Der SARS-Verdacht bei einer am Montag in die Uniklinik Aachen eingelieferten Frau bestätigte sich dagegen nicht, wie das Gesundheitsamt am Mittwoch mitteilte.

USA - Pfleger angesteckt

In den USA steckte sich erstmals ein Krankenpfleger mit SARS an. Man sei nahezu sicher, das der Pfleger, der einen SARS-Patienten behandelte, an der Seuche erkrankt sei, sagte eine Mitarbeiterin des Zentrums für Seuchenkontrolle in Berkeley.

Nachbarländer ergreifen drastische Maßnahmen

Die Nachbarländer ergriffen drastische Maßnahmen gegen die Seuche: Malaysia verhängte ein Einreiseverbot für chinesische Staatsbürger. In Singapur dürfen katholische Priester keine Beichte mehr abnehmen, damit sie sich nicht anstecken. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen wurde ein erster Verdachtsfall in Kasachstan bekannt.

Tourismus mit drastischen Einbußen

Tourismusverbände und Fluggesellschaften meldeten weitere Einbußen auf Grund von SARS. 90 Prozent der taiwanischen Reisegruppen, die nach China fahren wollten, sagten ihre Reise im März ab. In Thailand werden nach Einschätzung des Verbands thailändischer Reisekaufleute 50 Reisebüros schließen. Die australische Airline Qantas kündigte die Entlassung von 1.400 Mitarbeitern an.

Filmfestivals in Italien luden Asiatische Gäste aus Die Organisatoren des Fernöstlichen Filmfestivals in Italien luden unterdessen Regisseure, Schauspieler und Produzenten aus Asien wieder aus. Der Druck der lokalen Gesundheitsbehörden in der nordöstlichen Stadt Udine hätten den Veranstaltern keine Wahl gelassen, hieß es.(APA)

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