Ausschuss im US-Repräsentantenhaus: Massaker an Armeniern war Völkermord
Ankara - Die Türkei behält sich im Streit mit den USA über
die Verfolgung von Armeniern im Ersten Weltkrieg weitere Schritte vor.
Außenminister Ahmet Davutoglu erklärte, noch sei es zu früh, um über konkrete
Maßnahmen zu sprechen. Zuvor hatte das Nato-Land seinen Botschafter aus
Washington abgezogen, nachdem ein Ausschuss des US-Repräsentantenhauses das
Massaker an Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord eingestuft hatte. Am
Freitag kündigte die Türkei an, weiter an einer Normalisierung der Beziehungen
mit Armenien arbeiten zu wollen.
Die Entscheidung des Ausschusses wurde in der Türkei mit Wut und Empörung
aufgenommen. Präsident Abdullah Gül warnte vor einer Beschädigung des
Friedensprozesses im Südkaukasus. Ministerpräsident Tayyip Erdogan erklärte, er
sei sehr besorgt darüber, dass dieser Vorgang das Verhältnis der beiden
Nato-Partner beeinträchtigen könnte. Armenien begrüßte hingegen das Ergebnis der
Abstimmung. Diese ist rechtlich nicht bindend. Als nächsten Schritt wird die
Resolution dem gesamten Repräsentantenhaus vorgelegt. Ob sie dort angenommen
wird, war zunächst unklar. Die Regierung von Barack Obama hatte die Abgeordneten
des Ausschusses gebeten, den Entwurf nicht zu verabschieden.
Gespräche Türkei-Armenien gehen weiter
Die muslimische Türkei will die Gespräche mit dem lange Zeit verfeindeten
christlichen Nachbarland fortsetzen. "Wir sind entschlossen, die Verhandlungen
über eine Normalisierung der Beziehungen mit Armenien voranzutreiben", sagte
Davutoglu. Die Regierungen beider Länder hatten sich im Oktober vorigen Jahres
nach fast einem Jahrhundert der Feindschaft auf bessere Beziehungen verständigt.
Die Türkei und Armenien streiten seit Jahrzehnten über die historische
Bewertung der Ereignisse. Vor allem armenische Einwanderer in den USA fordern,
dass die Türkei die Massaker von 1915 als Völkermord anerkennt. Die Regierung in
Ankara lehnt dies ab, wie sie auch die Zahl von 1,5 Millionen Toten bestreitet.
Sie hat mehrfach erklärt, es habe auf beiden Seiten viele Tote in dem Krieg
gegeben. (Reuters)