Die mysteriöse Rolle des Vladimir Zagorec

Veronika Wengert, 4. März 2010, 18:11

Anwalt: Der Ex-General habe nur als Vermittler zwischen der Hypo und liechtensteinischen Firmen fungiert

Immer wieder taucht er als Schlüsselfigur im Fall Hypo auf. Und gibt Anlass zu Spekulationen: der kroatische Ex-General Vladimir Zagorec. Nun haben ihn, wie vom Standard berichtet, auch die österreichischen Hypo-Ermittler ins Visier genommen. Sein Mandant habe aber selbst nie Kredite erhalten, sondern nur als Vermittler an mehreren Projekten agiert, sagt dessen kroatischer Anwalt Zvonimir Hodak.

Zagorec habe im Fall Hypo noch nie vor Gericht gestanden, betont Hodak. Auch ein U-Ausschuss in Österreich habe hinsichtlich des Geldwäsche-Verdachts keine Indizien gebracht, "dass Zagorec im Hinblick auf die Hypo-Bank etwas getan habe, das nicht in Einklang mit der österreichischen Rechtsprechung stand" , sagt Hodak. "Er diente als Blitzableiter für andere, er ist das Paradigma für das Kriminelle in Kroatien schlechthin."

So soll Zagorec, als er mit dem Regierungswechsel 2000 seinen Sessel als Vizeverteidigungsminister räumte und sich in Wien niederließ, Edelsteine im Wert von fünf Mio. Dollar mitgenommen haben. Zagorec bestreitet die Vorwürfe, wurde aber vor wenigen Wochen zu sieben Jahren Haft verurteilt, die er in Zagreb absitzt.

Doch welches Verhältnis hatte Zagorec konkret zur Hypo Bank? "Er hatte Projekte an attraktiven Standorten entlang der kroatischen Küste" , sagt Hodak. Firmen in Liechtenstein seien am Markt als Käufer bestimmter Immobilien aufgetreten. Zagorec sei eine Art Berater und Vermittler zwischen diesen Firmen und der Hypo Bank gewesen. Für vier Immobilienprojekte in Zagreb, Hvar, Pula und Rovinj seien insgesamt 40 Mio. Euro Kredite an die liechtensteinischen Firmen geflossen.

Gewinne für alle

Dabei seien die Immobilien um 30 Prozent über der Kreditsumme bewertet worden - als Sicherheit für die Bank. Von Wien aus baute Zagorec sein Immobilienimperium in Kroatien auf: Über Bekannte machte er Immobilien ausfindig und bot sie den Liechtensteiner Firmen, an denen er teilweise auch Miteigner war, zum Kauf an.

Diese sollten im Anschluss daran verkauft werden. "Der Gewinn wäre für alle gewesen, die Hypo hätte ihr Geld plus Zinsen erhalten" , erklärt Hodak. Doch dann kam die Geschichte mit den Edelsteinen dazwischen. "Wäre Zagorec jetzt nicht im Gefängnis, wären die Projekte vermutlich schon umgesetzt worden" , so Hodak. "Was damit wird, weiß ich nicht, aber an einer Insolvenz der Firmen ist vermutlich niemand interessiert."

Und welche Rolle spielte die Hypo-Bank im jüngsten Kroatien-Krieg? "Die Hypo Bank war eine kleine Bank in Klagenfurt, die österreichischen Landwirten vorteilhafte Kredite erteilte" , sagt Hodak. Dann sei jedoch eine Gruppe von Leuten gekommen, die die kriegerischen Umstände auf dem Balkan ausnutzen und sich im Osten platzieren wollte. Dabei habe sich der vergangenen Sommer überraschend zurückgetretene Ex-Premier Ivo Sanader sehr engagiert, aber auch andere Politiker, sagt Hodak. Die kroatischen Politiker hätten eigene Kredite gebraucht. Und seien daher am Markteintritt der Hypo Bank interessiert gewesen. "Sie haben sich zur Rückzahlung verpflichtet und als Gegenleistung der Hypo Bank die Türen in Kroatien geöffnet." Über diese Verbindungen habe die Bankengruppe auch nach Serbien und Bosnien-Herzegowina expandiert.(Veronika Wengert aus Zagreb, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.4.2010)

 

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