Die Unaufrichtigkeit der Kandidatin kann vielleicht in ihren Kreisen als nordische List durchgehen, sonst nirgends
Es freut die Förderer einer Kandidatur von Barbara Rosenkranz nicht, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte es erlaubt, sie "Kellernazis" zu nennen. Das wirft die Frage auf, was sie gegen das Wort "Keller" haben. Denn am Nazi dürften sie sich kaum stoßen, hat ihre Kandidatin doch beim ersten Auftritt als solche nur wenig von dem ausgelassen, was zu den Anliegen von bekennenden Neonazis und verharmlosenden Rechtsextremisten gehört, und ihre Botschaften in denselben, sattsamen bekannten Codes vertreten, den auch diese bemühen, wenn sie als zivil wahrgenommen werden wollen.
Natürlich weiß ein Maulheld wie Strache, dass es unrealistisch ist, wenn er Rosenkranz schon jetzt als "unsere Präsidentin" feiert, wie er das mit sich als Bürgermeister tut. Was er inszeniert, ist nichts anderes als Wiederbetätigung unter dem Vorwand einer Kandidatur für das höchste Amt im Staat, in der Erwartung, drei Monate währendes Getrommel um diese weibliche Reinkarnation der Spukgestalt Norbert Burger werde das Land wieder ein Stück in den Sumpf jener lenken, die nur wissen wollen, "was sie in der Schule gelernt" und in der Krone gelesen haben.
Die Unaufrichtigkeit der Kandidatin kann vielleicht in ihren Kreisen als nordische List durchgehen, sonst nirgends. Sie will wissen, was das Volk beschäftigt - und weiß nicht einmal, was ihr germanischer Haus- und Ehemann samt seinem rechtsradikalen Freundeskreis so treibt? Sie will als kandidierende Person mit ihm nicht in einen Topf geworfen werden - warum nur, wo er sich doch bei der Verfertigung seiner "Fakten" im Kreise "angesehener Persönlichkeiten" bewegt? Ob aus dem Kampf einer christlichen Mutter gegen den Agnostiker Fischer etwas wird, ist noch offen, seit ihr Kirchenaustritt bekannt wurde. Aber eine zehnfache Not- und Umtaufe der Kinder aus dem Germanischen ins Christliche ließe sich publikumswirksam verkaufen. Mit Gerd Honsik und David Irving als Paten, auch für einen solchen Anlass sollten es "angesehene Persönlichkeiten" sein. Geschenkt das Geplapper von Meinungsfreiheit, wo es nur um die Leugnung oder Verharmlosung von Fakten, nämlich von Naziverbrechen geht.
Allein die Kandidatur dieser Frau ist eine Schande für das Land. Rosenkranz selber sprach in der Kleinen Zeitung aus, worum es dabei geht: "Ich freue mich auf den Test für unsere Positionen." Mehr ist es nicht. Aber wie dieser Test ausfällt, wird vor allem von traditionellen Wählern einer Volkspartei abhängen, die sich noch immer eine österreichische nennt. Wollen sie Heinz Fischer dafür bestrafen, dass ihre Partei keinen Kandidaten aufgestellt hat und dabei so weit gehen, sich mit ihrer Stimme auf die Seite deutschnationaler Rechtsextremisten zu schlagen? Tendenzen dazu gibt es, wenn auch Generalsekretär Kaltenegger und Andreas Khol in Rosenkranz kein akzeptables Angebot an schwarze Wähler sehen. Auch ohne offizielle Wahlempfehlung für Fischer - etwas deutlicher sollte sich die ÖVP schon wegen der Parole eines EU-Austritts von dem unsittlichen Angebot Straches distanzieren. Wenn nicht überhaupt vor den Wählern noch der Staatsanwalt dem Unfug ein Ende macht. (Günter Traxler, DER STANDARD, Printausgabe, 5.3.2010)