Nichts gegen den Keller

04. März 2010 17:57

Die Unaufrichtigkeit der Kandidatin kann vielleicht in ihren Kreisen als nordische List durchgehen, sonst nirgends

Es freut die Förderer einer Kandidatur von Barbara Rosenkranz nicht, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte es erlaubt, sie "Kellernazis" zu nennen. Das wirft die Frage auf, was sie gegen das Wort "Keller" haben. Denn am Nazi dürften sie sich kaum stoßen, hat ihre Kandidatin doch beim ersten Auftritt als solche nur wenig von dem ausgelassen, was zu den Anliegen von bekennenden Neonazis und verharmlosenden Rechtsextremisten gehört, und ihre Botschaften in denselben, sattsamen bekannten Codes vertreten, den auch diese bemühen, wenn sie als zivil wahrgenommen werden wollen.

Natürlich weiß ein Maulheld wie Strache, dass es unrealistisch ist, wenn er Rosenkranz schon jetzt als "unsere Präsidentin" feiert, wie er das mit sich als Bürgermeister tut. Was er inszeniert, ist nichts anderes als Wiederbetätigung unter dem Vorwand einer Kandidatur für das höchste Amt im Staat, in der Erwartung, drei Monate währendes Getrommel um diese weibliche Reinkarnation der Spukgestalt Norbert Burger werde das Land wieder ein Stück in den Sumpf jener lenken, die nur wissen wollen, "was sie in der Schule gelernt" und in der Krone gelesen haben.

Die Unaufrichtigkeit der Kandidatin kann vielleicht in ihren Kreisen als nordische List durchgehen, sonst nirgends. Sie will wissen, was das Volk beschäftigt - und weiß nicht einmal, was ihr germanischer Haus- und Ehemann samt seinem rechtsradikalen Freundeskreis so treibt? Sie will als kandidierende Person mit ihm nicht in einen Topf geworfen werden - warum nur, wo er sich doch bei der Verfertigung seiner "Fakten" im Kreise "angesehener Persönlichkeiten" bewegt? Ob aus dem Kampf einer christlichen Mutter gegen den Agnostiker Fischer etwas wird, ist noch offen, seit ihr Kirchenaustritt bekannt wurde. Aber eine zehnfache Not- und Umtaufe der Kinder aus dem Germanischen ins Christliche ließe sich publikumswirksam verkaufen. Mit Gerd Honsik und David Irving als Paten, auch für einen solchen Anlass sollten es "angesehene Persönlichkeiten" sein. Geschenkt das Geplapper von Meinungsfreiheit, wo es nur um die Leugnung oder Verharmlosung von Fakten, nämlich von Naziverbrechen geht.

Allein die Kandidatur dieser Frau ist eine Schande für das Land. Rosenkranz selber sprach in der Kleinen Zeitung aus, worum es dabei geht: "Ich freue mich auf den Test für unsere Positionen." Mehr ist es nicht. Aber wie dieser Test ausfällt, wird vor allem von traditionellen Wählern einer Volkspartei abhängen, die sich noch immer eine österreichische nennt. Wollen sie Heinz Fischer dafür bestrafen, dass ihre Partei keinen Kandidaten aufgestellt hat und dabei so weit gehen, sich mit ihrer Stimme auf die Seite deutschnationaler Rechtsextremisten zu schlagen? Tendenzen dazu gibt es, wenn auch Generalsekretär Kaltenegger und Andreas Khol in Rosenkranz kein akzeptables Angebot an schwarze Wähler sehen. Auch ohne offizielle Wahlempfehlung für Fischer - etwas deutlicher sollte sich die ÖVP schon wegen der Parole eines EU-Austritts von dem unsittlichen Angebot Straches distanzieren. Wenn nicht überhaupt vor den Wählern noch der Staatsanwalt dem Unfug ein Ende macht. (Günter Traxler, DER STANDARD, Printausgabe, 5.3.2010)

  • Keine Reform, nirgends [31]

    So richtig es prinzipiell ist, dass sich die lebenslange Arbeitszeit einer steigenden Lebenserwartung anpassen muss, so schönfärberisch nun das Geschwätz von der Anpassung der Arbeitswelt an ältere Menschen

  • Im Kosmos der Krautsuppe

    blattsalat

  • 3.2.2012
  • 27.1.2012
    • Staat billig abzugeben? [77]

      Wäre Erwin Pröll zum Bundespräsidenten gewählt worden, er hätte sich dieser Tage selbst weggespart

  • 20.1.2012
    • Neonazi im Frack [76]

      Dass es sich beim Wiener Korporations-Ball um den Mummenschanz von Holocaust-Leugnern, Rechtsextremen, Alt- und Neonazis handelt, wurde im Fachblatt "Zur Zeit" eben erst überzeugend widerlegt

  • 13.1.2012
    • Österreich als Sitcom [14]

      "Die Pelinkas": Den Rohentwurf des Drehbuchs legten die Akteure zuletzt in den Printmedien vor

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 107
1 2 3
dritter mann
 
05.03.2010 22:21
Jetzt wird's lustig.

Nach wochenlangem Getrommel für die Gebärmutter auf den Leserbriefseiten der Krone des österreichischen Medienwesens durfte man ja schon gespannt sein, wie man sich dort infolge des deutlichen Schönborn-Sagers winden wird. Und also geschah nun einmal eine echte Überraschung: Der Alte himself distanziert sich plötzlich vom Zugpferd seiner jüngsten Kampagne gegen die Demokratie (zumindest in der Abendausgabe) und es gibt keinen einzigen Leserbrief zum Thema. Wohin soll das noch führen? Rücktritt von der Kandidatur mangels Unterstützung durch das Leibblatt der Österreicher? Oder Catos Rückfall, sobald die Frau eidesstattlich - wie auch schon angeregt wurde - erklärt hat, sich ihres "rechten" Gedankenguts zu enthalten?

*QED*
05.03.2010 16:06

Also die Distanzierung der ÖVP von Rosenkranz war
eindeutig und ist von jedermann wahrgenommen
worden, außer von Günter Traxler. Vielleicht hat er
sie wahrgenommen und wollte nur die übliche
Gehässigkeit gegenüber der ÖVP anbringen.

Harry Y.
 
08.03.2010 09:40

1) hätte die ÖVP sich damit distanzieren müssen, einen eigenen Kandidaten aufzustellen, und sei der noch so chancenlos im Hinblick auf den Posten (aber die ÖVP schaut seit zehn Jahren in die andere Richtung, wenn's ernst wird),
2) ist es keine Gehässigkeit, die ÖVP zu kritisieren.

Titeuf
 
05.03.2010 18:49
Klaus Schneeberger, niederösterreichischer VP-Klubobmann:

"Ich habe Frau Rosenkranz in den vergangenen 18 Jahren kennen und schätzen gelernt. Ich weiß von keinen wie immer gearteten rechten Auswüchsen"

noch Fragen?

*QED*
06.03.2010 11:40

Nichtrepräsentative Einzelmeinungen gibt es immer.
Der derzeitige BP hat gemeinsam mit Kreisky, den
in aller Welt angesehenen Simon Wiesenthal krimi-nalisiert.

Titeuf
 
06.03.2010 13:58
Eher so:

Mann lasse die zweite Reihe divergierende Wortmeldungen spenden und halte sich so alle Möglichkeiten offen. Dafür spricht das dröhnende Schweigen von Pröll.
Hat er vom schweigekanzler gelernt.

Eine eindeutige Distanzierung sieht anders aus.

*QED*
06.03.2010 19:18
Kaltenegger, Kopf,Spindelegger,Khol und Leitl

In Ihren Besudelungsversuchen stehen Sie den
Rechtspopulisten um nichts nach. Wenn ich richtig
zähle, haben sich FÜNF ÖVP-Spitzenpolitiker
von Rosenkranz distanziert und Sie als unwählbar
erklärt. Ihre Wahrnehmung ist äußerst selektiv.

Harry Y.
 
08.03.2010 09:45

Sie antworten völlig inädaquat. Ihre Wahrnehmung der Substanz des vorigen Postings dürfte ausgeblendet sein.
Warum schweigt Pröll?

*QED*
12.03.2010 14:48

Lügen haben bekanntlich kurze Beine! Pröll hat nicht
geschwiegen.

Titeuf
 
06.03.2010 21:07

Pröll schweigt und das nicht ohne Grund. Man will sich einen potenziellen Koalitonspartner nicht vergraulen, auch wenn man sich dabei die Nase zuhalten muss.
Durch eine schwarze Brille sieht das natürlich anders aus.

*QED*
07.03.2010 07:51

Besser ein schwarzer Brillenträger als ein roter Sudel-
koch!

Titeuf
 
07.03.2010 20:02

Überzeugende Argumentation. Ich gebe mich geschlagen.

yesterday came suddenly
05.03.2010 14:41
G.Traxler diesmal sehr ernst. Die gewohnte Ironie fehlt fast ganz.


Geht bei diesem Thema auch nicht anders.


Vielen Dank an GT.

Frank'n'furter ät www.agenda2020.at
05.03.2010 12:50

warum muss eigentlich erst ein anwalt, der dann unter massiven druck gerät, aktiv werden?
wo sind die staatsanwälte, deren job es eigentlich ist, so etwas zu verfolgen?
was tut der verfassungsdienst des bka eigentlich?

lippenbekenntnisse von der övp, aber einen graf im nr-präsidium halten. sehr schön.

und auch fischer hätte durchaus deutlichere worte finden können als diffus eine "firewall" zu verbalisieren.

was ist mit diesem land eigentlich los?


antifaschismus ohne kompromisse.

bernhard 4 president.

www.agenda2020.at


G e o r g
05.03.2010 15:07

Rosenkranz ist schlau genug, so zu formulieren, dass sie keine rechtlichen Probleme bekommt. Auch wäre ein Strafverfahren das falsche Mittel, da die Bedingungen, die dafür sorgen, dass sie von einem bedeutenden Anteil der Wähler gewählt werden würde, auch bei einer juristisch aufgehaltenen Kandidatur bestehen bleiben. Das Problem wäre also nur bis zur nächsten Wahl aufgeschoben. Der Kampf gegen Rechtsextremismus muss auf dieser Ebene politisch geführt werden.

The Sunshine State
05.03.2010 09:53

Wie hoch stehen denn die Chancen wirklich, dass Gerichte die Kandidatur von Rosenkranz verhindern?

Hubert Ungeist
05.03.2010 12:07
Null..

ein Verbot über ein Gesetz zu diskutieren gibts nicht. Udn über ein Gesetz zu diskutieren heisst nicht das es eine Vorbereitungstat ist wie herr Zanger behauptet.

da müssen schon mehr Beweise da sein.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
05.03.2010 11:47
Herzerzog Johann
05.03.2010 11:10

Null

Freigeist78
05.03.2010 09:45
Österreich ist das Kärnten Europas

ulli52
 
05.03.2010 14:42
leider ein sehr guter vergleich...

MAXIMA
05.03.2010 09:21
So eine Schande...

.... diese Dauerrülpser, wenns gegen die Blauen geht, Korruption, Millionendeals, Managergagen, Freunderlwirtschaft, Sesselkleber usw., das ist keine Schande? Wenn das alles kein Thema ist, wen wunderts, daß eine FPÖ so viele Stimmen erhält.

1116er
08.03.2010 15:57
..wen wunderts, daß eine FPÖ so viele Stimmen erhält.

mich wundert es!

denn genau das hat doch die fpö, wenn sie die möglichkeiten dazu hatte (regierungsbeteiligung im bund, kärnten) besser als alle anderen selbst durchgezogen.

mich wundert daher vielmehr, dass es leute gibt, die sich von diesen blendern blenden lassen!

monoton
05.03.2010 18:01

es heht hier nicht um kärnten und die ehemelige schwarzbraune regierung, sondern darum daß ein kellernazi zur wahl aufgestellt wurde

Michael Thomas
05.03.2010 12:38
Uwe Scheuch wird damit aufräumen!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 107
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.