Nachlese

"Bli bla blu" - die Richterin hört zu

4. März 2010, 17:01
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    foto: standard/robert newald

    VgT-Obmann Martin Balluch erläuterte die Arbeit von Tierschutzaktivisten. Eine "Doppelstrategie" habe es nie gegeben.

Bei der Einvernahme des Erstangeklagten Martin Balluch drohte die Stimmung beim Tierschützerprozess zu kippen

Am Nachmittag konnten dann die Aktionen der Aktivisten in aller Ruhe erläutert werden.

***

Wiener Neustadt - "Ich werde das Verhandlungstempo reduzieren" , erklärt Richterin Sonja Arleth nach der Mittagspause, sichtlich um Deeskalation im Tierschützerprozess bemüht. Denn Donnerstagvormittag drohte die Stimmung im Schwurgerichtssaal von Wiener Neustadt mehrfach zu kippen - etwa wenn die Richterin während der Beantwortung von Fragen durch den Erstangeklagten Martin Balluch gleichzeitig im Akt Zitate für die nächste Frage suchen ließ. "Bli bla blu - ich glaub, Sie hör'n nicht zu" , unterbrach sich Balluch selbst, die ungeteilte Aufmerksamkeit abwartend.

Das zentrale Thema zum Beginn der Einvernahme des Obmanns vom Verein gegen Tierfabriken (VgT): Hatte er intensive Kontakte zu Vertretern der radikalen britischen Tierschutzorganisation Animal Liberation Front (ALF)? Darauf beruht die These der Staatsanwaltschaft, dass die angeklagten Vertreter der Tierschutzszene nach britischem Vorbild eine "Doppelstrategie" organisiert hätten: Legale Aktionen wie Demonstrationen auf der einen - und illegale wie Brandanschläge auf der anderen Seite. Balluch verneinte das dezidiert: "Zu 99,9 Prozent werden unsere Kampagnen ohne illegale Begleiterscheinungen durchgeführt. Offensichtlich besteht die ‚Doppelstrategie‘ darin, dass man sich mit legalen Strategien begnügt."

Und jenes Heft, das bei einer Mitangeklagten gefunden wurde, in dem eine anonyme Aktivistin berichtet, wie sie ALF-Mitglied wurde - "mein erster und wichtigster Schritt war die Erkenntnis, dass ich die ALF war" -, um dann im Alleingang ein Fastfood-Lokal zu beschmieren? "Das ist doch der Beweis, dass es sich um Einzeltäter handelt" , sagte Balluch. "Ich würde sagen: Case closed."

Warum Balluch einen Vortrag bei einer Veranstaltung gehalten habe, bei der auch Keith Man gesprochen hat, wollte Richterin Arleth wissen. Man war Anfang der 90er-Jahre in Großbritannien wegen Brandstiftung verurteilt worden. Balluch erklärte: Es sei eine Einladung der grünen Bildungswerkstatt gewesen, und die Veranstaltung habe das ‚Tier als Subjekt‘ zum Thema gehabt.

Am Nachmittag dann bei deutlich entspannter Stimmung der erste konkrete Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Das "Auskundschaften" von Tierfarmen in Skandinavien - um laut Anklage Anschläge wie Tierbefreiungen vorzubereiten. Balluch betont, dass er nur zu Dokumentationszwecken dort gewesen sei, um in Österreich den Menschen das Tierleid zeigen zu können. Zum Beweis wird auf Wunsch der Verteidigung eines der damals aufgenommenen Videos gezeigt. Man sieht Silberfüchse, die in Käfigen nervös hin- und herzischen, Nerze, die durch die Gitter ihrer Käfige hindurch nach dem Nahrungsbrei schnappen müssen. Richterin Arleth erkundigt sich ausführlich über das Verhalten der Tiere.

Wie Balluch zu Nerzbefreiungen stehe, will Arleth wissen. "Ich würde sie problematisieren. Aber ich habe auch von Befreiungen gehört, wo man die Tiere einzeln freilässt." Das fände Balluch in Ordnung. Grundsätzlich sei er aber für Aktionen, die ohne Sachbeschädigung möglich seien.

Zweiter Vorwurf: Das Auskundschaften einer heimischen Legehennen-Batterie. Wie Balluch eingestiegen sei? "Ohne Sachbeschädigung." Arleth: "Und wie geht das?" Balluch: "Das möchte ich wenn möglich nicht sagen, damit ich's weiter machen kann."

Staatsanwalt Wolfgang Handler zitiert aus einer Telefonüberwachung, wo von "offenen Befreiungen" und "offenen Lagerfeuern" die Rede ist - aber wo auch während des Gespräches mit "Achtung Staatssicherheit" gescherzt wird. "Wir wussten ja bereits, dass wir abgehört werden. Hier ist das ein Witz. Aber ich habe schon offene Befreiungen gemacht, die von Medien dokumentiert wurden. Ein paar Hühner." Balluch wurde damals wegen mangelnder Strafwürdigkeit freigesprochen.

Dieser Prozess, in dem die Aktivisten als Teil einer Kriminellen Organisation angeklagt sind, wird mit weiteren Einvernahmen fortgesetzt. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD - Printausgabe, 5. März 2010)

Kommentar posten
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Zacharias Zipfel
 
41
11.5.2010, 23:29
Soweit ich mich erinnere gab es in Deutschland

auch schon Verurteilungen der Tierschutzmafia wegen Betruges ... wäre mal interessant herauszufinden ob es da irgendwelche Zusammenhänge gibt? Ältere Damen mit dem Thema abzuzocken scheint wohl nicht allzu schwierig ;-) zumindest wohl weniger anstrengend als rechtschaffene Arbeit. Man sollte mal transparent machen, wo die Einnahmen für kriminelle Aktivitäten herkommen, würde mich schon wundern wenn da nicht die eine oder andere Erbschaft dabei ist ...

Top spin
00

fragens doch mal die fpö wo die ihre großzügigen parteispenden herbekam. doch wohl nicht vom ehrenwerten herrn gadaffi?

mstislav raskachlovitsch
11
28.4.2010, 09:26
Bisher habe ich noch niemals.....

...einen wirklich objektiv agierenden Richter gesehen, diese Richterin allerdings versucht ihre Neigung gleich gar nicht zu verhüllen......

Sepp Mösenlechner
33
die richterin ist befangen!!!

Andrew Jessarew
14
Auch wenn die zynischen Amtsgewalten scheinbar triumphieren. Sie demaskieren sich auch

und verlieren den letzten Rest an Respekt vor allem bei unserer Jugend.

Auch wenn viele Biertischkaiser das Aufknöpfen von alternativen Idealisten lustig finden. Wenn unser Rechtsstaat einmal den Bach runter gegangen ist (und derzeit befindet er sich im freien Fall!), versichere ich: Das wird gar nicht lustig sein.

Citizen
118
Arleth = miese Richterin in einem miesen Prozess

the falling man
015
das augenscheinlichste problem,

ist wohl, dass die justiz bzw. der justiz-polizeiapparat (eine gewaltentrennung in eigentlichen sinn gibt es ja nicht) völlig ohne jegliche demokratische kontrolle funktioniert. in diesem bereich steht österreich eher in der nähe von lybien und dem iran als in der nähe eine westlichen demokratie.

Henry Flower
12
moment, gewaltentrennung bedeutet ganz genau das fernhalten demokratischer einflüsse von der justiz. die legislative ist demokratisch, die justiz ist unabhängig: so das prinzip.

die gewaltentrennung in österreich ist tasächlich schwach ausgebildet: die staatsanwaltschaft ist zu direkt dem justizministerium untergeordnet. aber das ist ja genau demokratisch: der wille der NR-mehrheit könnte sich theoretisch übers ministerium auf die gerichte auswirken.

aktuell müsste aber eine riesige nr-mehrheit dafür sein, balluch & co. eher gestern als morgen einzulochen: fpö, bzö, övp plus spö.

ich finde daher den vorwurf der politjustiz nicht überzeugend.

chaotisch ja, und einige beamte mit steckenpferden, wohl: aber die wr. neustädter sta ist ja schon bei der u-haft von der ober sta wien eingebremst worden, und die öffentlichkeit des verfahrens hilft auch.

aber von einem systematischen politischen einfluss ist keine spur.

Cayenne69
06

Balluch ist doch schon längst verurteilt, das ist alles nur traurige Show und Maskerade...

Lex Barker jun.
52
"Hütet euch vor den Gezeichneten!"

Henry Flower
62
ich tat mich jedenfalls hüten

vor dem fotografierten.

niewieder nett
 
15

was wollen die wirklich von den tierschützern? das kanns ja alles nicht sein.

David Seppi
 
52

Die wollen (zu Recht), daß die "Tierschützer" geltendes Recht einhalten.

The Brain User
10
13.12.2010, 20:07
Halt doch einfach deine blöde Fr*sse :-)

David Seppi.... Schimmel im Gehirn, oder? *g*

wwelv folig
313
Es gibt keinen rechtsstaat.

Steven Biko
211
Doch, aber leider scheint er

zu sehr rechts zu stehen.
Na ja, er heist ja auch nicht Linksstaat !

Noch einen schönen Abend an jene Dummköpfe die gerne über "GUTMENSCHEN" schimpfen !
Leider muß ich immer wieder feststellen, dass mein ( illegal bei mir wohnender [ich hab ihn nicht eingeladen] ) Kater oftmals menschlicher erscheint als manche meiner Zeitgenossen.
Leid aller Mitkreaturen zu minimieren, sollte selbst von jenen wie mir, die eindeutig Fleischfresser sind, ein Ziel sein.
Meine Achtung gilt definitiv eher den Tierschützern, als den Menschenverachteren wie Strache et al.

Herzlichst
SB

Prostetnik Vogon Jeltz
34
Linksstaat


Ein "Staat" kann nicht "links" sein, da müßte er sich ja sofort auflösen!

:-)

NONE
015

Der Staatsanwalt sollte sich lieber mit Korruption in Österreich beschäftigen.

Dort gibt es einige echte Kriminelle die man verfolgen sollte.

JosefGott
08

Richter und Staatsanwälte werden niemals gegen sich selbst ermitteln.

Citizen
03

... dann müsste er gegen sich selbst ermitteln...

Blanc de Blancs
165
Einladung der grünen Bildungswerkstatt

Diesen obskuren Verein sollte der Verfassungsschutz auch mal näher untersuchen.

Danijel Jovanovic
219
Gute Reportage!

Aus dem Iran? Oder aus China?

Zenon
92

Die Richterin befragt den Angeklagten zu dem, was ihm der Staatsanwalt vorwirft. Ja, das gibt es wahrscheinlich auch im Iran oder in China.

JosefGott
13

Dann sollte sie ihm auch zuhören was er dazu zu sagen hat. In China oder Iran wird das z.B. nicht zugehört weil die Urteile von vorne herein fest stehen, und da gibt es keinen Unterschied zu Österreich.

Henry Flower
01
in china oder dem iran

wird wohl nicht alles stenografiert, was der zeuge sagt.

keine panik, balluchs worte gehen nicht verloren.

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