Web-Community protestiert gegen Barbara Rosenkranz

4. März 2010, 15:14
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Geht es nach Facebook-Freunden, muss Rosenkranz gegen einen Toast gewinnen

Seit ein paar Tagen, seit die ihre zehnfache Mutterschaft wie ein politisches Programm vor sich hertragende FPÖ-Mandatarin Barbara Rosenkranz ihre Kandidatur als Bundespräsidentin und "Mutter der Nation" (Heinz-Christian Strache) erklärt hat, schießen Rosenkranz-Gruppen auf Facebook ins Kraut. "Kann dieser Toast mehr Freunde haben als Barbara Rosenkranz?" , wirbt eine Seite um Stimmen; anders als der "seelenlose Ziegelstein" , den 156.632 Personen gegenüber H.-C. Strache bevorzugen, gräbt der "Toast" mit 56 Mitgliedern Rosenkranz noch wenig Wasser ab.

"Gegen Barbara Rosenkranz als Bundespräsidentin"

Andere Gruppen haben da deutlich mehr Zulauf. Spitzenreiter ist die programmatisch klar gestrickte Gruppe "Gegen Barbara Rosenkranz als Bundespräsidentin" , die vor ein paar Tagen von einem Juso angelegt wurde. Donnerstagnachmittag zählte sie rund 24.500 Mitglieder und rekordverdächtigen Zulauf: Seit dem Vortag hatten sich im Schnitt stündlich 770 neue Unterstützer eingefunden.

"Kann dieser Bärenjude mehr Fans haben als Barbara Rosenkranz Wähler?"

Täglich kommen eine Handvoll weitere Seiten hinzu, charakteristisch für Facebook-Aktionismus, der zur Zersplitterung neigt. Auf Platz zwei rangierte gestern Abend "Eine Million Österreicher gegen Barbara Rosenkranz" , gerade erst gegründet, trotzdem schon 2627 Mitglieder stark. 42 Gruppen gab es bis gestern Abend, dazu zwölf Seiten (wobei der Unterschied zwischen Gruppen und Seiten inzwischen eher theoretisch ist), darunter Aktionen wie "Kann dieser Bärenjude mehr Fans haben als Barbara Rosenkranz Wähler?" , mit einem Darstellerbild aus dem Film Inglorious Basterds.

Der Protest gegen die Kandidatur der bekennenden "national-konservativen" Vorkämpferin für die Aufhebung des Verbotsgesetzes fällt, ganz nach Internetmanier, mal sachlich, oft ironisch, manchmal derb aus - allerdings, wie auf Facebook üblich, mit Namensnennung und nicht anonym wie in Online-Foren. Häufige Zielscheibe der Kritik ist auch die Kronenzeitung, deren Herausgeber Rosenkranz unterstützt.

"Ich wähle Barbara Rosenkranz zur Bundespräsidentin!"

Zwar finden sich auch Unterstützer, deren Zahl (oder Bekenntnisfreude) ist hingegen wesentlich bescheidener. "Ich wähle Barbara Rosenkranz zur Bundespräsidentin!" zählte gestern Abend 355 Fans und war damit eine der stärksten Pro-Rosenkranz-Seiten. Viel Wind auch auf Twitter, dem "Telegrafensystem des 21. Jahrhunderts" : Dort avancierte #rosenkranz (mit # werden auf Twitter Themen identifiziert) rasch zur Nummer eins des Gezwitschers unter österreichischen Usern. (Spu,  Der tandard Printausgabe, 5. März 2010)

  • Facebook-User protestieren gegen Barbara Rosenkranz.
    foto: derstandard.at/screenshot

    Facebook-User protestieren gegen Barbara Rosenkranz.

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