Ist die Titelmanie in Österreich übertrieben?

5. März 2010, 14:15

Österreich gilt als Land, in dem Titel wichtig sind. Was denken Sie?

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StefanSchulz
 
00
8.12.2011, 23:42
Titel in der Anrede - Unterschied DE - AT

Zumindest im akademischen Bereich sind in manchen Gegenden Deutschlands Titel eher verpönt. Dass ein Student einen Professor mit "Herr Professor (X)" (statt mit "Herr X") anspricht, wirkt das anbiederend. Im Privatleben jemanden mit Titel anzusprechen, gilt weithin als altmodisch.

Wenn man dagegen in Österreich den Prof. X mit "Herr X" anspricht, ist das eher eine Unhöflichkeit.

Ich bin als Professor von Freiburg nach Graz gewechselt. Ich glaube, ich habe nie im Leben jemanden als "Herr Professor" angesprochen und wurde selbst nur recht selten so tituliert.

Hier ist das normal, und ich habe mich nach einem Jahr noch nicht daran gewöhnt.

Zum Glück ist man im Arbeitsumfeld schnell mit allen per Du, das löst das Titelproblem.

Tadej Brezina
00
19.7.2010, 11:15

Irgendwie wird da ziemlich viel vermischt.
Das eine sind erarbeitete, akademische Grade (Mag., DI., Dr., ...), das andere verliehene Titel (Ing., Prof., alle möglichen Räte, ...)
Und wieder was anderes sind Berufstitel (Univ. Prof., etc.).
Und dass es international unüblich sei, Titel und Grade zu "tragen", auf Visitenkarten, in Sinaturen etc. ist auch nur eine österreichische Urban Legend.
Man sehe sich nur mal die Flut der im angelsächsischen Raum nachgestellten Kürzel an, von LL.M. über BSc. und MSc., über diverse Fellowships zu den Knight und Dame Commanders.

Mario23
02
18.7.2010, 16:03
Das ist eine Neid-Umfrage

Wer keine Titel hat (also das gemeine Volk) wird sich natuerlich aufregen. Ist das gleiche wie mit dem Geld (wer keins hat, jammert herum).

Wichtig ist jedoch, dass ein akademischer Titel fuer eine gewisse intellektuelle Reife zeugt.

phaidros
00
18.7.2010, 18:49

als traeger eines hohen akademischen titels oute ich mich als einer, der sich aufregt.
ausserdem zeigt ein akademischer titel nur in seltenen faellen von intellektueller reife. viele machen ein studium einfach nur um spaeter mehr geld zu verdienen. mit intellekt hat das wenig zu tun.

paul der oktopus
00
18.7.2010, 14:59
Eigentlich wollte für den ersten Punkt abstimmen.

Jedoch trifft das meine Meinung nicht ganz. Bei der Anrede oder auf Namensschildern auf dem akad. Grad, Amtstitel oder was auch immer zu beharren, finde ich unnötig. Vielen von uns steckt halt noch die Monarchie in den Knochen.

Bei Bewerbungen und dgl. sind vorweisbare Abschlüsse jedoch immer angebracht. Auch international. Wobei es in Österreich oft egal zu sein scheint, woher man seinen Abschluss hat. Leider.

Raketen Ferdl
00
18.7.2010, 14:30
Solange,

es in Ö. div. unqualifizierte Agrarräte, Ökonomieräte etc., aufgeblasene C-Führungsschicht und Politiker ohne Know-How und Ausbildung gibt beharre ich auf meine Titel, damit jene wissen woran sie sind.

Ein gutes Beispiel ist:

http://www.vdei.de/eurail-ing.html
http://www.ueeiv.com/deutsch_2... /inde.html

Hier wird ein Titel auf internationaler Ebene aus dem Hut gezaubert und nur des Titels wegen.

Privat & international sind mir Titel gänzlich egal, die Arbeit muss gemacht werden und das in bester Qualität, ob Akademiker oder 0815 ist vollkommen egal.

aktionsgemeinschaft für inkontinenzunterwäsche
01
18.7.2010, 13:58
ich kann kein blut sehen

ich ließ mir meinen dr. aus dem reisepass entfernen, nachdem ich einmal im ausland in einer notfallsituation für einen arzt gehalten worden war und die leute ganz bös waren, weilich nicht helfen konnte. mir wurde bloß schlecht!

Immanuel Cunt
12
18.7.2010, 12:33
Was genau ist am Führen von erarbeiteten Graden schlecht?

Der "Titel" drückt einfach nur aus, dass jemand einige Jahre seines Lebens darauf verwandt hat, Wissenschaft (unterschiedlicher Qualität) zu betreiben. Auch wenn Bildung heute definitiv out ist, sollte das in einer "Wissensgesellschaft" mit einer gewissen Achtung vor dieser Leistung verbunden sein.

Das ewige Herbeireden von Komplexen und Präpotenzen, auf denen die Verwendung der Grade beruhen würden, ist ja mittlerweile auch schon ein wenig fad. Mal abgesehen davon, dass auch die Titelverächter sich nicht daran stören, ihren Arzt als "Hr. Doktor" anzureden.

Ausserdem sind Leistungstitel wesentlich sympathischer als geerbte Titel (z.B. Adelstitel), die ja in DE noch gerne verwendet werden und an deren Verwendung sich offenbar keiner stört.

geheuerliches getümchen
00
18.7.2010, 12:12
titel sind ok,

aber man muss nicht immer alle angeben.

bei "mag. dr." ist der mag. überflüssig, bei "prof. dr." der dr.

und ansonsten sollte man sie genau so viel angeben, wie sie für die jeweils adressierten menschen im kontext der aktuellen kommunikation eine funktionelle bedeutung haben.

und wenn man sich einmal kennt, dann können sie weggelassen werden.

die akad. titel gehören aus dem namensrecht heraus, das ist eine internatinale anomalie.

uncle phil
00
18.7.2010, 16:49

wenn jemand Mag. Dr. schreibt ist das...

a) nur gerecht wenn er 2 studien gemacht hat, in einem hat er nach dem Mag. noch den Dr. gemacht und nennt sich jetzt Dr. und im anderen hat er nur den Magister gemacht und nennt sich daher berechtigterweise Mag. dieses Faches

b) er hat im selben fach zuerst Mag. und dann Dr. gemacht - dann ist das nicht nur titelgeil sondern absolut bescheuert und ich weiss nicht mal ob es legal ist. außerdem wäre es nicht ganz fair der "Gruppe a)" gegenüber

bei den letzten beiden sätzen bin ich ganz bei Ihnen!!

hans wurst
 
00
18.7.2010, 18:44

Es entspricht aber einem zweiten Studium, wenn man einen PhD macht, zB auf der TU, das dauert 3-4 Jahre. Auch wenn es "im gleichen Fach" ist, ist ein Dr. nicht einfach (wie früher bei den Juristen) ein paar Prüfungen mehr, sondern tatsächlich ein eigenes Studium.

uncle phil
00
18.7.2010, 20:13

ja eh, auch bachelor und master sind auch 2 studien mit verschiedenen kennzahlen usw, aber da schreibt man doch net ernsthaft ,BSc, MSc oder

ich dachte das macht man nur wenn man zb
WiWi BA und dann noch Informatik BSc + MSc gemacht hat = BA, MSc

ich lasse mich aber gerne belehren, wenn Sie wissen wie man das machen muss. Wenn Sie eine Quelle/Regelung wissen fühlen Sie sich im Voraus bedankt und immer her damit!

hans wurst
 
00
18.7.2010, 21:43

naja, ich finde BSc und MSc hängen schon mehr zusammen, da es vor ein paar Jahren noch ein einziges Studium war. Eine Regelung wie man was machen muss gibt es wohl nicht, aber ich weiß dass ich mich BSc und DI nennen darf, obwohl es eben auch - wie Sie schrieben - aufbauend und daher eigentlich subsumierend ist. Wie auch immer, wenn ich mich persönlich bei wem vorstelle, lasse ich die Titel sowieso weg weil ich das lächerlich finde.

uncle phil
00
19.7.2010, 13:57

da kann man nur zustimmen, sehr oft wirkt es fast lächerlich die titel zu erwähnen. ich finde es daher auch einfacher und besser wenn titel nach dem namen geschrieben werden, dann spricht man sie nicht ständig mit dem namen sondern schreibt sie dort wo es angebracht ist als zusatz.

meine freundin hat übrigens die selbe situation, sie macht nach dem bachelor studium aufbauend ein DI studium (also nicht ganzes diplomstudium sondern nur ~2 jahre) und ich ein MA. bei mir bin ich mir sicher dass der MA den bachelor ersetzt aber bei BSc und DI bin ich mir da auch nicht sicher. es gibt ja meines wissens nicht viele aufbau diplomstudien. ist wohl tatsächlich so dass es dazu keine regelung gibt. im titel-verliebten Ö eigentlich ein mangel^^

Gerald Czech1
 
00
18.7.2010, 11:05
feine Unterschiede?

Soziologisch sind Titel nichts anderes als gesellschaftlich institutionalisierte Bildungsabschlüsse, die "magisch" symbolische Macht verleihen (http://de.wikipedia.org/wiki/Pier... _Bourdieu) natürlich nur jenen gegenüber, die derartige "Waffen" nicht haben. Je nach Eigenposition erkennt man dieses symbolische Kapital, oder man findet es blöd. Aus der Perspektive betrachtet ist es noch interessanter, die Diskussion hier zu verfolgen ...

Li-Ion
02
18.7.2010, 11:04
"International sind Titel auf Visitenkarten und in E-Mail-Signaturen die Ausnahme"

Öhm, da hab ich gegenläufige Erfahrungen, was Visitenkarten angeht. Auf denen ist immer die gesamte Schar an akademischen Graden versammelt. In E-mails hingegen kümmert es natürlich keinen.

datenPunk
05
18.7.2010, 03:57
titel hin oder her

mir kommt vor, dass in dieser diskussion titel und akademischer abschluss wild vermischt werden.

vor meinem berufsbegleitendem studium (nach 10 jahren praxis) war ich auch der (schutz)meinung, dass ein akademischer abschluss nix bringt, weil es kommt ja darauf an was man kann, blabla.
wenn man aber dann das 10. mal beim kunden seine lebensgeschichte erzählt, weil man nach der qualifikation gefragt wird, wünscht man sich das studium herbei.

praktisch jeder öffentliche posten verlangt die entsprechende ausbildung. wenn man zb. nebenbei ein bissl unterrichten will, reicht ein "ich habe aber so viel praxis" genau nichts.

ganz abgesehen davon habe ich in meinem studium auch noch enorm viel dazugelernt.

paul der oktopus
00
18.7.2010, 14:50
(schutz)meinung

Wunderbar formuliert. Auch ich war dieser (schutz)Meinung. Ich studiere nun seit vier Jahren, bin jedoch froh darüber, dass ich nicht Vollzeit arbeiten muss. Ich beziehe Selbsterhalterstipendium, obwohl ich auch hier noch nebenbei arbeiten muss. Weiters finde ich, dass die Altersobergrenze beim Selbsterhalter keinen Sinn macht. Wäre das für Sie interessant gewesen?

datenPunk
00
18.7.2010, 18:32

war für mich keine option, weil ich mit haus, frau, 3 kindern und eigener firma einen "etwas erhöhten" finanzbedarf habe :)

speziell bei den quereinsteigern ist diese option aber sicher zu empfehlen, weil man doch um einiges länger bei den übungen sitzt. ich teils mir halt mit der firma ein, delegiere viel und habe jetzt einen stressigen, urlaubsfreien sommer vor mir :)

Der Glaube an Europa
00
18.7.2010, 12:34

Mein Doppelgänger? :-)
Da deckt sich ja fast alles mit mir, mit dem kleinen Zusatz, dass ich grad am Anfang meines berfufsbegleitenden Studiums steh. Aber ansonsten 100 %ige Zustimmung.

datenPunk
00
18.7.2010, 12:54

bin auch noch nicht ganz fertig - so 1,5 semester to go bis zum BSc.

profitiere aber seit dem 3. semester beruflich massiv davon, weil sich einfach die optionen wie man etwas machen kann erweitern.

auf jeden fall ist es schaffbar - und a schöne zeit is auch - konsequent mitlernen und dann passt des scho - viel glück ;)

Pepe Nero
22
18.7.2010, 10:02
Natürlich

finden vor allem jene "Titel" bzw. akademische Grade völlig unnnötig, die selbst keine haben.

Ich, der sch... Gutmensch
00
18.7.2010, 15:31
Ich hab einen Titel (DI)

Finde Titel aber trotzdem unnötig.

Warum?

Ich arbeite mit so vielen DI-Flaschen und Mag-Kasperln zusammen, die einfach ihre Leistung nicht bringen. Punkt

Hurrrrzn!
00
17.7.2010, 22:55
Nicht nur Österreicher beharren auf ihren Titeln.

In Deutschland und GB weden Leute nach wie vor mit Adelstiteln angeredet, mit der Begründung, das sein einfach Ihr Name.

Auch nicht anders, auch nicht besser. Mit dem Unterschied, dass sogar der HTL-Ing. hat irgendwas für sein Titel getan hat.

Ein Moralist, dem eh alles wurscht ist.
00
17.7.2010, 22:40
Jetzt fällt's mir wieder ein!

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