Osterfestspiel-Affären

Kontrolldebakel für Gabi Burgstaller

4. März 2010, 13:30

Die Eigentümervertreterin der Osterfestspiele las offenbar nie die Jahresabschlüsse

Salzburg - Die Dokumente haben je um die 60 Seiten und lassen an Genauigkeit nichts vermissen: Die Jahresabschlüsse der Salzburger Osterfestspiel GmbH. Penibel sind die Bezüge sämtlicher Mitarbeiter, ihre Reisespesen und alle "sonstigen betrieblichen Aufwendungen" aufgelistet. Selbst bei oberflächlicher Lektüre stellt man schnell fest, dass die Gesellschaft sich von einem sparsamen Wirtschaften immer weiter entfernte.

So hat sich das Gehalt des mittlerweile entlassenen Geschäftsführers Michael Dewitte von 2001 auf 2009 fast verdoppelt, es stieg von 133.834 auf 233.677 Euro. Die Reisekosten allein des Verwaltungspersonals haben sich im gleichen Zeitraum verdreifacht, die Repräsentationskosten hatten sich von 2001 bis 2006 gar vervierfacht. Auch die Rechts- und Beratungskosten hatten sich zwischen 2001 und 2008 fast verdoppelt.

Der Klubobmann der grünen Bürgerliste im Salzburger Gemeinderat, Helmut Hüttinger, im Zivilberuf Wirtschaftsanwalt, legte die Jahresabschlüsse am Donnerstag vor. Er habe schon viele solche Berichte gelesen, sagte Hüttinger, "aber kaum einer war von einer solchen Detailliertheit wie die der Osterfestspiele". Er frage sich, warum trotz dieser Zahlen die Gesellschafter nie einen Finger gerührt hätten. Dewitte war Jahr für Jahr entlastet worden.

Für die Entlastung war niemand Geringerer als Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) verantwortlich. Als geschäftsführende Präsidentin der Osterfestspiel-Stiftung war sie die offizielle Vertreterin des 98-Prozent-Gesellschafters der GmbH (zwei Prozent gehören einem Salzburger Rechtsanwalt).

Hüttingers Vorwürfe seien "alte Hüte und wurden bereits mehrfach diskutiert und widerlegt", reagierte Burgstallers Pressesprecher: Die detaillierten Jahresabschlüsse habe die Landeshauptfrau nie gesehen, nur Gewinn- und Verlustrechnungen sowie Bilanzen.

Erst 2009 habe sie "erheblichen Druck" auf Geschäftsführer Dewitte ausgeübt und so Details erhalten. Vorher sei nie jemand auf die Idee gekommen, die Jahresabschlussberichte zu verlangen. Es habe "keine Hinweise auf Malversationen" gegeben.

Für Hüttinger wiederum ist es "nicht nachvollziehbar", dass eine erfahrene Juristin wie Burgstaller "sich so abspeisen lässt". Er verlangte eine vollständige Aufklärung der Affäre statt "Schnellschüssen" bei der Neuorganisation mit öffentlichem Geld. (Markus Peherstorfer/ DER STANDARD, Printausgabe, 5.3.2010)

 

Was die Grünen in den Jahresabschlüssen fanden - eine Aufstellung:

- Das Gehalt des mittlerweile entlassenen Geschäftsführers Michael Dewitte ist von 2001 bis 2009 von 133.834 auf 233.677 Euro gestiegen.

- Die Reise- und Bewirtungskosten kletterten im selben Zeitraum von 33.000 Euro auf 91.000 Euro, die des Verwaltungspersonals von 34.665 auf 111.254 Euro.

- Um rund die Hälfte gestiegen sind innerhalb von neun Jahren die Rechts- und Beratungskosten: von 70.042 Euro auf 118.013 Euro. Der Höchststand wurde im Jahr 2008 mit 134.636 Euro verzeichnet.

- Das Gehalt einer Angehörigen von Dewitte, die bei den Osterfestspielen offenbar "ohne Job Description" angestellt war, stieg wie das Ausmaß ihrer Anstellung von 6.000 Euro im Jahr 2006 auf 43.673 Euro im Jahr 2009.

- Während der Anteil an verkauften Karten von 17.983 im Jahr 2001 auf 14.186 im Jahr 2009 sank, stieg der Anteil der Frei- und Restkarten von 728 auf 3.307. Im Jahr 2006 wurden am meisten Frei- und Restkarten verzeichnet, und zwar 6.350, und dies bei 13.786 verkauften Karten.

- Der ebenfalls gefeuerte Technische Direktor der Sommerfestspiele erhielt trotz Nebentätigkeitsverbots jährlich ein Beraterhonorar von 3.500 bis 6.200 Euro jährlich. Zusätzlich bekam er erst über seine Firma TDC jährlich 14.385 Euro, ab 2006 nicht mehr unter TDC sondern namentlich genannt von 14.385 (2006) bis 75.680 Euro (2008). (APA)

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Weiterlesen:

Burgstaller und Osterfestspiele: Lieber dumm bleiben
Politische Verantwortung? Österreich ist anders. - Kommentar von Andrea Schurian

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22 Postings
grizabella
 
01
Festspielpräsidenten + 1 Präsidentin

Im Anfang war Alexander Prinz von Thurn und Taxis, dann kamen Richard Strauss, Richard Hildmann ( später BM von Salzburg ), zweimal Heinrich Baron Puthon ( dazwischen war die "Gauleitung" zuständig ), dann Bernhard Paumgartner, Josef Kaut, Albert Moser ( vorher Staatsoper Wien u. Ges.d.Musikfreunde ), Heinrich Wiesmüller ( Bankier ), und jetzt haben wir die ehem. Journalistin, Politikerin und "Boutiquenschneiderin" Helga Rabl-Stadler. Wenn das kein Abstieg ist !

Yes I can!
01
so viel hat man der burgstaller gar nicht verheimlicht

wenn man sich das so anschaut. die zahlen hätten auch ihr bekannt sein müssen, schliesslich hat sie sie ja 5 jahre lang abgenickt und den dewitte entlastet.

Giuseppe Verdi1
00
einst war in diesen bilanzen ein großes plus....

...als herr von karajan noch die osterfestspiele mit seinen mannen im griff hatte. - dann kam dieser englische dirigierende nichtskönner mit seiner "crew" und binnen weniger jahre ist alles weg! frau burgstaller ist wirklich reif für den rücktritt- sitzen alle wie die maden im speck anscheinend unantastbar und abgehoben!

Der Große von Gegenüber
00

Erinnert mich an den Steuerprozess gegen Gerhard Bronner seinerzeit, bei dem Bronner auf die Frage des Richters: "Lasen Sie nie ihre Bücher" geantwortet hat: Ich lese keine Bücher, ich schreibe höchstens welche ...

Caroline Schmelz
01
also, ich habe ja schon viele

ausflüchte in dieser sache gelesen: von burgstaller, schaden, kretschmer, dewitte, rabl-stadler, flimm, schweighofer, schausberger ... aber dass die frau schurian schuld ist, weil standard.at wörtlich eine apa-meldung über eine aussendung der grünen einrückt: das ist neu. nein, nein, die frau gabi wird sich ihrer aufsichtspflicht (respektive deren verletzung) schon stellen müsen. das ist doch wohl das albernste, dass am ende die armen politiker die opfer sind, weil sich ein beliebiges sample von untertanen gegen sie verschworen haben soll

Weltenbürger Demosthenes
12
Privatfeldzug

Es ist schon fast skurril zu beobachten, wie DER STANDARD und Frau Schurian für ihre Journalisten-Ex-Kollegin und die direkte Verantwortungsträgerin Rabl Stadler lobbyiert und versucht, das alles, was aus dem Verantwortungsbereich der Frau Festspielpräsidentin (Kretschmer watr IHR Angestellter) gequollen ist, der Frau Burgstaller anzujubilieren.

Für mich ist das die Österreich-typische Haberei, Marke Schurian.

Ubaldini
02

Beide sind rücktrittsreif.

Der Tempelritter
 
14
Peter Stein

Peter Stein, einer der großen und von der Boutiquenschneiderin im Kostüm der Festspielpräsidentin Vertriebenen hat deutlich gesagt, dass ganz Salzburg von den Malversationen des Mr. 10% wusste - und niemand etwas unternahm. DAS wäre allein Sache der Dame R-St. gewesen.

Jetzt die Angestelltentaten aus dem Verantwortungsbereich der Kleiderverkäuferin LH Burgstaller in die Schuhe zu schieben, das ist erkennbares Kampagnisieren und nicht korrekt.

Caroline Schmelz
13
meinen sie das ernst?

inwiefern ist denn frau schurian verschwörungstheoretisch dafür verantwortlich zu machen, dass frau burgstaller zum himmel stinkende bilanzen über jahre durchwinkt? weiter unten steht, sie könne sich unter der last ihrer vielen ämter schließlich nicht um alles kümmern, dafür habe sie beamte. da fragt man sich schon, um welches amt sie sich sonst noch nicht kümmert. und die beamten: die sind freischaffende schlampsäcke und tagediebe? oder wurden sie vielmehr, wie jürgen flimm vermutet, von frau burgstaller mit der sache einfach nicht befasst, weil ihr die ganze sache am geschätzten landeshauptfraulichen gesäß vorbeigegangen ist?

Weltenbürger Demosthenes
00
Wie immer

Es ist Standard von bewusstem Campaigning, Fakten, die gegen das Mobbing wider einzelne Personen sprechen, als "verschwörungstheoretisch" zu verunglimpfen. Dazu erkennt man vorgeschobenes Geschreibsel, dass es sich einer denunziatorischen Unsprache bedient, etwa von "schlampsäcken, tage dieben" oder vom Gesäß von Menschen herumbelfert.

Nein nein, jeder der des Lesens mächtig und neutral ist, kann die offene Tendenz erkennen, die wahren Verantwortlichkeiten in Salzburg zu tarnen und der alten Garde der Haslauerei zu huldigen.

Yaketi Yak
02
System Salzburger Festspiele

Ich würde sagen, Frau Burgstaller ist rücktrittsreif.

Caroline Schmelz
11
Pardon und

ohne besondere Sympathien für Frau Rabl-Stadler: Aber wenn jemand ein hoch entwickeltes kriminelles System von Firmen in einer schwer zu kontrollierenden Fachmaterie entwickelt wie Herr Kretschmer; so ist das doch etwas anderes, als wenn ein offenbar desorientierter und von persönlichen Problemen heimgesuchter Geschäftsführer hemmungslos prasst, sich und seiner Gattin Phantasiegehälter überweist und für ein Pimperlfestival von zehn Tagen mehr Repräsentationsspesen aufhäuft als die riesigen Sommerfestspiele. Frau Burgstaller hat hier, schlicht und sträflich, keinen Blick auf offensichtlich stinkfaule Bilanzen riskiert. Das ist alles.

stimme zu
03
Fakt ist: Alles Stand im Prüfbericht ...

... und Burgstaller sagt die Prüfberichte habe sie nie gesehen.

Soll daß heißen, das einer geschäftsführendem Präsidentin die Prüfberichte von einem Geschäftsführer =Dewitte verweigert wurden???

Ich glaub ja alles - aber so einen unsinnn nicht

René Herndl
21
Ohne Partei nehmen zu wollen, ...

... aber glaubt denn hier wirklich ein Mensch, dass ein Politiker (oder eine -in) alle Funktionen, die er/sie kraft ihres Amtes innehaben auch wirklich ausübt und alles kontrolliert. Dazu haben die Damen und Herren ihren Mitarbeiterstab. Wenn jedoch jemand hauptberuflich eine Stellung einnimmt, wie etwa Frau Rabl Stadler bei den Sommerfestspielen, dann ist eine Kontrollpflicht inkludiert und mangelnde Kontrolle ein schweres Versäumnis. Dass auch hier die Politik eine gewisse fragwürdige Rolle spielt, steht auf einem anderen Blatt, jedenfalls aber sollten dererlei Positionen durch politisch unabhängige Fachleute besetzt sein - und dies ist weder dort noch da der Fall. Konsequenzen? Sündenböcke findet man immer, aber die wirklich Schuldigen?

Caroline Schmelz
01
Und was heißt: kraft seines Amtes?

Steht Ämterkumulierung im Grundgesetz?

Michael Haberler
00
kraft ihres Amtes

ja, offensichtlich musste die arme Frau Burgstaller das machen

weil wenn sie einen kompetenten Vertreter entsandt hätte, hätt sie nachher nicht so oft eine Wortspende im Fernsehen abgeben können

Lieber Herr Herndl: das Prinzip heisst "Delegation", und ist der Schlüssel zum Funktionieren einer arbeitsteiligen Gesellschaft

Thomas Rothschild
 
00
Politischer Zynismus

Was die Grünen fanden, ist schlimm genug. Dass die zuständigen Überprüfer es zuvor nicht fanden, macht es nur noch schlimmer. Die Ratsvositzende der Evangelischen Kirche in Deutschland ist wegen Trunkenheit am Steuer von ihren Ämtern zurückgetreten. Sie hat niemandem geschadet außer ihrer Leber. Kennt man in Österreich eigentlich noch das Prinzip der politischen Verantwortung? Kennt man eine Moral, die bei solchem Versagen den Rücktritt erforderlich machte? Frau Burgstaller jedenfalls hat nicht nur bei ihrer Leber Schaden verursacht. Es sind Zyniker wie sie, die den Rosenkranz und Strache Zulauf gerantieren. Aber vielleicht stört auch das die Haider-Verehrerin Burgstaller nicht.

?und
00
mir kommen langsam zweifel.....

die hälfte der wähler sind keine deppen - der prozentsatz verschiebt sich stetig zu gunsten der deppen.

zittersepp
02
Die Vorwürfe sind aber nicht neu

Die Misstände im Budget der Salzburger Osterfestspiele (z.B. der völlig überzogene Posten Büroaufwand mit 650000 Euro) hat z.B. Welser-Möst "binnen 30 Sekunden" gesehen und anschließend Burgstaller mitgeteilt.

Aber an der Teflon-Gabi bleibt selten was hängen, noch erkennt sie eigene Fehler.

Ubaldini
00

"Den Gesellschaftern seien die detaillierten Jahresabschlüsse nicht vorgelegen"

Und trotzdem wurde dem Geschäftsführer die Entlastung erteilt? Das wird allen Ernstes als Rechtfertigung vorgebracht?

Ich frage mich ernsthaft ob unsere Politkaste gar nicht lügt, sondern nur komplett im Lalaland lebt.

Die Gezeichneten
60

Vielleicht war Frau Burgstaller durch ihren Einsatz für Abtreibungen zu stark von wirtschaftlichen Themen abgelenkt.

Weltenbürger Demosthenes
32
Wirklich?

Da erkennt man, was und wer hinter dem Mobbing gegen G. Burgstaller steht!

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