Die Eigentümervertreterin der Osterfestspiele las offenbar nie die Jahresabschlüsse
Salzburg - Die Dokumente haben je um die 60 Seiten und lassen an Genauigkeit nichts vermissen: Die Jahresabschlüsse der Salzburger Osterfestspiel GmbH. Penibel sind die Bezüge sämtlicher Mitarbeiter, ihre Reisespesen und alle "sonstigen betrieblichen Aufwendungen" aufgelistet. Selbst bei oberflächlicher Lektüre stellt man schnell fest, dass die Gesellschaft sich von einem sparsamen Wirtschaften immer weiter entfernte.
So hat sich das Gehalt des mittlerweile entlassenen Geschäftsführers Michael Dewitte von 2001 auf 2009 fast verdoppelt, es stieg von 133.834 auf 233.677 Euro. Die Reisekosten allein des Verwaltungspersonals haben sich im gleichen Zeitraum verdreifacht, die Repräsentationskosten hatten sich von 2001 bis 2006 gar vervierfacht. Auch die Rechts- und Beratungskosten hatten sich zwischen 2001 und 2008 fast verdoppelt.
Der Klubobmann der grünen Bürgerliste im Salzburger Gemeinderat, Helmut Hüttinger, im Zivilberuf Wirtschaftsanwalt, legte die Jahresabschlüsse am Donnerstag vor. Er habe schon viele solche Berichte gelesen, sagte Hüttinger, "aber kaum einer war von einer solchen Detailliertheit wie die der Osterfestspiele". Er frage sich, warum trotz dieser Zahlen die Gesellschafter nie einen Finger gerührt hätten. Dewitte war Jahr für Jahr entlastet worden.
Für die Entlastung war niemand Geringerer als Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) verantwortlich. Als geschäftsführende Präsidentin der Osterfestspiel-Stiftung war sie die offizielle Vertreterin des 98-Prozent-Gesellschafters der GmbH (zwei Prozent gehören einem Salzburger Rechtsanwalt).
Hüttingers Vorwürfe seien "alte Hüte und wurden bereits mehrfach diskutiert und widerlegt", reagierte Burgstallers Pressesprecher: Die detaillierten Jahresabschlüsse habe die Landeshauptfrau nie gesehen, nur Gewinn- und Verlustrechnungen sowie Bilanzen.
Erst 2009 habe sie "erheblichen Druck" auf Geschäftsführer Dewitte ausgeübt und so Details erhalten. Vorher sei nie jemand auf die Idee gekommen, die Jahresabschlussberichte zu verlangen. Es habe "keine Hinweise auf Malversationen" gegeben.
Für Hüttinger wiederum ist es "nicht nachvollziehbar", dass eine erfahrene Juristin wie Burgstaller "sich so abspeisen lässt". Er verlangte eine vollständige Aufklärung der Affäre statt "Schnellschüssen" bei der Neuorganisation mit öffentlichem Geld. (Markus Peherstorfer/ DER STANDARD, Printausgabe, 5.3.2010)
Was die Grünen in den Jahresabschlüssen fanden - eine Aufstellung:
- Das Gehalt des mittlerweile entlassenen Geschäftsführers Michael
Dewitte ist von 2001 bis 2009 von 133.834 auf 233.677 Euro
gestiegen.
- Die Reise- und Bewirtungskosten kletterten im selben
Zeitraum von 33.000 Euro auf 91.000 Euro, die des
Verwaltungspersonals von 34.665 auf 111.254 Euro.
- Um rund die Hälfte gestiegen sind innerhalb von neun Jahren die
Rechts- und Beratungskosten: von 70.042 Euro auf 118.013 Euro. Der
Höchststand wurde im Jahr 2008 mit 134.636 Euro verzeichnet.
- Das Gehalt einer Angehörigen von Dewitte, die bei den
Osterfestspielen offenbar "ohne Job Description" angestellt war,
stieg wie das Ausmaß ihrer Anstellung von 6.000 Euro im Jahr 2006
auf 43.673 Euro im Jahr 2009.
- Während der Anteil an verkauften Karten von 17.983 im Jahr 2001 auf
14.186 im Jahr 2009 sank, stieg der Anteil der Frei- und
Restkarten von 728 auf 3.307. Im Jahr 2006 wurden am meisten Frei-
und Restkarten verzeichnet, und zwar 6.350, und dies bei 13.786
verkauften Karten.
- Der ebenfalls gefeuerte Technische Direktor der Sommerfestspiele
erhielt trotz Nebentätigkeitsverbots jährlich ein Beraterhonorar
von 3.500 bis 6.200 Euro jährlich. Zusätzlich bekam er erst über
seine Firma TDC jährlich 14.385 Euro, ab 2006 nicht mehr unter TDC
sondern namentlich genannt von 14.385 (2006) bis 75.680 Euro
(2008). (APA)
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Österreich ist anders. - Kommentar von Andrea Schurian