montage: andreas proschofsky / grafiken: hylke bons, jakub steiner, andreas nilsson
Beinahe acht Jahre ist es bereits her, dass sich das GNOME-Projekt
seinen letzten großen Versionssprung gegönnt hat: Im Juni 2002
wurde GNOME 2.0 veröffentlicht und brachte damals massive Veränderungen
für den Linux-Desktop mit sich: Ein großer Teil der Basistechnologien
wurde neu geschrieben, zahlreiche neue Funktionen und Anwendungen kamen
hinzu. Ein Unterfangen, mit dem man die Basis für die kommenden Jahre
legen sollte, das allerdings auch durch erhebliche Verzögerungen
gekennzeichnet war, GNOME2 erschien schließlich mehr als ein Jahr später
als ursprünglich erhofft.
Lehrreich
Probleme aus denen man rasch seine Lehren zog, in Folge sollte GNOME
mit einer beinahe schon verblüffenden Zuverlässigkeit alle sechs Monate
eine neue Version der eigenen Softwarezusammenstellung veröffentlichen.
Neue Features wurden nach und nach eingeführt, weitere Programme kamen
mit praktisch jeder Release hinzu. Ein System, das natürlich auch so
seine Schattenseiten hat, schleppt GNOME doch bis heute einige veraltete
Technologien mit sich herum, die man selbst schon längst nicht mehr
als zeitgemäß ansieht.
GNOME3
Also entschloss man sich im Sommer 2008 zum großen Schnitt: Mit
GNOME 3.0 sollen im Herbst 2010 - konkret visiert man derzeit den 29. September für die Veröffentlichung an - zahlreiche Komponenten in die
wohlverdiente Softwarepension geschickt werden, das grafische Toolkit
GTK+, das die Basis von GNOME bildet, soll dabei ebenfalls aufgeräumt werden.
Gleichzeitig will man den Versionssprung aber auch dazu nutzen, um die
Bedienungskonzepte der eigenen Software grundlegend zu hinterfragen,
eine neue User Experience einzuführen, Änderungen an bestehenden
Programmen vorzunehmen und den Look zu überarbeiten. Vor kurzem haben
sich die DesignerInnen des GNOME-Desktops zu einem Usability-Hackfests
in London getroffen und dabei die Pläne für GNOME 3.0 weiter präzisiert,
sowie gleich Ideen für darüber hinaus gehende Verbesserungen am
Desktop geschmiedet. Ein guter Anlass, einen aktuellen Blick auf den
Entwicklungsstand von GNOME3 zu werfen, und die weiteren Vorhaben etwas
ausführlicher zu skizzieren.