Ein Hoch dem Zinsabstand

KrisenFrey, 03. März 2010 21:21
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    Foto: ap/makrogiannis

Nicht die jetzigen Aufschläge auf griechische Staatsanleihen sind das Problem, sondern die absurd niedrigen Renditen bis 2008

Rund 300 Basispunkte, oder drei Prozentpunkte, beträgt derzeit der Zinsabstand (Spread) zwischen griechischen Staatsanleihen und deutschen Bundesanleihen. Investoren, der ein griechisches Papier kaufen, verlangen einen Aufschlag in dieser Höhe, um das Risiko eines Staatsbankrottes zu kompensieren.

Für Griechenland ist dies eine teure Angelegenheit und für europäische Politiker ein Krisensymptom, für das Hedgefonds verantwortlich gemacht werden und das dringend beseitigt gehört.

Aber man könnte genauso gut diesen Zinsabstand als Normalzustand betrachten und sich darüber wundern, warum es ihn nicht schon viel früher gab. Bis zur Euro-Einführung 1999 gab es bereits einen deutlichen Zinsabstand zwischen griechischen und deutschen Papieren. Damals wollten sich Investoren vor allem das Risiko einer Abwertung der Drachme, der griechischen Währung, durch höhere Renditen abgelten lassen.

Im Vorfeld des griechischen Euro-Beitritts 2001 schrumpfte dieser Abstand, um danach fast völlig zu verschwinden. Von 2001 bis Sommer 2008 warfen griechische Staatsschulden nur 25 Basispunkte, oder ein Viertelprozentpunkt, mehr ab als deutsche und etwa gleich viel wie österreichische Papiere. Der Abstand zu den Bundesanleihen wurde damals vor allem mit technischen Faktoren, etwa der geringeren Liquidität, erklärt.

Rückblickend war das ein Wahnsinn. Mit der Beseitigung des Wechselkursrisikos taten die Finanzmärkte so, als ob griechische Staatsanleihen überhaupt kein Ausfallsrisiko hätten. Und das, obwohl Griechenland auch in diesen Jahren deutlich höhere Schulden und Defizite vorwies als das EU-Musterland Deutschland.

Auch bei Unternehmensanleihen werden bei gleicher Währung, wenn es kein Wechselkursrisiko gibt, die Bonitäten dennoch anders bewertet. Warum also nicht bei Staaten?

Die deutsche Wirtschaft litt gewaltig unter dieser Markteinschätzung der relativen Bonität. Mit dem Euro verloren deutsche Unternehmen, private Kreditnehmer und auch der Staat den bisherigen Zinsvorteil, während die europäischen Konkurrenten plötzlich Zugang zu billigen Krediten hatten. Ökonomen führen einen guten Teil der Wachstumsschwäche unter der rot-grünen Regierung Schröder auf diesen Zinseffekt zurück.

Griechenland profitierte davon hingegen enorm, genauso wie Italien, Spanien, Portugal und Irland. Aber letztlich erwiesen sich die niedrigen Zinsen als vergiftetes Geschenk für diese Staaten. Denn sie lösten einen Kreditboom aus, der Preise und Löhne in die Höhe trieb und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften schwächte.

Und das billige Geld ersparte den Ländern jene harte ökonomische Disziplin, die man sich eigentlich von der Euro-Einführung  erwartet hätte. Wer einer Währungsunion beitritt, begibt sich des Instrumentes der Abwertung und muss bei einer Verschlechterung der Wettbewerbssituation den Gürtel enger schnallen, also die Lohnkosten senken.

Die deutsche Exportindustrie tat das von 2002 bis 2007 und steht heute besser dann denn je. Die Südflanke der EU genoss inzwischen die Party und leidet nun unter einem furchtbaren Kater.

Warum die Finanzmärkte den Griechen und Spaniern nicht höhere Zinsen abverlangte, ist rückblickend unverständlich. Offenbar gingen die Investoren davon aus, dass es in der Währungsunion kein Ausfallrisiko gibt, weil – allen anderslautenden Verträgen zum Trotz - jedes bankrotte Land ohnehin aufgefangen wird. Und vielleicht werden sie damit Recht behalten, wenn das große EU-Rettungspaket für Athen wirklich zustande kommt.

Das mag für den Augenblick besser sein als ein finanzieller Kollaps, der zumindest politisch den Euro gefährdet. Aber wenn sich alles beruhigt hat und die Krise vorbei ist, kann man nur hoffen, dass Griechenland & Co. nie wieder von den Märkten so behandelt werden, als wären sie genauso so sicher wie Deutschland oder Österreich.

Nur nachhaltig höhere Zinsaufschläge werden dazu führen, dass die jetzigen Reformen und Sparmaßnahmen auch durchgehalten werden. Erst wenn die Wirtschaftspolitik im „Club Med“ wirklich der der Deutschen gleicht, verdienen sie die Zinsparität.

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18 Postings
Hurra Deutschland!
04.03.2010 18:45
Die Party ist zu Ende.


Die „Südländer“ haben den Euro und die damit verbundenen Niedrigzinsen genutzt, um ihre noch nie vorhandene Ausgabendisziplin mit billigen Krediten weiterhin unterlaufen zu können. Inzwischen haben sie dadurch Schulden angehäuft, unter denen sie bei marktgerechten Zinsen sofort zusammenbrechen werden.

Deutschland ist in keiner Weise ein Musterknabe, die paar Reförmchen unter Schröder reichen nicht aus. Der Bundeshaushalt ist zu einem Viertel (!!!!) mit neuen Schulden finanziert, und die Aussicht auf höhere Steuereinnahmen kann man sich abschminken.

Übrigens ist das Volumen der CFD’s für Italien ebenfalls gewaltig angestiegen. Das wird dann wohl nach Großbritannien der nächste Gerüchtekandidat sein.

Hurra Deutschland!
04.03.2010 19:11

CDS statt CFD

Ava Tar
04.03.2010 12:29
Was genau ist jetzt dran ein "Hoch darauf" ?

In GR sieht's inzwischen so aus, daß die Spitäler keine Medikamente und Heilbehelfe mehr haben, weil die Kassen leer sind - wie sehr muß man eigentlich neben dem Leben stehen, um da ein "Hoch darauf" zu geben ?

Abgesehen davon strotzt der Artikel von Falschinformation. Die Deutschen haben mitnichten bei den Lohnkosten "den Gürtel enger geschnallt", sie haben in Automation investiert und hunderttausende arbeitslos gemacht

Dazu braucht's nicht nur eine menschenverachtende Mentalität, die die Südländer nun mal nicht haben, sondern auch Branchen, in denen das sinnvollerweise geht - Maschinenbau, Autos, Technik/IT: aufgrund der hohen Wertschöpfung rentiert sich die Substitution Kapital für Arbeit eher als bei Lederwaren, Wein, Olivenöl & Co.

amused8
05.03.2010 10:18
Bei der Reallohnentwiclung gehört Deutschland zu den Schlußlichtern in Europa.


Lohndumping ist sozusagen die dunkle Seite des Exportweltmeisters oder anders ausgedrückt, ohne Lohndumping kann man nicht Exportweltmeister werden. Ob das sinnvoll ist? Für die Shareholder wahrscheinlich schon:

Hier die Reallohnentwicklung 1991-2006 laut Wiki:

http://de.wikipedia.org/w/index.p... 1217173800

Auch nicht viel besser was die Süddeutsche zeigt:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaf... 0116/text/

Vor kurzem war zu hören, das erste Mal seit 1949 sind 2009 sogar die Bruttolöhne gesunken.

Protagoras v. Abdera
05.03.2010 11:13
Das ist dem Frey doch wurscht

Ihn interessiert hauptsächlich die Frage, wie Spekulanten aus der Krise kommen und sich für ihre ach so ungerechte Behandlung seit 2008 sanieren können, nicht wie diejenigen aus der Krise kommen, die das Wachstum durch den Mehrwert ihrer Arbeitskraft erwirtschaften.

rinius ante portas
04.03.2010 14:19

Selten so einen Quatsch zum Thema gelesen, obwohl man von dir ja so einiges gewohnt ist.
Die von dir unterstellten "Falschinformationen" sind natürlich Fakten, die in jedem guten statistischen Jahrbuch nachlesbar sind!

Ava Tar
04.03.2010 19:05

zeig her das statistische Jahrbuch ;o)

Hurra Deutschland!
04.03.2010 18:08

Ich mache es mir einfach und schließe mich an. :-)

Poldi Fesch
04.03.2010 14:03
no was denn

ist Automation, wenn nicht Lohnkosten senkend ?

Ava Tar
04.03.2010 19:00

Automation ist nicht "den Gürtel enger schnallen"

"den Gürtel enger schnallen" wäre eine Lohnsenkung
das ist nicht passiert

Es wurde einfach die Anzahl der Lohnempfänger reduziert

Protagoras v. Abdera
05.03.2010 11:59
In dieser Pauschalität stimmt das nicht

Vielmehr ist in entwickelten Industrieländern wie Deutschland ein zweifacher, sehr widersprüchlicher Prozess zu beobachten: In der industriellen Fertigung steigt die Kapitalintensität und damit auch die Freisetzung von nicht mehr benötigten Arbeitskräften. Diese werden aber -dank HartzIV und ähnlichen Programmen- mit disziplinierenden Sanktionen wie der Andohung von Leistungskürzungen in arbeitsintensive Beschäftigungsverhältnisse gezwungen, in denen tatsächlich ein Lohndumping stattfindet, das der Staat durch seine daran gekoppelten Sozialleistungen subventioniert.

Poldi Fesch
04.03.2010 19:11
??

und deswegen sinken nicht die Lohnkosten ? Weniger Empfaenger, weniger Kosten. Das ist nicht hoehere Betriebswirtschaft

Ava Tar
05.03.2010 00:27

Wer schnallt dabei den Gürtel enger ? Der Volkskörper ?

Poldi Fesch
05.03.2010 09:28
Volkskoerper

mag ein bisserl eine eigenwillige Terminologie sein, aber grundsetzlich ja. Die Volkswitschaft verkraftet ein Lohnvolummen v. X. Mehr eben nicht.

Theodor Rahm-Schnitzl
04.03.2010 11:36
Supa Artikel

Kurz und buendig, gleich zum Punkt gekommen. Danke.

lessismore
04.03.2010 04:26

Der Zinsabstand ist nicht in Griechenland produziert wordem, sondern in Deutschland. Man fragt sich, was der Plan ist: Soll Griechenland die Deutschen von ihren Exportmärkten verdrängen? Das wäre nämlich erforderlich -- Lohndrückerei allein bringt überhaupt nichts.

Ivan Bukov
04.03.2010 10:15

Exakt das Problem! Das deutsche System ist naemlich nicht nachhaltig. Es kann ja wohl kaum Jedes Land der Welt Exportweltmeister von Investitionsguetern werden...

mike sierra
03.03.2010 23:06
"EU-Musterland Deutschland"???

Dieses Land hatte schon ein Defizitverfahren anhängig vor der Krise!!!

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