Umstrittener Präsident Togos, Faure Gnassingbé, steht vor einem zweiten Wahlsieg
Lomé/Nairobi - Während Togos Präsident Faure Gnassingbé zum Ende des Wahlkampfs staatsmännisch die Einheit beschwörte, marschierten am Dienstag in der Hauptstadt Lomé mehr als 15.000 Oppositionsanhänger durch die Straßen und forderten einen Wechsel. „43 Jahre an der Macht sind genug", ist der beliebteste Slogan, den die Demonstranten unmittelbar vor der Wahl skandieren.
„Wir wollen endlich ein Ende der Gnassingbé-Dynastie", ruft François, einer der Demonstranten. Erst hat Gnassingbé Eyadema, zum Schluss nur noch „der Alte"genannt, das westafrikanische Land 38 Jahre lang mit eiserner Hand geführt: Er starb 2005 im Amt. Stunden nach seinem Tod ernannte das Militär Sohn Faure zum Nachfolger. Mehr als 400 Menschen starben, als Soldaten das Feuer auf Demonstranten eröffneten. Schließlich musste Faure Gnassingbé sich einer Wahl stellen, doch deren Ergebnis stand vorher fest.
Diesmal gibt der Amtsinhaber sich als Stütze einer demokratischen Wahl: „Die Wahl muss ruhig ablaufen, ohne Gewalt." Doch Oppositionsanhänger sind wütend, weil sie erneut Tricks vermuten. „Faure hat die Wahlregister gefälscht, im Norden stehen hunderttausende Geisterwähler auf den Listen", sagt ein Menschenrechtsaktivist, der seinen Namen nicht preisgeben möchte.
Doch die erwartbare Niederlage der Opposition in dem Sechseinhalb-Millionen-Einwohnerstaat, der außer Phosphat keine Bodenschätze besitzt und zu den 25 unterentwickeltsten Ländern der Welt zählt, ist zu einem guten Teil hausgemacht. Die Opposition tritt mit sechs Kandidaten an. Doch viele frustrierte Oppositionsanhänger werden nicht wählen.
Viele, vor allem in der Armee, sind immer noch der Meinung, dass Faures Bruder Kpatcha der bessere Präsident wäre - Kpatcha gilt als verschlagen und brutal, ein Abbild seines Vaters. Doch er sitzt im Gefängnis, seit ihm im April 2009 angeblich ein Putschversuch gegen Faure misslang. Auch deshalb steht die Afrikanische Union geschlossen hinter dem Amtsinhaber: Nach den Putschen in Niger und Guinea will man noch einen Konfliktherd in Westafrika um jeden Preis vermeiden. (DER STANDARD Printausgabe, 4.3.2010)