Der frühere kroatische General Zagorec sowie der Unternehmer Oblak sind neue Beschuldigte im Fall Hypo
Neue Beschuldigte in der Causa Kärntner Hypo Alpe Adria: Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun auch explizit gegen zwei Kreditnehmer der Bank, den kroatischen Ex-General Vladimir Zagorec und den slowenischen Immobilienunternehmer Miro Oblak. Sie sollen mit dem damaligen Bank-Vorstand Günther Striedinger Hypo-Kredite erschlichen haben. Der Verdacht lautet auf Beihilfe zur Untreue, es gilt die Unschuldsvermutung. Bisher hat die Justiz nur gegen Striedinger und "Verantwortliche" ermittelt.
In einem älteren Verfahren gegen das ehemalige Aufsichtsratspräsidium gab es einen Rückschlag: Das Oberlandesgericht Graz hat Anträge auf Kontenöffnung zurückgewiesen.
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Klagenfurt/Wien - Neue Entwicklungen in der Aufarbeitung der Beinahe-Pleite der Hypo Alpe Adria. Wurde bisher nur gegen Ex-Vorstandsmitglied Günther Striedinger ermittelt, geraten nun zwei Kreditnehmer ins Visier der Justiz. Darunter befindet sich der prominente kroatische Ex-General und Ex-Vizeverteidigungsminister Vladimir Zagorec. Ebenso wird nun der slowenische Immobilienunternehmer Miro Oblak als Beschuldigter geführt, bestätigte der Klagenfurter Staatsanwalt Helmut Jamnig dem Standard.
Der Anfangsverdacht laute auf Beitrag zur Untreuehandlung. Die Ermittlungen könnten sich allerdings auf Betrugsverdacht ausweiten, ebenso möglich sei die Einstellung des Verfahrens, erläuterte Jamnig.
Zagorec taucht in der Causa Hypo regelmäßig auf. Vor kurzem wurde er in Kroatien zu sieben Jahren Haft (nicht rechtskräftig) verurteilt. Er soll Edelsteine im Wert von fünf Millionen Dollar mitgenommen haben, als er im Jahr 2000 seinen Posten im Verteidigungsministerium geräumt hatte. Zagorec bestreitet die Vorwürfe. Während des UN-Waffenembargos (1991 bis 1995) über Kroatien soll der frühere Chauffeur die Armee ausgerüstet haben. Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt baute der enge Vertraute des im Jahr 2000 verstorbenen Präsidenten Franjo Tudjman von Österreich aus ein Immobilienimperium auf. Eineinhalb Jahre nach der Ausstellung eines Haftbefehls durch die kroatischen Behörden lieferte Österreich Zagorec im Jahr 2008 aus. Davor wurde wegen Geldwäscheverdachts ermittelt. Ergebnislos.
Nun knüpft sich die Anklagebehörde den mutmaßlichen Waffenschieber über den Umweg Hypo neuerlich vor. Zagorec soll im Zusammenspiel mit dem damaligen Vorstand Striedinger Kredite erschlichen und die Bank geschädigt haben. Gerüchte über ein Obligo von 250 Millionen Euro gegenüber dem höchst dekorierten General wurden von der Hypo stets zurückgewiesen, eingeräumt wurden "nur" 70 Mio. Euro. Dabei ging es um Immobilien- und andere Projekte in Kroatien. Auch das Lösegeld für einen entführten Zagorec-Sohn finanzierte die Hypo.
Ebenfalls auf der Beschuldigten-Liste befindet sich Miro Oblak, ein slowenischer Geschäftsmann, der einen Wohnsitz in Klagenfurt hat. Er kaufte nach dem Zerfall Jugoslawiens Grundstücke an der Bucht von Piran auf. Die Hypo finanzierte. Oblak mischte ebenso wie Zagorec auch im Waffengeschäft mit. Und ebenso wie Zagorec soll der Slowene mit Striedinger Kredite erschlichen haben. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.
Weniger gut voran kommt ein älteres Verfahren, bei dem gegen den Chef der Grazer Wechselseitigen, Othmar Ederer, und den früheren Wirtschaftsprüfer Karl-Heinz Moser wegen unrichtiger Darstellung der Verhältnisse in deren Funktion als Hypo-Aufsichtsräte ermittelt wird (es gilt die Unschuldsvermutung). Das Oberlandesgericht Graz hat den Antrag auf Konteneinschau zurückgewiesen, bestätigte sein Sprecher UlrichLeitner. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 04.03.2010)