"Mirabili disinganni" beleuchtet engen Bezug des Jesuiten und Barock-Großmeisters zu Österreich
Rom - Das Österreichische Historische Institut in Rom widmet dem italienischen Maler und Architekten Andrea Pozzo (1642-1709) eine große Ausstellung. "Mirabili disinganni" heißt die Schau, die am Freitag im Palazzo Poli in Rom eröffnet wird. Sie zeigt Werke des berühmten Malers und Architekten, der nicht nur für die Kulturgeschichte Roms und Oberitaliens, sondern in besonderem Maße für die Blüte des österreichischen und mitteleuropäischen Hochbarocks von großer Bedeutung ist. Kuratoren sind Richard Bösel, Direktor von Österreichs historisches Instituts in Rom, und die Historikerin Lydia Salviucci Insolera. Zu den Organisatoren der Ausstellung zählt die päpstliche Universität Gregoriana.
Der aus Trient stammende Maler hatte bereits als Perspektivkünstler Weltruhm erlangt, als er 1702 an den Wiener Kaiserhof berufen wurde. In Wien gestaltete er den Innenraum der Universitätskirche um, wo er als Höhepunkt eine Scheinkuppel malte. Später schuf er den Hochaltar der Franziskanerkirche und den heute nicht mehr erhaltenen Hochaltar der Kirche am Hof. Sein letztes Werk ist das Deckenfresko im großen Saal des Gartenpalais Lichtenstein in der Rossau ausgeführt für Fürst Johann Adam Andreas I. von Lichtenstein. Pozzo starb 1709 in Wien und wurde in der Krypta der Kirche am Hof beigesetzt.
Eben aufgetauchte Original-Druckplatten
In der Ausstellung werden Grafiken, Gemälde und Originalmodelle und vor allem die Illustrationen von Pozzos großem Perspektivtraktat gezeigt. Es war dieses von Pozzo geschaffene Lehrbuch, das dem Künstler in allen Weltteilen Ruhm verschaffte. Das 1693 und 1700 verlegte Buch wurde in kürzester Zeit in die wichtigsten europäischen Sprachen übersetzt und erschien 1729 sogar in Peking in chinesischer Übersetzung. Die originalen Druckplatten zu den Abbildungen dieses Werks sind vor kurzem im römischen Kunsthandel aufgetaucht und konnten vom "Istituto Nazionale per la Grafica" erworben werden. Dieser Fundus bildet den Kern der qualitätdsvollen Ausstellung.
"Der enge Bezug dieses erstrangigen europäischen Künstlers zu Österreich hat unser Institut dazu bewogen, in Zusammenarbeit mit namhaften Forschungseinrichtungen Roms und Italiens eine wissenschaftlich anspruchsvolle Ausstellung zu realisieren, der bereits im November des Vorjahres ein internationales Symposium vorausgegangen ist", sagte Kurator Bösel.
"In den Werken Andrea Pozzos findet die visuelle Kultur des Barock zu einem absoluten Höhepunkt. Mit gleicher Meisterschaft widmet er sich der Malerei, der Architektur und dem Bühnenbild, wobei er in bisher unbekannter Weise die illusionistische Kraft des imaginären Raumes beschwört. Beabsichtigt ist dabei die möglichst glaubwürdige und überzeugende Darstellung des Imaginären, des Visionären, des Unendlichen und Transzendenten", betonten die Kuratoren. (APA)