WK-Wahl

Schwarze bauen Macht aus, Blaues Debakel

3. März 2010, 17:34
  • Artikelbild
    vergrößern 600x475
    grafik: apa
  • Artikelbild
    vergrößern 800x797
    grafik: apa
  • Artikelbild
    foto: standard/matthias cremer

    Die Wiener Kammer-Chefin Brigitte Jank konnte die Absolute des VP-Wirtschaftsbundes mit 50,3 Prozent knapp behaupten.

Geringe Wahlbeteiligung - Die neue blaue Liste von Heinz-Christian Strache kam unter die Räder

Der ÖVP-Wirtschaftsbund konnte seinen Vorsprung auf die Konkurrenz bei der Wirtschaftskammer-Wahl weiter ausbauen. Die neue blaue Liste von Heinz-Christian Strache kam unter die Räder.

***

Wien - Der ÖVP-Wirtschaftsbund wird auch in Zukunft alle neun Präsidenten in den Landes-Wirtschaftskammern stellen. Bei den zwischen dem 27. Februar und dem 2. März abgehaltenen Kammerwahlen konnten die Schwarzen Unternehmer ihre Macht sogar noch ausbauen.

Die Fraktion von Kammer-Präsident Christoph Leitl konnte laut dem vorläufigen Endergebnis von 70,1 Prozent auf 70,9 Prozent zulegen. Der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband von Spitzenkandidat Christoph Matznetter verlor 1,5 Prozentpunkte und liegt nun bei 11,5 Prozent. Die Grünen (Spitzenkandidat Volker Plass) konnten zulegen und kommen nun auf 5,8Prozent.

Der Ring Freiheitlicher Wirtschaftstreibender (RFW) büßte österreichweit 1,4 Prozentpunkte ein und kommt auf nur mehr 8,6 Prozent. Allerdings: Bei den Blauen gab es im Vorfeld Streitereien. In Wien trat eine zweite FPÖ-Liste (Pro Mittelstand) an.

Die ÖVP konnte damit entgegen den Prognosen weiter zulegen. Mit einem Machtverlust wurde vor allem in Kärnten und in Wien gerechnet. In Kärnten machten die jüngsten Kalamitäten um die Hypo-Bank aber offenbar primär dem RFW, der der im Land regierende FPK nahe steht, zu schaffen.

Die Blauen verloren fast acht Prozentpunkte und sanken auf 21,1 Prozent ab. Der Wirtschaftsbund konnte im südlichsten Bundesland von 53 auf über 61 Prozent zulegen. Die SPÖ blieb konstant, die Grünen konnten leicht zulegen.

In der Bundeshauptstadt war es für die ÖVP wieder knapp. Nach 50,5 Prozent bei der letzten Wahl waren es diesmal 50,3 Prozent. Landeskammer-Chefin Brigitte Jank konnte die Absolute damit knapp halten. Rote (29,65Prozent) und Grüne(9,4Prozent) blieben fast unverändert, dafür verlor der RFW fast die Hälfte der Stimmen. Die zweite blaue Liste, die FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache nahe steht, kam nur auf 2,7 Prozent. "Pro Mittelstand" schaffte damit nicht den Einzug in das Kammerparlament.

11.000 Funktionäre

In allen anderen Bundesländern bestand für die ÖVP keine Gefahr, die absolute Mehrheit zu verlieren. In einigen Bundesländern wie Oberösterreich (plus 2,3 auf 75,2 Prozent), Niederösterreich (plus 0,9 auf 78,6 Prozent) oder der Steiermark (plus 1,7 auf 76 Prozent) legte der Wirtschaftsbund sogar weiter zu. Leichte Verluste gab es in Tirol (minus 2,4 auf 80,2 Prozent) und dem Burgenland (minus 1,6 auf 70,3 Prozent).

Österreichweit waren dieses mal 418.000 Selbständige wahlberechtigt. Die Wahlbeteiligung ist im Vergleich zur Wahl 2005 weiter gesunken - von 48 auf nur mehr 41 Prozent.

Das vorläufige Endergebnis liegt jetzt zwar vor, aufgrund des mehrstufigen Wahlrechts wird es aber bis zum 24. Juni dauern, bis sich das höchste Organ der Kammer, das Wirtschaftsparlament, konstituiert und das Kammer-Präsidium wählt.

Bundesweit werden nicht weniger als 11.000 Funktionen in 95 Fachverbänden besetzt. Im Vergleich zur letzten Wahl hat sich die Zahl der Funktionäre damit aber sogar deutlich reduziert, 2005 waren noch 12.100 Posten zu besetzen. (APA, go, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 04.03.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 131
1 2 3 4
Diego: Das alte Lager
 
10
Die Frage der Wirtschaftskompetenz von Parteien ist nun beantwortet.

jimmydean
01

ja... 30% der selbständigen glauben die övp hat die größte kompetenz... die anderen 70% nicht...

Der Profichiller
 
00

nur die der wirtschaftslobbykompetenz.

EquinoxOmega
00

Wie funktioniert das Mandatssystem hier? Ich sehe irgendwie nur wenig Zusammenhang zwischen der Anzahl der Mandate und den Ergebnis der Wahl in Prozenten.

G e o r g
00

"Die Wahlbeteiligung ist im Vergleich zur Wahl 2005 weiter gesunken - von 48 auf nur mehr 41 Prozent."

Es fehlt nicht mehr viel, und die Wahlbeteiligung sinkt auf das Niveau der ÖH-Wahlen. Eigenartigerweise kommen hier keine solchen hämischen Kommentare. Ist der Wirtschaftsbund in Zukunft auch irrelevant, weil nur so wenige Leute zur Wahl gehen? Oder hängt die Relevanz doch weniger von der Wahlbeteiligung und mehr von anderen Faktoren ab?

Der Beobachter23
00
Wie manipuliere ich mit Schlagzeilen

Dafür ist dieser Artikel ein hervorragendes Beispiel. In den Bundesländern hat der blauer RFW zumeist zugelegt und den zweiten Platz vor den Roten gehalten.
In Wien traten 2 Listen an, eine offizielle FPÖ-Liste (pro Mittelstand) und eine eher orange-affine (RFW-Wien) - die zusammengerechnet ihr letztes ERgebnis nur knapp unterboten haben.
Hier hat es für die FPÖ ein Debakel gegeben, weil die Kanditatur zweier Listen niemandem wirklich zu erklären war.
Das Gesamtergebnis als Debakel für die Blauen zu bezeichnen, entspricht daher manipulativem Wunschdenken, und wäre bei einer grünen, roten oder schwarzen Parteipostille zu erwarten, nicht aber bei einer seriösen überparteilichen Zeitung.

Der auf der Nudelsuppen dahergschwommen is
 
00

von den grünen gab es sogar 3 gruppierungen und dennoch konnten sie zulegen...

Heiner Müller
05
Debakel für die Blauen

ein vielversprechender Start ins Wahljahr 2010

Eidechse
01

Ja aber wo ist denn dieser Debakel? Die Sozis haben mehr verloren und die Blauen liegen mit den Sozis fast gleich auf.

Sabrine Grünbaum
00
das debakel gabs schon 2005 und wurde nun noch schlimmer

das blaue debakel geschah 2005, als es die blauen halbiert hatte und sie erstmals den sicheren 2. platz vor den roten verloren (und diese bundesweit erstmals zweistellig wurden). dass dieses debakel (unmittelbar nach der spaltung der blauen aber noch mit einer geeinten liste) trotz antritt der strache-leute neben dem rfw auch bei zusammenrechnung beider gruppen noch schlimmer wurde, ist die überraschund bei diesen wahlen. ein schlechtes zeichen für strache und den wien-wahlen im herbst.

dass die roten in zeiten, wo es in den letzten 24 monaten immer nur dicke minus vor den ergebnissen gab, ihr rekordergebnis 2005 fast halten konnten, ist erstaunlich.

G e o r g
00

Das Debakel gab es wohl nur in Kärnten.

Wien76
12
Freue mich das Gruene Wirtschaft immer starker wird

Das ist der Pluspunkt bei dieser Wahl.

Ingrid Goeschl1
13
Dass der ÖVP-nahe Wirtschaftsbund sein Ergebnis verbessern konnte, ist desillusionierend.

Skandale, die in dieser Größenordnung noch nie dagewesen sind (BUWOG, Hypo, Mensdorff...) haben nicht verhindert können, dass die Mehrheit der Wahlberechtigten es nicht der Mühe wert fanden, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen.

Schade, ich hätte mir erhofft, dass hinkünftig mehr Politik für Klein- und Mittelbetriebe und weniger für die ÖVP-nahe Großindustrie gemacht wird, aber offensichtlich bewirken wahlwerbende Zungenbekenntnisse mehr als alle Fakten.

dölerich hirnfidler
51

eh lieb. aber wer macht politik für kmus? die grünen zwängler, die jeden tag nach einem neuen verbot krähen? die roten society-löwen, die nie genug steuern bekommen können? oder gar die intellektfreien schlitzis, die österreich isolieren, gschwind das steuergeld einstecken und dann hoffen, nicht erwischt zu werden?

Schwarz Grün
21
wenn sie ein bisserl nachdenken würden, ......

könnte sogar ihnen auffallen, dass 95% der etwa 8000 ÖWB funktionäre vertreter von klein und mittelbetrieben sind .......

aber schimpfen ist halt einfacher als denken, stimmts?

jimmydean
03
nur sind diese vertreter auf höheren ebenen nicht mehr vertreten

im oö wirtschaftsparlament (ca. 70 abgeordnete) sitzen genau zwei vertreter von epus, und das sind jene der grünen...

Ingrid Goeschl1
00

Außerdem ist ja nicht die Frage, welche Unternehmen die ÖWB-Funktionäre selbst haben (die führenden verdienen ohnedies ganz gut mit ihrer Wirtschaftskammertätigkeit), sondern für wessen Interessen der Wirtschaftsbund eintritt.

Und das sind nun mal nicht die KMU, die noch dazu die meisten Arbeitsplätze stellen, sondern jene mit großen Unternehmen und großen Einkommen.

universaldilettant aka iq007
 
41

wieso berichtet man über eine Wahl so genau, die offensichtlich hinten und vorne gefälscht ist?

JosefGott
00

Ja kloar... Wenn die blauen verlieren, isses gefälscht, wenn nicht, dann lief alles korrekt ab?

universaldilettant aka iq007
 
00

ich mein doch nicht die Blauen:
sonder z.B. das hier: http://derstandard.at/126774338... rten-Boten

Kohlhaas1
00
Ein gutes Omen .

Die perverse Logik der Rechten
01
Strache ...

... Wir sind die eindeutigen Wahlsieger . Wir haben unseren Stimmenanteil mehr als verdoppelt

JosefGott
00

Wer sind "wir"?

Michael Aires
212
Ein Erklärungsversuch

Selbständige, Wirtschaftstreibende müssen zumindest über einen Funken Verstand verfügen, sonst sind sie schnell vom Markt.
Ergo: Diese blaue Luftblasen und Verhetzerpartei nützt, bringt, klärt, erwirtschaftet nichts, braucht also nicht gewählt zu werden.

Leider wählt die Masse ja eher mit dem Bauch oder anderen Körperteilen ... als dem Hirn.

G e o r g
00

Nein, der Markt ist nicht so streng wie du es dir vorstellst. Unter Unternehmern gibt es genauso schlaue und dumme Leute wie sonst auch überall.
Bei "Luftblasen" denke ich übrigens öfter an Teile der Werbe- und Beraterbranche. Und auch die finden immer wieder Unternehmer als Kunden.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 131
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.