Sarkopenie

Wenn Muskeln alt werden

03. März 2010 15:55

Die Muskelmasse eines Menschen nimmt im Alter ab - Sport und gesunde Ernährung stoppen den gefährlichen Muskelmassenverlust

Wiesbaden - Das Altern des Körpers wird zuerst auf der Haut sichtbar und in den Gelenken spürbar. Unbemerkt bleibt oft, dass auch die Muskelmasse im Alter abnimmt - mit gefährlichen Folgen für die Gesundheit, vor denen Experten der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) warnen. Dimensionen des Alterns sind unter anderem Thema auf dem diesjährigen 116. Internistenkongress der DGIM, der vom 10. bis 14. April 2010 in Wiesbaden stattfindet.

Auch gesunde Menschen verlieren im fortgeschrittenen Alter an Muskelmasse. Bis zum 80. Lebensjahr gehen etwa 30 Prozent verloren, erläutert Kongresspräsident Jürgen Schölmerich von der Universität Regensburg: "Wir spüren dies nicht, da sich die meisten Tätigkeiten im Alltag heute mit geringer Muskelmasse bewältigen lassen. Die Diagnose Sarkopenie wird oft erst gestellt, wenn es zu einem schweren Sturz gekommen ist."

Stürze und Geh-Störungen

Tatsächlich ist die Muskelschwäche die häufigste Ursache für Stürze im Alter. Auch an den Sturzrisiken Nummer zwei und drei, den Störungen von Gang und Gleichgewicht, ist häufig eine Muskelschwäche beteiligt. Viele Stürze führen zu Knochenbrüchen, die oft lange Krankenhausaufenthalte mit sich bringen. Schließlich führen Komplikationen wie Thrombosen oder Lungenentzündungen häufig zum Tod."Die Sarkopenie gehört eindeutig zu den unterschätzten Gesundheitsrisiken im Alter", betont Schölmerich.

"Timed Up & Go Test"

Bei übergewichtigen Menschen ist die Sarkopenie oft schwer zu erkennen. Ein Zeichen kann ein Wadenumfang von weniger als 31 Zentimeter sein. Die gestörte Beweglichkeit prüft der Arzt mit dem "Timed Up & Go Test": Gemessen wird die Zeit, die ein Patient benötigt, um von einem Stuhl mit Lehne aufzustehen, drei Meter nach vorne und zurück zu gehen und sich wieder zu setzen. "Bei einer Sekundenzahl bei 14 oder darüber, ist die Gangsicherheit eingeschränkt; ab 20 Sekunden ist die Mobilität eingeschränkt", sagt Schölmerich.

Sport und gesunde Ernährung

Dabei sei eine Sarkopenie kein unvermeidbares Schicksal. "Muskelkraft und Beweglichkeit lassen sich auch im Alter durch Sport steigern", erläutert Reto W. Kressig, Extraordinarius und Chefarzt für Geriatrie an der Universität Basel. Er rät allen älteren Menschen, sich fünf Mal in der Woche eine halbe Stunde körperlich zu betätigen. Höchstleistungen sind nicht erforderlich: Bereits normale Haus- und Gartenarbeit, häufiges Treppensteigen, Nordic Walking oder ein ausgedehnter Spaziergang stärken die Muskeln. Aber auch Gymnastik oder ein Krafttraining können Senioren durchführen.

Wichtig für ein erfolgreiches Altern ist auch eine gesunde Ernährung. "Muskeln benötigen genügend Eiweiß, vor allem wenn durch das Training neue Muskelmasse aufgebaut werden soll", erläutert Kressig. Der Experte verordnet vielen Patienten Vitamin D, das einen wesentlichen Einfluss auf die Muskelfunktion hat. Studien haben gezeigt, dass eine ausreichende Vitamin D-Zufuhr die Sturzrate von älteren Erwachsenen um bis zu 50 Prozent senken kann. Die meisten Senioren hätten jedoch einen Vitamin D-Mangel, so Kressig, da das Hormon in unseren Breitengraden vermindert in der Haut gebildet werde. (red)

Kommentar posten
20 Postings
Mann40
04.03.2010 12:53

nach Sarkopenie erfolgt dann die Sarkoeinie

surgeon surgeon
04.03.2010 11:31
Wieder ein ausgezeichneter Ansatz, der durch Fehlinformationen auffällt.

Mir ist nicht klar, warum auch Ärzte immer wieder behaupten, dass Gartenarbeit, Spaziergänge, Treppensteigen oder ähnliches die Muskeln stärken. Das ist komletter Unfug und durch hunderte Studien und Versuche belegt. Ein Muskelaufbau bzw. Erhalt und eine damit einhergehende Stärkung der Knochen ist nur durch gezieltes und "schweres" Krafttraining zu erreichen. Das bedeutet Belastungen im Bereich von 65% bis 90% Fmax, alles andere ist Kreislauf/Stoffwechsel- und Konditionstraining.
Auch der Konsum von Eiweiss für Muskel oder Calcium gegen Osteoporose bringt nichts, da der Körper nur dann einlagert wenn eine entsprechende Belastung des Systems vorhanden ist.

Der kleine Lord Extra
04.03.2010 14:59
"Mir ist nicht klar, warum auch Ärzte immer wieder behaupten, dass Gartenarbeit, Spaziergänge, Treppensteigen oder ähnliches die Muskeln stärken."


Weil es stimmt. ZB Treppensteigen: Ein Bein stemmt das gesamte Körpergewicht (abzüglich des Teils unterm Knie) hoch. Das ist für die meisten Menschen eine Belastung von mehr als 65% Fmax.

Außerdem reichen zum Erhalt der Kraft schon Belastungen von 50% Fmax aus.

T-Minus1
04.03.2010 12:21
Ignoranz

Die Medizin hat jahrzehntelang den Faktor Kraft im allwissender akademischer Hoheit ignoriert. Endlich wird ärztlicherseits allmählich begriffen das körperl. Konditonierung auch eine nicht unerhebliche Kraft bzw. MuskelKomponente speziell für den älteren Menschen hat. Trotzalldem gibt es noch genug Ärzte die 0815 Ratschläge bar jeder physiologischen u. physikal. Realität von sich geben. - leider.

Brennessel und Rasierklinge
04.03.2010 11:20
Sarkopenie...

...mir fielen da gleich die Badehosenbilder von Sarkozy ein...

johann potakowskyj
 
04.03.2010 01:22
da hat derstandard einst

über einen Test berichtet, in dem teilnehmer mit diesen hochfrequenzspannungstrainer übten. ansonst sind sie im bett gelegen. ja 10 minuten pro tag genügten, dass die muskelmasse erhalten blieb.

ich ich frage mich, warum man das nicht mehr vor allem bei bettlägrigkeit einsetzt. ich habe beobachtet, dass insbesondere bei bettlägrigkeit alter menschen die muskel rapid abnehmen. da genügen zwei wochen und die können sich nicht mehr auf den beinen halten.

da nützt das beste trainigsprogramm nichts, wenn alte menschen nach zwei drei wochen im spital nicht mehr radfahren und stiegensteigen können.

wenn man solche studien macht, dann soll man dort erkenntnisse ziehen, wo es drauf ankommt - in den spitälern in denen sie diese studien machen z.b.

surgeon surgeon
04.03.2010 11:39
Bereits Asher hat 1947!!! als echter Pionier

in seinem Aufsatz "Die Gefahr zu Bett zu gehen" dieses Thema angesprochen.
Leider kommt es zur Bettlägrigkeit sehr oft, weil die geneigten Kollegen der Ärzteschaft immer noch zahlreiche Vertreter der "gesunden" Schonung beherrbergt. Kaputtes Knie? Schonen! Probleme mit der Schulter? Um Gottes Willen schonen!!! Osteoporose? Bitte auf keinen Fall anstregen! Es wird dann so lange geschont, bis Muskel, Bänder, Gelenke und Knochen endlich weit genug degeneriert sind, bis ein Sturz zu massiven Frakturen und einer kompletten Immobilität führen.

Sushi-Frass Fresser
03.03.2010 20:38
genügend Eiweiß

Einfach regelmäßig in Milch eingerührtes Eiweispulver zu sich nehmen.

phaidros
04.03.2010 17:42

wer sich abwechslungsreich ernaehrt, braucht kein eiweisspulver. die empfohlene menge von 0.7-1 g/kg koerpergewicht/tag kann man ganz leicht mit gewoehnlichen nahrungsmitteln decken.

surgeon surgeon
04.03.2010 11:26
Was absolut nichts bringt,

wenn der Körper nicht trainiert wird.

T-Minus1
04.03.2010 09:42
einfach regelmässig in Milch eingerührtes Eiweisspulver

.... aber nur in Verbindung mit MuskelTraining. Ansonsten ist dieses Tun Mangels Resorption die beste Vorraussetzung für Diabetes und Nieren Insuffizienz.

noexist
 
04.03.2010 00:55

Oder halt gleich mehr Milch trinken; die Eiweißpulver bestehen sowieso meist hauptsächlich aus Milcheiweiß und besser wird die Milch durch die industrielle Verarbeitung sicher auch nicht.

positivist1
 
08.03.2010 18:55
Nicht vergessen, ein Großteil der Bevölkerung hat

eine Laktoseintoleranz.

Fall ?
09.03.2010 10:01

Ich behaupte: nicht nur ein Großteil der Bevölkerung hat eine Laktoseintoleranz sondern ALLE haben sie. Bei manchen kommt sie an die Oberfläche, die haben
beschwerden weil aber irgendetwas anderes nicht in Ordnung ist, das kann mit Stress anfangen und endet.....................

positivist1
 
09.03.2010 12:35
Das kann durchaus stimmen, ich weiß es nicht.

Eine Zeitlang habe ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt, da habe ich gelernt, dass es relativ hohe Zahlen bei der Zuordnung von Menschen mit Laktoseintoleranz gibt.
Diese Zahlen habe ich nicht mehr genau in Erinnerung aber es war ein hoher Prozentsatz.

Ist für mich aber auch nicht weiter wichtig.
Nachdem soviele Milchprodukte verkauft und konsumiert werden, dürfte es genügend Menschen, die diese Produkte vertragen.

Auf der anderen Seite gibt es auch sehr viele Menschen, welche rauchen, und Rauchen ist 100pro
für niemand bekömmlich.

Daher meine ich, das was Sie sagen könnte durchaus stimmen.

ciciban
28.05.2010 15:30

Produkte aus saurer Milch, Butter und Käse enthalten praktisch keine Laktose. Da bleiben nicht mehr viele Milchprodukte über.

Fritz Auer
04.03.2010 08:40
Milchtrinker

1l Milch entspricht ca. 30g Eiweiß. Für Muskelaufbau müsste man daher 1-2l Milch täglich trinken was wegen der Fettzufuhr nicht ratsam ist. Daher: 30-60g Proteinpulver in Wasser oder Magermilch einrühren führt zum gewünschten Erfolg.

ela vie
04.03.2010 09:07
eiweiß ist nicht nur in milchprodukten enthalten

und die menge die sie ansprechen ist der bedarf eines kraftsportlers

mediview
 
03.03.2010 16:09
Na so etwas...

Das ist doch nichts Neues, damit beschäftigen sich Experten? http://mediview.wordpress.com/

Der kleine Lord Extra
04.03.2010 00:24
da nicht einmal 20% der Bevölkerung ein

ausreichendes Fitneßprogramm durchführen, dürfte es so manchem doch neu sein.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.