Waltz: "Es ist eine alternative Realität"

    8. März 2010, 05:11
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    foto: upi

    Standard: "Tarantino hat mir meine Berufung zurückgegeben." Das haben Sie in Cannes bei der Preisvergabe gesagt. Sie blicken als Schauspieler auf eine lange Karriere zurück, und dann öffnet sich plötzlich mit Inglourious Basterds dieses Ventil. So etwas ist selten. Wie nehmen Sie das heute wahr?

    Waltz: Das hat natürlich eine ganz private Seite. Einerseits ist man sehr gefangen in dieser industriellen Fertigung. Diese hat ja auch ihre Richtigkeit - ich kritisiere das nur auf einer bestimmten Ebene. Es ist durchaus ehrenhaft, seinen Lebensunterhalt mit so etwas zu bestreiten. Andererseits gibt es eine schauspielerische Entwicklung, die sich nicht verhindern lässt. Sie führt zu etwas: Die Anforderungen, die an einen gestellt werden, sind immer noch auf dem Niveau von früher. Die handwerklichen Möglichkeiten, die Ausdrucksmöglichkeiten aber verfeinern sich. Das ist wie bei einem Pianisten, der nicht nur an Geläufigkeit gewinnt. Der Überblick über die Sache wächst, man wird sicherer bei der Wahl der Topoi.

    Standard: Man entwickelt eine gewisse Souveränität ...

    Waltz: Ja, und der Blick öffnet sich zunehmend durch die Arbeit. So - und dann hat man diese Entwicklung genommen. Nur - was mache ich jetzt damit? Wieder den zwölften Mörder in einem Fernsehfilm spielen, der in irgendein Programm hineingeschlotzt wurde? Wozu dann auf der anderen Seite mein Bemühen, wenn ich das nicht zur Anwendung bringen kann? Soll das wirklich alles ein Privatvergnügen gewesen sein? Es macht ja Mühe, große Mühe. Aber ich will da keineswegs die Opferrolle einnehmen ...

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